ASF Predigthilfe zum Israelsonntag 2016

Israelsonntag! Israelsonntag? Notwendige Vorbemerkungen

ASF Predigthilfe Israelsonntag 2016 © ASF

ASF Pre­digt­hil­fe Isra­el­sonn­tag 2016 © ASF

Der Sonn­tag trägt den Namen „Isra­el­sonn­tag“. War die­ser 10. Sonn­tag nach Tri­ni­ta­tis frü­her ein Gedenk­tag der Ver­wüs­tung des Tem­pels in Jeru­sa­lem, so ist er heu­te – im Zei­chen der Neu­be­sin­nung des Ver­hält­nis­ses von Chris­ten und Juden – ein Sonn­tag, an dem die unwan­del­ba­re Treue Got­tes zu sei­nem Volk auf­ge­ru­fen wird und die in Jesus Chris­tus gegrün­de­te Ver­bun­den­heit der Kir­che mit ihm. Unnö­tig zu beto­nen, dass jeder Sonn­tag die­sen Namen tra­gen soll­te! Es gibt ihn aber nur ein­mal im Kir­chen­jahr; so soll­te ihm in Lit­ur­gie und Pre­digt expli­zit ent­spro­chen wer­den.

Und wie steht er in der Gemein­de­wirk­lich­keit? Die lan­des­üb­li­chen Pre­digt­me­di­ta­tio­nen begin­nen seit eini­gen Jah­ren ihre Über­le­gun­gen zum „10. Sonn­tag n. Tr.“ mit zag­haf­ten Erwäh­nun­gen zu die­sem „Isra­el­sonn­tag“ und beto­nen die Schwie­rig­kei­ten, eine ver­wur­zel­te Tra­di­ti­on („Juden­sonn­tag“ mit dem unge­klär­ten The­ma „Juden­mis­si­on“) in eine ande­re -„Isra­el­sonn­tag“ – umzu­schmel­zen, die zugleich den Nerv christ­li­chen Selbst­ver­ständ­nis­ses quä­lend berührt und seit den Tagen des Neu­en Tes­ta­men­tes der klei­ne schmer­zen­de Stein in den Wan­der­schu­hen der gro­ßen Kir­chen ist: Die leben­di­ge Exis­tenz Isra­els vor Gott und den Men­schen, die „eine tat­säch­lich gro­ße öku­me­ni­sche Fra­ge“, die fak­ti­sche Tren­nung von Juden und Chris­ten (Karl Barth 1966 im Vati­kan!). Dies spie­gelt sich im Gemein­de­all­tag wider: Wer in der Gemein­de „kennt“ Jüdin­nen und Juden, wel­che Gemein­den pfle­gen Kon­tak­te zu jüdi­schen Grup­pen und Gemein­den? So ist zu Recht gefragt wor­den, ob die „Got­tes­diens­te in Isra­els Gegen­wart“ nicht ungleich sol­che in „Isra­els Abwe­sen­heit“ sind? Und ob das Nach­den­ken über „Kir­che und Isra­el“ nicht aus­schließ­lich in christ­li­chen Krei­sen oder nur weni­gen Köp­fen statt­fin­det? Selbst wenn ange­mes­se­ne For­mu­lie­run­gen die Lit­ur­gie erneu­ern hel­fen, hat das The­ma einen „Sitz im Gemein­de­le­ben“, wird es mit Erfah­rung gefüllt?

Ein Bün­del von Erschwe­run­gen lässt sich auf­schnü­ren: Da ist ein­mal die aktu­el­le, in Deutsch­land extrem schar­fe Kri­tik an Isra­els poli­ti­scher Pra­xis, die in vie­len Gesprä­chen schlech­ter­dings die kom­ple­xes­te theo­lo­gisch-his­to­risch-poli­ti­sche Gemenge­la­ge offen­bart, die in der Kir­che zu fin­den ist! Das geist­lich-poli­ti­sche Echo auf „60 Jah­re Isra­el“ war – Schwei­gen. Weit reicht der Schat­ten Mar­tin Luthers, eine unend­li­che Geschichte…Wieder anders, doch damit eng ver­wandt ist die „Pre­digt“ der gel­ten­den Peri­ko­pen­ord­nun­gen. Bei­stand erhält die­se Situa­ti­on durch ein ver­brei­te­tes Unwohl­sein vie­ler Chris­ten mit dem, was „Gesetz“ ist, also ent­schie­de­ner Lebens­stil, Ver­bind­lich­kei­ten in Ethik und Poli­tik, die Bibel als Grund­la­ge des Glau­bens zu lie­ben und zu ler­nen – vie­les, dem ande­re Stim­men „den Abschied“ geben möch­ten. Ange­sichts die­ser Aus­gangs­la­ge ist es umso wich­ti­ger, den reli­giö­sen Well­ness-Wel­len wie dem Schon-immer-Gewuss­ten zu wider­ste­hen und mit der Sache immer wie­der anzu­fan­gen. Zugän­ge gibt es vie­le und Neu­gier in den Gemein­den über die Gene­ra­tio­nen (!) hin­aus eben­so. Das Gemein­de­le­ben ist eine Bau­stel­le – wo begin­nen: Mit der Kir­chen­mu­sik? Ein inten­si­ver Blick ins Gesang­buch eröff­net sofort eine Bau­stel­le („…jedoch weil ich gehö­re gen Zion in sein Zelt…); die Israel­rei­se-Grup­pe, die zwar „biblisch reist“, aber auch Kon­tak­te zu israe­li­schen Grup­pen auf­nimmt; die Erkun­dung der reli­giö­sen Nach­bar­schaf­ten: „Wo lebt die nächs­te Syn­ago­gen­ge­mein­de?“, Erfor­schung spe­zi­fi­scher Nach­bar­schafts­ge­schich­te: „Es müs­sen nicht immer Stol­per­stei­ne sein!“, Stu­di­um der neu­en „Prä­fa­mi­na“ zu den got­tes­dienst­li­chen Lesun­gen, die ein Hören der Tex­te in ihrer Bezie­hung zu Isra­el ein­üben, Lesen und Durch­den­ken „schwie­ri­ger Tex­te“ der Bibel (Gewalt, Krieg, Opfer u. a.).

Wenn Sie wüss­ten, was ich zu tun habe!“ – flä­chen­de­cken­des Unge­mach, gewiss. Nur ein Wider­spruch: Die genann­ten Ansät­ze begin­nen und enden beim Zen­trum unse­res Gemein­de­le­bens, der Bibel. Und hier dür­fen wir nicht Abra­ham Joshua Heschel auf Dau­er Recht geben: „Im Den­ken unse­rer Zeit kommt die Bibel nicht vor. Sie wird zwar zur Erbau­ung zitiert, einer Pre­digt schein­bar zugrun­de gelegt. Aber sie ist kei­ne leben­di­ge Kraft, die unser Leben prüft. Die Bibel wird als Quel­le des Dog­mas respek­tiert, nicht aber als leben­di­ge Geschich­te.“

Selbst wenn der „Isra­el­sonn­tag“ noch man­cher­orts von „Isra­els Abwe­sen­heit“ bestimmt ist, kön­nen in unse­rer Got­tes­dienst- und Gemein­de­ar­beit Abwe­sen­de anwe­send wer­den – das gehört zu den bibli­schen Ver­hei­ßun­gen…

Die von glied­kirch­li­chen Zusam­men­schlüs­sen EKD, UEK und VELKD ange­sto­ße­ne Arbeit an einer Peri­ko­pen­re­vi­si­on dient gleich­falls der mit dem Isra­el­sonn­tag ver­bun­de­nen Neu­be­sin­nung, so wäh­len wir aus dem KLAK-Peri­ko­pen­re­vi­si­ons-Vor­schlag den Text Dtn 5, 4,5-20. Der Lit­ur­gie-Ent­wurf ist ein Rah­men – er ist je nach Ort, Situa­ti­on und Mit­ar­bei­ten­den ver­än­der­bar.

 

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Folgende Arbeiten können der Vorbereitung dienen

  • …dass er euch auch erwäh­let hat“, Lit­ur­gie fei­ern im Hori­zont des Juden­tums, hrsg. v. Alex­an­der Deeg und Ire­ne Mil­den­ber­ger, Leip­zig 2006
  • Peter von der Osten-Sacken, Got­tes­dienst im Juden­tum – Got­tes­dienst im Chris­ten­tum, Wan­de­run­gen auf einem Lern­pfad, in: Deeg/Mildenberger, 63-88
  • Ursu­la Rud­nick, Got­tes­dienst in der Gegen­wart – und Abwe­sen­heit – Isra­els, Gemein­de­di­dak­ti­sche Refle­xio­nen, in: Deeg/Mildenberger, 289-297
  • Die gan­ze Bibel zu Wort kom­men las­sen, Ein neu­es Peri­ko­pen­mo­dell, Begeg­nun­gen, Son­der­heft 2, Han­no­ver 2009
  • Auf dem Weg zur Peri­ko­pen­re­vi­si­on, hrsg. EKD, UEk und VELKD, versand[at]ekd.de

 

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