Das Alte Testament als Wahrheitsraum des Neuen: Das Verhältnis der ›Testamente‹ nach dem Grundsatz »Allein die Schrift (sola scriptura)«

Das neue Ver­hält­nis zum Juden­tum, das den Kir­chen nach einer lan­gen, schlim­men Geschich­te, die geprägt war durch Blind­heit und Schuld, geschenkt wor­den ist, ist ein gro­ßes Glück.1  Aber der im Dia­log begon­ne­ne Weg ist nicht zu Ende gegan­gen. Wir sind noch lan­ge nicht am Ziel. Immer wie­der gibt es her­be Rück­schlä­ge. In der römisch-katho­li­schen Kir­che erre­gen sie wie im Fall der neu-alten Kar­frei­tags­bit­te welt­weit Auf­se­hen. Doch Ähn­li­ches hat sich mehr­fach auch in der evan­ge­li­schen Kir­che ereig­net, jeden­falls in Deutsch­land. Und im All­tag wird vie­les längst Erreich­te nicht sel­ten ein­fach ver­ges­sen. Die­ses Schwan­ken, die­se Unsi­cher­heit hängt nicht nur mit ver­schie­de­nen theo­lo­gi­schen Rich­tun­gen in der Kir­che zusam­men, es gibt sie auch bei vie­len ein­zel­nen Chris­ten, viel­leicht, wenn wir ehr­lich sind, auch bei man­chen von uns. Wir wol­len das Juden­tum aner­ken­nen und mei­nen doch gleich­zei­tig, durch Jesus Chris­tus eine Nähe zu Gott und zum Heil erfah­ren zu haben, die den Juden fehlt. Einer der tiefs­ten Grün­de für die­se Wider­sprüch­lich­keit liegt in der Art und Wei­se, wie wir die Bibel lesen. Dazu gehört die Bewer­tung des ers­ten Teils unse­rer christ­li­chen Bibel, der ja prak­tisch mit der jüdi­schen Bibel iden­tisch ist. Aber noch wich­ti­ger ist die Art, wie wir das Neue Tes­ta­ment lesen, den spe­zi­fisch christ­li­chen Teil unse­rer Bibel.

 

I. Bisherige Typen der Zuordnung der Testamente und ihre Gemeinsamkeiten

Wie also ist das Ver­hält­nis der bei­den Tei­le der christ­li­chen Bibel zu bestim­men? Sehr unter­schied­li­che Ant­wor­ten hat es im Lau­fe der Theo­lo­gie­ge­schich­te auf die­se Fra­ge gege­ben. Man kann vier Grund­ty­pen unter­schei­den, vier Grund­mo­del­le, auf die sich alle bis­he­ri­gen Ver­su­che zurück­füh­ren las­sen. Es han­delt sich dabei um geron­ne­ne Kir­chen­ge­schich­te. Zugleich aber begeg­nen uns dabei auch die eige­nen Erfah­run­gen. Wir alle, jeden­falls die meis­ten von uns, sind damit auf­ge­wach­sen. Vom Kin­der­got­tes­dienst an bis zu heu­ti­gen Pre­dig­ten sind die­se Wei­sen des Umgangs mit den bei­den ‚Tes­ta­men­ten’ uns begeg­net, und wir haben sie – meist wohl eine Mischung von ihnen – im Her­zen und im Kopf. Ich beschrän­ke mich auf eine knap­pe Andeu­tung der Grund­mus­ter.

 

1. Ablehnung

Da ist ein­mal die völ­li­ge Ableh­nung des Alten Tes­ta­ments. Danach ist die­ses Buch jüdisch und geht uns als Chris­ten nichts an. Es gehört des­halb nicht in die christ­li­che Bibel, die allein aus dem Neu­en Tes­ta­ment besteht. Kon­se­quen­ter­wei­se ist zu for­dern, das Alte Tes­ta­ment aus der Bibel zu ent­fer­nen. Die­se Hal­tung ist im zwei­ten Jahr­hun­dert von der Kir­che gegen Mar­ci­onver­wor­fen wor­den und seit­dem sel­ten, etwa von den radi­ka­len „Deut­schen Chris­ten“, wie­der ver­tre­ten wor­den.

 

2. Kontrast

Ist also das Alte Tes­ta­ment Teil der christ­li­chen Bibel ist, dann kommt Mar­ci­on am nächs­ten eine Hal­tung, die man als Kon­trast bezeich­nen kann. Danach steht das Neue im Gegen­satz zum Alten, das Alte Tes­ta­ment wird als die Folie, als der Hin­ter­grund ver­stan­den, vor dem das Neue sein Pro­fil erst deut­lich zeigt. Die­ses Modell wirkt bis heu­te als Grund­mus­ter in vie­len Pre­dig­ten und prägt ins­be­son­de­re viel­fach eine ele­men­ta­ri­sier­te Leh­re wie in Seel­sor­ge­zu­sam­men­hän­gen oder im Kin­der­got­tes­dienst. Stets wer­den bekann­te Gegen­sät­ze her­aus­ge­stellt: das Neue, wel­ches das Alte über­bie­tet. Es ste­hen sich dann gegen­über: die Juden und Jesus, das Gesetz und sei­ne Über­win­dung im Evan­ge­li­um, aber auch die von­Ra­che ver­sus Gna­de und Barm­her­zig­keit, von unfrei­er Bestimmt­heit durch Reinheit/Unreinheit gegen deren Über­win­dung.

 

3. Christuszeugnis

Wäh­rend das Kon­trast­mo­dell vor allem in der Neu­zeit ent­wi­ckelt wur­de und gewirkt hat, kann man das wich­tigs­te Modell der vor­neu­zeit­li­chen Theo­lo­gie als Chris­tus­zeug­nis bezeich­nen. Danach bezeugt das Alte Tes­ta­ment Chris­tus. Es tut das vor allem in Form von Ver­hei­ßun­gen, die auf Chris­tus hin­wei­sen. Hier spricht also der­sel­be Gott wie im Neu­en Tes­ta­ment, und also letzt­lich Chris­tus selbst, so etwa sieht es Mar­tin Luther. Die­ses Modell fin­det sich mit vie­len Dif­fe­ren­zie­run­gen von den Apo­lo­ge­ten des 2. Jh.s über alle Kir­chen­vä­ter bis zu den Refor­ma­to­ren.

 

4. Relativierung und Selektion

Das Alte Tes­ta­ment der­art direkt als Zeug­nis für Chris­tus anzu­se­hen wur­de mit dem Auf­kom­men des his­to­ri­schen Den­kens in der Neu­zeit pro­ble­ma­tisch. Vor dem Hin­ter­grund des His­to­ris­mus und mit dem Auf­kom­men der his­to­risch-kri­ti­schen Exege­se ent­stand ein vier­tes Modell, das sich mit vie­len Vari­an­ten in der Neu­zeit als das wich­tigs­te her­aus­ge­stellt hat. Rela­ti­vie­rung und Selek­ti­on – so kann die­ses Modell benannt wer­den, von dem Vari­an­ten heu­te offen oder ver­steckt fast über­all begeg­nen. Stets geht es dabei um eine Ent­wick­lung, eine sich im his­to­ri­schen Nach­ein­an­der voll­zie­hen­de Ent­fal­tung, ein Vor­wärts­schrei­ten, wobei dann das jün­ge­re Neue dem Älte­ren, die spä­te­re Form den Vor­for­men über­le­gen ist. Dabei kann das Alte Tes­ta­ment durch­aus posi­tiv beur­teilt wer­den; Jesus und das spe­zi­fisch Christ­li­che ist dann immer noch zumin­dest etwas posi­ti­ver.

 

4. Gemeinsamkeiten und Grenzen der bisherigen Positionen

Bei aller Ver­schie­den­heit der vor­ge­stell­ten Grund­ty­pen gibt es doch in fol­gen­den drei Punk­ten Über­ein­stim­mun­gen:

  1. Das Neue Tes­ta­ment über­trifft in irgend­ei­ner Wei­se das Alte. Und das in einer grund­sätz­li­chen, theo­lo­gisch ent­schei­den­den Per­spek­ti­ve. Und die­ses Mehr wird anders gewich­tet, als es bei Rang­fra­gen im jewei­li­gen Bibel­teil der Fall ist. Zwar ist für man­cheet­wa Pau­lus theo­lo­gisch wich­ti­ger als Mat­thä­us, gibt es eine Abstu­fung zwi­schen den Psal­men und der Chro­nik. Doch das Neue Tes­ta­ment bringt etwas grund­sätz­lich, weil kate­go­ri­al­Hö­he­res.
  2. Die­ser höhe­re Rang hat letzt­lich dar­in sei­nen Grund und sei­ne Vor­aus­set­zung, dass das Neue Tes­ta­ment aus sich her­aus gele­sen und als sol­ches dann ver­gli­chen wird. Stets gilt: Das Neue Tes­ta­ment steht auf eige­nen Bei­nen und ent­hält das spe­zi­fisch Christ­li­che. Bibeln, die nur aus dem Neu­en Tes­ta­ment bestehen (manch­mal mit den Psal­men als Anhang) brin­gen das zum Aus­druck. Aber ent­spricht das dem Selbst­ver­ständ­nis der neu­tes­ta­ment­li­chen­Tex­te?
  3. Auch in einem drit­ten Punkt sind sich alle Typen in ihrer klas­si­schen Form einig: die Juden sind theo­lo­gisch nicht mehr im Spiel. Wenn es eine posi­ti­ve Linie vom Alten zum Neu­en Tes­ta­ment gibt, geht sie an den Juden vor­bei. Kurz: Das Alte Tes­ta­ment ist seit Chris­tus das Buch der Kir­che gewor­den. Der alte Bund gilt als über­wun­den, der Neue ist in Chris­tus und nur in Chris­tus.

 

6. Ansätze zu einem neuen veränderten Umgang mit AT und Judentum

Nun gibt es seit dem Holo­caust Ansät­ze zu einem neu­en ver­än­der­ten Umgang zuerst mit dem Alten Tes­ta­ment und dann mit dem Juden­tum. Diet­rich Bon­hoef­fer und Ger­hard v. Rad erar­bei­ten schon wäh­rend des 2. Welt­kriegs eine neue Bewer­tung des Alten Tes­ta­ments und bestim­men damit die Nach­kriegs­zeit bis heu­te. Zwar ste­hen sie, sieht man genau hin, noch ganz im Bann der alten Mus­ter, den­noch legen sie Grund für Neu­es. Seit den 60er Jah­ren wird dann schritt­wei­se ein ver­än­der­tes Ver­hält­nis zum Juden­tum ent­wi­ckelt. In der katho­li­schen Kir­che mit dem 2. Vati­ka­num von oben, bei uns eher von unten, in lan­gen frucht­ba­ren und stets umstrit­te­nen Pro­zes­sen. Der Kern­punkt besteht durch­gän­gig in der Aner­ken­nung der blei­ben­den Erwäh­lung und des unge­kün­dig­ten Bun­des Got­tes mit Isra­el. Das sind aber die Kern­in­hal­te des Alten Tes­ta­men­tes, davon erzählt der ers­te Teil unse­rer Bibel. Den­noch hat sich trotz man­cher neu­er Ansät­ze ein über­zeu­gen­des neu­es Modell für die Zuord­nung der bei­den Tei­le bis­her nicht erge­ben. Das war die Her­aus­for­de­rung, vor der ich mich als christ­li­cher Alt­tes­ta­ment­ler zuneh­mend gestellt sah. Mei­ne eige­nen Über­le­gun­gen haben mich zu fol­gen­der The­se geführt:

 

II. Die These

Ein ganz ande­res Modell ergibt sich, wenn man von den inner­bi­bli­schen Bezü­gen der bei­den Tei­le der christ­li­chen Bibel aus­geht, also von der Fra­ge, was die Bedeu­tung des Alten für das Neue Tes­ta­ment ist. Nur von der Schrift aus kann eine sach­ge­mä­ße Zuord­nung der Tes­ta­men­te erfol­gen, nicht aber von nach­bi­bli­schen kirch­li­chen Leh­ren oder Dog­men aus(die ihrer­seits an der Schrift zu mes­sen sind), erst recht nicht von neu­zeit­li­chen christ­li­chen Fröm­mig­keits­ty­pen oder Gefühls­wel­ten aus. Sola scrip­tu­ra – allein die Schrift, der refor­ma­to­ri­sche Grund­satz muss end­lich gera­de für die­se zen­tra­le Fra­ge Gel­tung gewin­nen. Für Luther bedeu­tet sola scrip­tu­ra vor allem, dass die Schrift ihre eige­ne Aus­le­gung bestim­men muss: scrip­tu­ra sui ipsi­us inter­p­res. Des­halb lau­tet mei­ne Kern­the­se: Das Alte Tes­ta­ment soll­te für christ­li­chen Glau­ben und Theo­lo­gie (wie­der) die Rol­le haben, die es im Neu­en Tes­ta­ment hat.

 

III. Das Verhältnis des Neuen zum Alten Testament – Beobachtungen

Ich fra­ge also jetzt, wie denn das Neue Tes­ta­ment selbst das Ver­hält­nis zum Alten sieht? Wenn ich ver­su­che, an weni­gen Bei­spie­len einen Über­blick zu geben, bedeu­tet das auch, Sie an eigent­lich doch längst Bekann­tes zu erin­nern.

 

1. Die jüdische Bibel als die Schrift des Neuen Testaments

Die wich­tigs­te Ant­wort, mit der im Kern alles gesagt ist, lau­tet: Für das Neue ist das Alte Tes­ta­ment „die Schrift“. Ter­mi­no­lo­gisch wird im Sin­gu­lar von „der Schrift“2, häu­fi­ger aber im Plu­ral von „den Schrif­ten“3 gespro­chen, nicht sel­ten auch in Wen­dun­gen wie „es steht geschrieben/wie geschrie­ben steht“4 Dazu kom­men Bezeich­nun­gen, wie sie ähn­lich bis heu­te im Juden­tum üblich sind: „Gesetz/Tora (nómos), Pro­phe­ten und (die ande­ren) Schrif­ten“5; oft ein­fach „Gesetz/Tora und Pro­phe­ten“6. Der spä­te­re ers­te Teil der zwei­ge­teil­ten christ­li­chen Bibel ist also für die neu­tes­ta­ment­li­chen Schrif­ten die Bibel, also im vol­len Sin­ne „hei­li­ge Schrift“, vor­ge­ge­be­ne und gül­ti­ge Auto­ri­tät und Tra­di­ti­on, das, was von Gott her gilt.

 

2. Durchgängig positiver Bezug

Dem ent­spricht es, dass das Neue Tes­ta­ment durch­gän­gig, von Anfang bis Ende, vom ers­ten bis zum letz­ten Vers posi­tiv auf das Alte bezo­gen ist. Man braucht bloß den Beginn auf­zu­schla­gen: „Das Buch vom Ursprung Jesu, des Mes­si­as, des Nach­kom­men Davids, des Nach­kom­men Abra­hams“ – so fängt es in Mt 1,1 an. Wer nicht weiß, wer David ist und was es mit Abra­ham auf sich hat, muss zurück­blät­tern und es nach­schla­gen, sonst ver­steht man schon die ers­ten Wor­te nicht – ganz zu schwei­gen davon, dass auch die For­mu­lie­rung des Anfangs­sat­zes ein indi­rek­tes Zitat ist (Gen 5,1) und dass die Bedeu­tung des Wor­tes Christus/Messias/Gesalbter nur von der Schrift her zu fül­len ist. Was so beginnt, steht nicht auf eige­nen Füßen, ist nicht aus sich selbst zu ver­ste­hen und will es nicht. Es ist eine Fort­set­zung, deren Anfang man ken­nen muss.

Und das geht wei­ter bis zum Ende des Neu­en Tes­ta­ments in der Offen­ba­rung des Johan­nes: „Die von den Wor­ten die­ses pro­phe­ti­schen Buches etwas weg­neh­men, wer­den von Gott ihren Anteil am Baum des Lebens und an der hei­li­gen Stadt weg­ge­nom­men bekom­men“ (Offb 22,19). Vom Baum des Lebens und dem Zugang zu ihm wird in Gen 2f erzählt. Und bei der hei­li­gen Stadt geht es um Jeru­sa­lem, sie wird mit den Far­ben alt­tes­ta­ment­li­cher Tex­te geschil­dert, und ihre Bedeu­tung ist von ihrer in der Schrift erzähl­ten Geschich­te nicht zu tren­nen.

Zwi­schen die­sem Anfang und die­sem Ende reißt die Ket­te der Bezü­ge nicht ab. Man sehe sich nur die ers­ten Kapi­tel bei Mat­thä­us an: jeder klei­ne Abschnitt ent­hält ein Schrift­zi­tat. Die Geburts­ge­schich­te Jesu zitiert wört­lich Jes 7,14 (Mt 1,22f); die Erzäh­lung von den Magi­ern aus dem Mor­gen­land zitiert Mi 5,2ff (Mt 2,5f); die Flucht nach Ägyp­ten (Mt 2,13ff) zitiert Hos 11,1 (Mt 2,15). Und das geht so wei­ter und setzt sich kaum min­der dicht in den ande­ren Evan­ge­li­en fort. Eine beson­de­re Dich­te erlan­gen die­se Bezü­ge in der Pas­si­ons­ge­schich­te. Hier ist es vor allem eine Fül­le von Psalm­zi­ta­ten, ins­be­son­de­re aus Ps 22, aus denen die Geschich­te in ihren ein­zel­nen Zügen gera­de­zu ent­fal­tet wird.

Und der Brief­teil des Neu­en Tes­ta­men­tes beginnt in Röm 1,1f so: „Pau­lus, Skla­ve des Mes­si­as, Chris­tus Jesus, zum Apos­tel geru­fen, aus­ge­son­dert, die Freu­den­bot­schaft Got­tes zu brin­gen, die bereits frü­her durch die Pro­phe­ten und Pro­phe­tin­nen in den hei­li­gen Schrif­ten ver­kün­det wur­de“. Im Römer­brief wie in den wei­te­ren pau­li­ni­schen Schrif­ten gibt es prak­tisch kei­nen ein­zi­gen Argu­men­ta­ti­ons­gang, in dem nicht mit der Schrift und von der Schrift her argu­men­tiert wird.

 

3. Grundsatzaussagen von großer Reichweite

Dazu kom­men Grund­satz­aus­sa­gen von gro­ßer Reich­wei­te. So sagt die ers­te gro­ße Rede Jesu im Neu­en Tes­ta­ment, die soge­nann­te Berg­pre­digt, mit aller wün­schens­wer­ten Klar­heit:

17 Denkt nicht, ich sei gekom­men, die Tora und die pro­phe­ti­schen Schrif­ten außer Kraft zu set­zen! Ich bin nicht gekom­men, sie außer Kraft zu set­zen, son­dern sie zu erfül­len. 18 Wahr­haf­tig ich sage euch: Bevor Him­mel und Erde ver­ge­hen, wird von der Tora nicht der kleins­te Buch­sta­be und kein ein­zi­ges Häk­chen ver­ge­hen, bis alles getan wird. 19 Wer nur ein ein­zi­ges die­ser Gebo­te außer Kraft setzt, und sei es das kleins­te, und die Men­schen ent­spre­chend lehrt, wird in Got­tes Welt als klein gel­ten. (5,17-19).

Eigent­lich ist damit alles gesagt. Und man beginnt viel­leicht zu ahnen, wel­cher unge­heu­ren, jahr­hun­der­te­lan­gen Anstren­gung vie­ler Theo­lo­gen­ge­ne­ra­tio­nen es bedurf­te, um die Distanz zur Tora und ihre Abwer­tung zu errei­chen, die immer noch man­chen selbst­ver­ständ­lich erscheint. Um auch die letz­ten Zwei­fel zu besei­ti­gen heißt es in Mt 23,2f:

Auf dem Stuhl Moses’ sit­zen tora­ge­lehr­te und pha­ri­säi­sche Leu­te. Alles, was sie euch leh­ren, das tut und dar­an hal­tet euch.

Alles! Alles, was die pha­ri­säi­schen Tora­ge­lehr­ten leh­ren, ist von den Anhän­ge­rIn­nen Jesu zu hal­ten! Das geht weit über die Schrift selbst hin­aus und tief in die pha­ri­säi­sche, die sich anbah­nen­de rab­bi­ni­sche Aus­le­gung, Aktua­li­sie­rung und Wei­ter­schrei­bung der Tora hin­ein, kurz in die münd­li­che Tora. Man sieht, was doch die Haupt­li­nie der Kir­chen­ge­schich­te für eine unge­heu­re ver­pass­te Gele­gen­heit war! Dass die­se Pha­ri­sä­er nach der Mei­nung des Mat­thä­us selbst das nicht immer prak­ti­zie­ren, was sie leh­ren, und dass das gan­ze wei­te­re Kapi­tel dann eine hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit deren Pra­xis ist, ist die ande­re Sei­te. Sie nimmt aber der grund­sätz­li­chen Aus­sa­ge nichts von ihrer Bedeu­tung.

Ich stel­le 2Kor 1,19f als Bei­spiel für die Brie­fe des Apos­tels Pau­lus dane­ben:

19 Denn Got­tes Sohn, Jesus Chris­tus …exis­tier­te nicht als Ja und Nein zugleich, son­dern in ihm wur­de das Ja Wirk­lich­keit. 20 Denn wie vie­le Ver­hei­ßun­gen Got­tes es auch gibt – in ihm sind sie bejaht. Dar­um sagen wir auch durch ihn das Amen: Es wer­de wahr, auf dass Gott auf­strah­le.

Anlass sind offen­kun­dig Vor­wür­fe aus der Gemein­de in Korinth, die Pau­lus Zwie­späl­tig­keit im Reden und im Han­deln vor­wer­fen (V. 16f), so dass „mein Ja gleich­zei­tig ein Nein“ wäre (V. 17). Dage­gen beruft er sich auf die Zuver­läs­sig­keit Got­tes, die auch sein eige­nes Reden bestimmt (V. 18): „des­halb ist unser Wort an euch kein Ja und Nein zugleich.“ Die Ver­läss­lich­keit Got­tes, in der sei­ne eige­ne Ver­läss­lich­keit grün­det, ist nicht Ja und Nein zugleich. Chris­tus ist viel­mehr das Rea­li­tät gewor­de­ne Ja Got­tes. Und zwar, und das ist nun ent­schei­dend, Chris­tus ist das Ja zu allen Ver­hei­ßun­gen Got­tes. Alle, „so vie­le es auch gibt“, sind mit ihm ein­deu­tig bestä­tigt. Zunächst wird man sagen müs­sen: als Ver­hei­ßun­gen sind sie bestä­tigt. Sie blei­ben Ver­hei­ßun­gen, was sie immer waren, und sie blei­ben wahr, was sie eben­falls immer waren. Und dann ist da die Wen­dung „so vie­le es auch gibt“ (hósai). Die gesam­te Argu­men­ta­ti­on – und damit auch sein eige­ner guter Ruf und sein Anse­hen als Apos­tel – hängt dar­an, dass die­ses Ja ein­deu­tig und unein­ge­schränkt gilt. Es wür­de sei­ne eige­ne Stel­lung unter­mi­nie­ren, wür­de das gel­ten, was die christ­li­che Rezep­ti­on in der Regel vor­aus­setzt, dass mit Chris­tus eben nur einem Teil der alt­tes­ta­ment­li­chen Ver­hei­ßun­gen und escha­to­lo­gi­schen Erwar­tun­gen Gel­tung ver­schafft wür­de, eben die, die in den jewei­li­gen christ­li­chen Theo­lo­gie­rah­men pas­sen. Wie wenig der Bezug der neu­tes­ta­ment­li­chen Aus­sa­gen auf die Schrift theo­lo­gisch, zei­gen die wis­sen­schaft­li­chen Kom­men­ta­re, die all die­se Fra­gen ein­fach über­ge­hen und gar nicht erst behan­deln.

 

4. Und die negativen Aussagen?

Jahr­tau­sen­de­lang ist das Alte Tes­ta­ment als vom Neu­en über­holt oder gar abge­löst gele­sen wor­den. Dafür hat es natür­lich neu­tes­ta­ment­li­che, Begrün­dun­gen gege­ben, also in bestimm­ter Wei­se gele­se­ne Tex­te, die die­se Begrün­dun­gen gelie­fert haben. Sie sind oft stär­ker prä­sent als die eben genann­ten und sind Ihnen viel­leicht längst ein­ge­fal­len. Nur an einen die­ser nega­ti­ven Schlüs­sel­tex­te soll hier erin­nert wer­den, an Lk 16,16:

Die Tora und die Pro­phe­ten – bis zu Johan­nes; von da an wird das Evan­ge­li­um vom Reich Got­tes ver­kün­det, und jeder und jede wird hin­ein­ge­nö­tigt“.

Der Anfang klingt ein­deu­tig und wird viel­fach, gera­de auch von Theo­lo­gen (das habe ich nach­ge­prüft), als Beleg für ein zeit­li­ches Nach­ein­an­der von Gesetz/Propheten und dem Evan­ge­li­um emp­fun­den, das heißt als Ablö­sung des Alten durch das Neue Tes­ta­ment. Aber es folgt nicht nur im glei­chen Kapi­tel das Gleich­nis vom rei­chen Mann und armen Laza­rus mit sei­ner kaum über­biet­ba­ren Hoch­schät­zung der Tora7, es folgt zunächst ein­fach V. 17: „Es ist leich­ter, dass Him­mel und Erde ver­ge­hen, als dass ein Strich­lein der Tora fällt“. Was immer 16a bedeu­tet, gemeint ist nichtdie Ablö­sung oder Über­win­dung der Tora. Es geht viel­mehr um eine Fort­füh­rung von Tora und Pro­phe­ten durch das Evan­ge­li­um, und zwar so, dass mit der Pre­digt des Rei­ches Got­tes die alten Tra­di­tio­nen von Gebot Got­tes einer­seits und von der Ver­hei­ßung Got­tes ande­rer­seits zu einer gegen­wär­ti­gen wir­ken­den Kraft zusam­men kom­men.

Für mich selbst war es durch­aus über­ra­schend, dass es im gesam­ten Neu­en Tes­ta­ment kei­ne Tex­te gibt, die von einer grund­sätz­li­chen Über­win­dung oder Über­bie­tung der Bibel Isra­els spre­chen.

 

5. Ergebnis: Das Alte Testament als der Wahrheitsraum des Neuen

Der Ver­such einer Zusam­men­fas­sung ergibt den Titel mei­nes Buches: Das Alte Tes­ta­ment als der Wahr­heits­raum des Neu­en.8 Dass mit die­sen vie­len Bezü­gen auf einen vor­ge­ge­be­nen Raum ver­wie­sen wird, in den das, was über Jesus als den Chris­tus zu sagen ist, jeweils ein­ge­zeich­net wer­den kann, ist eine Meta­pher, die viel­leicht etwas von dem Beob­ach­te­ten ein­fan­gen kann. Wie der Him­mel mit sei­nen Ster­nen Raum und Ori­en­tie­rung ermög­licht, aber in die­sen Bezü­gen nicht auf­geht, so las­sen die expli­zi­ten und impli­zi­ten Bezü­ge des Neu­en Tes­ta­ments die Schrift als den von Gott vor­ge­ge­be­nen Raum erschei­nen, in dem die jeweils not­wen­di­ge Ori­en­tie­rung, also die Ein­ord­nung des Chris­tus und sei­ner Rol­le voll­zo­gen wird. Es geht dabei nicht nur um sprach­li­che, kul­tu­rel­le, reli­giö­se Tra­di­tio­nen, die das Neue Tes­ta­ment vor­aus­setzt, son­dern es geht um die Wahr­heit. Die Bezü­ge sind so, dass das Neue Tes­ta­ment und sei­ne Rede von Chris­tus nur wahr ist, nur wahr sein kann, wenn auch das Alte Tes­ta­ment und sei­ne Rede von Gott und Isra­el wahr ist und wahr bleibt. Davon soll jetzt bei­spiel­haft die Rede sein.

 

IV. Der Gott der jüdischen Bibel und die Messianität Jesu

Ich glau­be an Jesus Chris­tus“ – dar­in liegt das Spe­zi­fi­sche des christ­li­chen Glau­bens gera­de im Unter­schied zum jüdi­schen. Doch je dich­ter im Neu­en Tes­ta­ment von die­sem Chris­tus gespro­chen wird, des­to dich­ter sind die Bezü­ge auf die Schrift. Ich möch­te jetzt an drei zen­tra­len The­men der neu­tes­ta­ment­li­chen Aus­sa­gen über Chris­tus den Bezü­gen zur Schrift nach­ge­hen, bei den The­men Auf­er­ste­hung, Mes­sia­ni­tät und Erhö­hung. Zugleich geht es stets um die Fra­ge gehen, ob das Alte Tes­ta­ment die Ver­hei­ßung ent­hält, wäh­rend das Neue ihre Erfül­lung bringt.

 

1. Die Auferstehung Jesu und die Schrift

 

Ich begin­ne mit dem The­ma Auf­er­ste­hung und dem Auf­er­ste­hungs­ka­pi­tel 1Kor 15. Hier erin­nert Pau­lus in v.3b-5 die korin­thi­sche Gemein­de an das Evan­ge­li­um, das er ihnen gebracht hat. Zwei­mal bezie­hen sich die knap­pen For­mu­lie­run­gen aus­drück­lich auf „die Schrif­ten“, „gestor­ben für unse­re Sün­den“ und „auf­er­stan­den“, die bei­den theo­lo­gi­schen Kern­stü­cke des urchrist­li­chen Glau­bens sind gesche­hen „ent­spre­chend den Schrif­ten“ („kata tas gra­phas“).

Nach dem übli­chen Ver­ständ­nis denkt Pau­lus hier an alt­tes­ta­ment­li­che Ver­hei­ßun­gen, im Sin­ne von Vor­aus­sa­gen, die jetzt ein­ge­trof­fen sei­en. Ein sol­ches Sche­ma gibt es aber erst seit dem 2. Jh. n. Chr. (Jus­tin). Pau­lus selbst denkt offen­kun­dig ganz anders. Das zei­gen sei­ne Aus­füh­run­gen in v. 13ff:

13 Gibt es kei­ne Auf­er­ste­hung der Toten, dann ist auch Chris­tus nicht auf­ge­stan­den. 14 Ist aber Chris­tus nicht auf­ge­stan­den, dann ist unse­re Ver­kün­di­gung sinn­los und euer Ver­trau­en grund­los. 15 Wir wür­den fal­sches Zeug­nis über Gott able­gen, weil wir gegen Gott bezeu­gen wür­den, er habe den Mes­si­as Chris­tus auf­ge­weckt, den er doch nicht erweckt hat –  wenn denn die Toten nicht auf­ste­hen. 16 Wenn die Toten nicht auf­ste­hen, so ist auch Chris­tus nicht aufgestanden.17 Ist aber der Mes­si­as nicht auf­ge­stan­den, ist euer Ver­trau­en sinn­los und ihr seid noch in euren Sün­den …19…. sind wir die arm­se­ligs­ten unter alle Menschen“(15,13-19).

Die übli­che Aus­le­gung geht vom christ­li­chen Glau­ben an die Auf­er­ste­hung Jesu aus, wie er hier in v. 3ff.12 und 20 bezeugt ist. Wenn jedoch christ­li­cher Auf­er­ste­hungs­glau­be allein im Ereig­nis der Auf­er­ste­hung Jesu wur­zelt, dann ist die in v.13ff voll­zo­ge­ne Argu­men­ta­ti­on eigent­lich unver­ständ­lich und es könn­te sich dabei höchs­tens um eine Art Gedan­ken­ex­pe­ri­ment han­deln. Doch in den par­al­le­len Ket­ten­schlüs­sen von v.13-15 und 16-19 geht Pau­lus beton­ter­ma­ßen nicht vom Ein­zel­fall der Auf­er­ste­hung Jesu, son­dern von der Ver­hei­ßung der all­ge­mei­nen Toten­auf­er­ste­hung aus. Es ist der alt­tes­ta­ment­li­che und bis heu­te jüdi­sche Glau­be, dass Gott die Toten erwe­cken wird, den Pau­lus hier vor­aus­setzt. Und zwar als das theo­lo­gisch tra­gen­de Fun­da­ment. Mit dem Glau­ben an die all­ge­mei­ne Toten­auf­er­we­ckung steht und fällt alles ande­re. Und dar­in bezieht er nicht nur alles ein, was christ­li­chen Glau­ben aus­macht: Ver­kün­di­gung, Glau­be, Sün­den­ver­ge­bung, Hoff­nung, son­dern auch die Auf­er­ste­hung Jesu selbst. Wenn Pau­lus wirk­lich meint, was er hier sagt, dann hängt der christ­li­che Glau­be ins­ge­samt an dem, was Schrift und jüdi­sche Tra­di­ti­on immer schon, Pau­lus wür­de sagen seit Abra­ham (Röm 4,17), als mit dem Gott Isra­els grund­sätz­lich gege­ben anse­hen.

Erstaun­li­cher­wei­se gilt das auch für die Zeu­gen, die den Auf­er­stan­de­nen gese­hen haben, ein­schließ­lich sei­ner selbst: Unser Zeug­nis wäre ein fal­sches Zeug­nis, sagt er (v. 15). Will man nicht anneh­men, dass er und die ande­ren gar nichts „gese­hen“ haben, dann kann nur gemeint sein, dass das, was sie gese­hen haben, ohne den vor­gän­gi­gen Glau­ben an die tod­über­win­den­de Kraft Got­tes und sei­ne Ver­hei­ßung, Tote zu erwe­cken, nichts wäre. Die­se Erfah­rung ist nicht unab­hän­gig von der Schrift und kann des­halb nicht nach­träg­lich durch sie „bestä­tigt“ wer­den oder sie „öff­nen“ und völ­lig neu erschlie­ßen, son­dern die­se Erfah­rung ist nur des­halb eine Erfah­rung von der Auf­er­ste­hung Jesu, weil sie genau umge­kehrt das vor­gän­gig bekann­te Zeug­nis der Schrift bestä­tigt. Die Schrift und ihre Ver­hei­ßun­gen wer­den in die­sem Gedan­ken­gang zur theo-logi­schen Grund­la­ge nicht nur für die Auf­er­we­ckung Jesu und den christ­li­chen Glau­ben, son­dern gera­de auch für das Zeug­nis der Augen­zeu­gen.

Nicht grund­sätz­lich anders lie­gen die Din­ge in den Evan­ge­li­en. Ich fol­ge als Bei­spiel der die Emma­us­ge­schich­te in Lk 24. Sie erzählt von einem Weg, der vom Gehal­ten­sein der Augen, vom Nicht­er­ken­nen und Nicht­ver­ste­hen (v. 16) zum Öff­nen der Augen und zur Erkennt­nis führt (v.31). Was die­se Wen­de bewirkt, ist – gera­de­zu über­deut­lich wird es dar­ge­stellt – die Schrift. Die bei­den Jün­ger erzäh­len zunächst dem mit­wan­dern­den Unbe­kann­ten die gan­ze Geschich­te als eine Geschich­te ent­täusch­ter Hoff­nung: „Wir aber hat­ten die Hoff­nung, er sei es, der Isra­el befrei­en wür­de“ (v.21). Sie, die all das erlebt, gehört und sogar wei­ter­ge­ge­ben haben, müs­sen sich als „unver­stän­dig und her­zens­träg“ bezeich­nen las­sen (v. 25): „ihr begreift nicht und euer Herz ist zu schwer“. War­um aber ist das so? Nicht etwa, weil sie der Bot­schaft der Engel und der Frau­en nicht glau­ben, son­dern allein, „weil sie nicht ver­trau­en auf alles, was die Pro­phe­tin­nen und Pro­phe­ten gesagt haben“ (v. 25). Es ist der Glau­be an das Zeug­nis der Pro­phe­ten und zwar an alles, was dort zu lesen ist, wor­an es man­gelt. Der Glau­be an die Pro­phe­ten ist der alles ent­schei­den­de Schlüs­sel, nicht nur zum Ver­ständ­nis des mit Jesus Gesche­he­nen, son­dern das Ver­trau­en auf die Bot­schaft der Pro­phe­ten ist der Glau­be, um den es geht. Was hier zu glau­ben ist, steht bei den Pro­phe­ten.

Und ent­spre­chend sieht dann auch die Beleh­rung aus: „Und er begann bei Mose und allen pro­phe­ti­schen Schrif­ten leg­te er ihnen in allen Schrif­ten das aus, was ihn betrifft.“(v. 27). Es ist der Ten­ak, der drei­tei­li­ge hebräi­sche Kanon, der hier ins Spiel kommt, Tora, Pro­phe­ten und Schrif­ten. Und das dop­pel­te „alle“, wel­ches das „alle Pro­phe­ten“ aus v. 25 wei­ter­führt, zeigt, dass es nicht um ein­zel­ne Wor­te und Beleg­stel­len, nicht um dic­ta pro­b­an­tia geht, son­dern um das Gan­ze der Schrift, um etwas, was von Anfang bis zum Ende dort zu fin­den ist. Die Dif­fe­renz zum Weis­sa­gungs­be­weis der kirch­li­chen Theo­lo­gie ab dem 2. Jh. n. Chr. ist ein­deu­tig. Hier geht es nicht um Weis­sa­gungs­stel­len. Letzt­lich muss es um den leben­di­gen Gott gehen, der der Gott der Leben­den ist. Es ist schon erstaun­lich: Der Auf­er­stan­de­ne macht sich selbst kennt­lich, indem er mit den bei­den Jün­gern die Schrift liest und deu­tet, er kann offen­sicht­lich nur so und er will nur so erkannt wer­den. Kein Glanz, kein Wun­der, kei­ne über­wäl­ti­gen­de Erfah­rung lösen Glau­ben und Erken­nen aus, son­dern allein der Hori­zont der durch die Aus­le­gung der Schrift eröff­net wird, macht Erkennt­nis­mög­lich.

 

2. Die Messianität Jesu als Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen?

Ich kom­me zur Bezeich­nung Jesu als Chris­tus, als Mes­si­as, die alle Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­men­tes durch­zieht. Doch in wel­chem Sin­ne wird er dabei als die „Erfül­lung“ der alt­tes­ta­ment­lich-jüdi­schen mes­sia­ni­schen Hoff­nung ver­stan­den?

Ich wer­fe zunächst einen Blick auf eines der soge­nann­ten Erfül­lungs­zi­ta­te in den ers­ten Kapi­teln des Mt-Evan­ge­li­ums. Hier wird neben Geschichts­er­in­ne­rung und Kla­ge in Mt 4,14f eine der gro­ßen mes­sia­ni­schen Ver­hei­ßun­gen aus Jes 9 zitiert. Aber inter­es­san­ter­wei­se zunächst deren unschein­ba­rer Anfang. Deut­lich wegen des gali­liäi­schen Lokal­be­zugs wird das „Land Sebu­lon und Nafta­li“ genannt. Dazu wird dann das gro­ße Wort vom auf­strah­len­den Licht zitiert: „Das Volk, das in der Fins­ter­nis litt, sah ein gro­ßes Licht“ (Jes 9,1). Deut­lich wird so an einen frü­he­ren Vor­gang erin­nert. Um was es letzt­lich geht, wird erst ver­ständ­lich, wenn man über die­sen Anfang hin­aus in Jes 9 wei­ter liest:

Das Joch, das auf ihnen las­te­te, den Stab auf ihren Schul­tern,
den Knüp­pel des Antrei­bers über ihnen
hast du zer­bro­chen …
Denn jeder Sol­da­ten­stie­fel, tram­pelnd mit Gedröhn,
und der Man­tel gewälzt in Blut,
soll ver­brannt wer­den … (Jes 9,3f).

Das ist das eigent­li­che Ziel mes­sia­ni­schen Han­delns, so ist die mes­sia­ni­sche Zeit, und das weiß jeder und jede. Das Zitier­te erin­nert dar­an. Doch ein sol­cher „Frie­de ohne Ende“ (Jes 9,6), ist mit Jesus kei­nes­wegs schon gekom­men, die Erwar­tung in die­sem ein­fa­chen Sin­ne also nicht „erfüllt“. Was Mat­thä­us zitiert, ist der Anfang des jesa­ja­ni­schen Tex­tes, der von einem bereits ver­gan­ge­nem Beginn erzählt, was wie­der­um bei allen, die die Fort­set­zung ken­nen, die gro­ße mes­sia­ni­sche Erwar­tung in Erin­ne­rung ruft und so neu auf­kei­men lässt: die Hoff­nung auf das Ende aller aus­beu­te­ri­schen und aller mili­tä­ri­schen Gewalt.

Ähn­li­ches gilt für die ande­ren soge­nann­ten mes­sia­ni­schen Tex­te auch. In der Schrift sind vom ers­ten Vor­kom­men des Begriffs Messias/maschiach(1Sam 2,10) an die Dimen­sio­nen von poli­ti­scher Herr­schaft und sozia­ler Gerech­tig­keit zen­tral. Gerech­tig­keit für Arme und Unter­drück­te – das ist der Kern der mes­sia­ni­schen Hoff­nung und der Sinn der grund­le­gen­den und fun­da­men­ta­len Kenn­zeich­nung Jesu im Neu­en Tes­ta­ment als „Chris­tus“. Das gilt für Jes 11 mit der Ankün­di­gung von Recht und Gerech­tig­keit für die Armen und Elen­den (V. 4f) und sei­ner Auf­nah­me in Röm 15,12 und 1 Petr 4,14. Das gilt für Sach 9,9 mit sei­nem „nied­ri­gen“ König, der die Kriegs­waf­fen abschafft, und sei­ne Bedeu­tung für Mt 21,5 und den Ein­zug in Jeru­sa­lem. Nicht zuletzt ist hier Ps 2 zu nen­nen, der von einem Auf­stand gegen Gott und gegen den in Zion ein­ge­setz­ten Mes­si­as sowie von des­sen Welt­herr­schaft spricht, was beson­ders deut­lich in Apg 4,25f und Offb 2,26f zitiert und auf Jesus bezo­gen wird. Aus­drück­lich um Sal­bung geht es sodann in Jes 61,1ff, deren Ein­set­zung durch Gott eben­falls auf befrei­en­des Han­deln an Armen und Gefan­ge­nen (V. 1f) zielt und in Lk 4,16-21 auf­ge­nom­men wird.

Dass Jesus sie „erfüllt“, heißt nicht, das Ver­hei­ße­ne sei nun mit Jesus ein­ge­tre­ten – das wäre ja eine Lüge. Es heißt viel­mehr, die­se Hoff­nun­gen wer­den mit Jesus bestä­tigt – als Hoff­nun­gen. Ange­sichts von Unrecht, Krieg und Gewalt in die­ser Welt kann die Hoff­nung auf eine mes­sia­ni­sche Ver­än­de­rung nur eine gemein­sa­me sein, die wir Chris­ten von den Juden gelernt haben, die wir in Jesus Chris­tus ver­stärkt und erneu­ert sehen, aber die uns gemein­sam ist.

 

3. Die Erhöhung Jesu und die Rücknahme des Messianischen auf das Handeln Gottes

Für das Wir­ken des Mes­si­as Jesus schon zur Zeit der Ent­ste­hung der neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­te und ist bis heu­te die Aus­sa­ge „sit­zend zur Rech­ten Got­tes“ ent­schei­dend. Sie­steht bekannt­lich im apos­to­li­schen Glau­bens­be­kennt­nis und kommt damit in nahe­zu jedem christ­li­chen Got­tes­dienst vor. Die For­mu­lie­rung stammt aus Ps 110,1:

Spruch Ado­na­js an mei­nen Herr­scher:
„Set­ze dich zu mei­ner rech­ten Hand,
bis ich dei­ne Fein­de als Sche­mel unter dei­ne Füße lege.“ 

Der Beginn die­ses Psalms ist ein Got­tes­spruch, dass sich der davi­disch-mes­sia­ni­sche König zur Rech­ten Got­tes set­zen soll, also in unmit­tel­ba­rer Nähe des gött­li­chen Thro­nes selbst, und zwar für die Zeit, bis Gott selbst die Fein­de des Königs für die­sen besiegt hat. Man kann die­ses „bis“ auch mit „wäh­rend“ wie­der­ge­ben.

Die­ses Wort aus Ps 110,1 ist der am meis­ten zitier­te Vers der Schrift im Neu­en Tes­ta­ment. 16 bzw. sogar 21mal kommt er dort vor9 und in fast allen neu­tes­ta­ment­li­chen Schrif­ten­grup­pen. Er hat für das Neue Tes­ta­ment und sei­ne Rede von Chris­tus eine Schlüs­sel­stel­lung. Die Erhö­hung ist ja zugleich das Ende der Anwe­sen­heit und Erfahr­bar­keit Jesu, auch und gera­de des Auf­er­stan­de­nen. Lukas erzählt davon in der soge­nann­ten Him­mel­fahrt, (Lk 24,51; Apg 1,4ff). Von fun­da­men­ta­ler Bedeu­tung für die Rol­le des Alten Tes­ta­ments für den christ­li­chen Glau­ben ist die inhalt­li­che Aus­sa­ge, die mit die­ser Erhö­hungs­vor­stel­lung über das Ver­hält­nis des Mes­si­as Jesus zu Gott gemacht wird. Der Mes­si­as ist danach auf Gott und Got­tes Macht ange­wie­sen. Gott wird die Fein­de unter­wer­fen und das mes­sia­ni­sche Heil ver­wirk­li­chen. Der Mes­si­as muss war­ten „bis dass/während“ Gott so han­delt. Das ist im Psalm eine Hoff­nung und es bleibt eine Hoff­nung bis heu­te. Doch ange­sichts eines bereits iden­ti­fi­zier­ten Mes­si­as und mes­sia­ni­scher Zei­chen ist es auch und viel­leicht in ers­ter Linie eine Rück­nah­me, eine Sis­tie­rung des Mes­sia­ni­schen. Alles wird auf das Han­deln Got­tes zurück­ge­nom­men. Was in der Welt zur Durch­set­zung des mes­sia­ni­schen Pro­jek­tes geschieht und was bis zu sei­ner vol­len Durch­set­zung geschieht, ist das Han­deln des Got­tes Isra­els, und nichts ande­res.

Erst mit der Erhö­hung an die Sei­te Got­tes ist der Punkt in der Gegen­wart erreicht, von dem her und auf den hin die neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­te spre­chen. Die­ser Moment ist für den Umgang mit und für die Wer­tung der Schrift mit ent­schei­dend. Die neu­tes­ta­ment­li­chen Erhö­hungs­aus­sa­gen sind sicher Aus­gangs­punkt und Grund­la­ge für die spä­te­re Tri­ni­täts­leh­re gewor­den. Aber die­se Leh­re hat eine ande­re Sei­te, die dabei oft über­gan­gen wird: Chris­tus ist durch die­se Ent­rü­ckung an die Sei­te Got­tes in der Welt und bei sei­ner Gemein­de auf kei­ne ande­re Wei­se gegen­wär­tig und wirk­sam als es Gott ist und schon immer war – bis alle Fein­de end­gül­tig besiegt sind. Dass Gott, wie ver­bor­gen auch immer, über die Welt herrscht und alle Tage bei den Sei­nen ist, all das ist ja nichts Neu­es, das gan­ze Alte Tes­ta­ment erzählt davon, und also prin­zi­pi­ell auch nichts Tren­nen­des. Der Modus der mes­sia­ni­schen Herr­schaft die­ses erhöh­ten, himm­li­schen Mes­si­as ist prin­zi­pi­ell nicht von der Herr­schaft Got­tes zu unter­schei­den.

So gese­hen ist es also gera­de die hohe Chris­to­lo­gie, die Chris­tus ganz an die Sei­te Got­tes rückt und genau dadurch sei­ne Anwe­sen­heit und Prä­senz in der Welt und damit auch die Erfül­lung der mes­sia­ni­schen Erwar­tung auf das zurück­nimmt, was Isra­el immer schon über Gott aus­ge­sagt, geglaubt und in der Schrift for­mu­liert hat. Die Aus­sa­gen über die Erhö­hung an die Sei­te Got­tes beschrei­ben damit zugleich den Modus, in dem Mes­sia­ni­sches in der Welt gegen­wär­tig ist, so ver­bor­gen und so wider­stän­dig, wie es immer schon in der Got­tes­er­fah­rung Isra­els gege­ben war. Der Gott Isra­els ist ja seit dem Exo­dus immer als Macht von Befrei­ung und Gerech­tig­keit erfah­ren wor­den. Und damit auch als mes­sia­ni­sche Kraft.

Got­tes befrei­en­des Wir­ken, Got­tes ver­ge­ben­des und erneu­ern­des Wir­ken, Got­tes schöp­fe­ri­sches und neu­schöp­fe­ri­sches Wir­ken, Got­tes erwäh­len­des, leh­ren­des und rich­ten­des Wir­ken – alles, wovon die Schrift erzählt, lässt erken­nen, wer Gott ist und wie Gott wirkt, wie Got­tes Macht im Gegen­sätz­li­chen der Welt erfah­ren wird. An die­sem Gott, und allein an Gott und sei­nem Wir­ken hängt das mes­sia­ni­sche Pro­jekt, für das die­ser Jesus steht. In der Welt ist Chris­tus nicht anders anwe­send als Gott es schon immer war, das heißt so, wie Isra­el es wuss­te, erfah­ren hat und erwar­tet – bis der Sieg über die Fein­de, die Mäch­te von Sün­de, Gewalt und Tod, voll­endet ist.

 

V. Schluss

In jedem christ­li­chen Got­tes­dienst kom­men Tex­te aus dem Alten wie dem Neu­em Tes­ta­ment vor und inso­fern ist das Gespräch zwi­schen Juden und Chris­ten immer prä­sent. Das Ver­hält­nis zwi­schen den bei­den Bibel­tei­len ist natür­lich nicht iden­tisch mit dem zwi­schen Juden­tum und Chris­ten­tum, aber es hat doch eine zen­tra­le Bedeu­tung dafür, nicht zuletzt für das an der Schrift ori­en­tier­te refor­ma­to­ri­sche Den­ken. Was das Christ­li­che ist, wird aller­dings nicht allein durch das Neue Tes­ta­ment bestimmt, schon des­halb nicht, weil die­ses nicht aus sich allein ver­ständ­lich ist, son­dern stän­dig auf sei­ne Basis zurück­ver­weist und nur wahr ist, wenn die­se wahr ist. Sicht­bar wird das im Got­tes­dienst vor allem an den Psal­men. Ein christ­li­cher Got­tes­dienst ohne sie ist kaum denk­bar. Sie sind tiefs­ter Aus­druck christ­li­cher Fröm­mig­keit und ent­hal­ten doch nichts als Isra­els Got­tes­er­fah­rung. Man lese dazu nur Luthers Vor- und Nach­re­den über die Psal­men. „Willst du die hei­li­ge christ­li­che Kir­che gema­let sehen mit leben­di­ger Far­be und Gestalt, in einem klei­nen Bild gefas­set, so nimm den Psal­ter vor dich, so hast du einen fei­nen, hel­len, rei­nen Spie­gel, der dir zei­gen wird, was die Chris­ten­heit sei. Ja, du wirst auch dich selbst drin­nen …fin­den, dazu Gott selbst und alle Krea­tu­ren.“10 „Sum­ma, der Psal­ter ist eine rech­te Schu­le, dar­in man den Glau­ben und gut Gewis­sen zu Gott lernt, übet und stärkt.“11 Alles, was wir von Gott erfah­ren und glau­ben, ist hier gesagt, vor Jesus und ohne dass von ihm die Rede ist. Hier zeigt sich die not­wen­di­ge, die blei­ben­de Asym­me­trie: Das Alte Tes­ta­ment trägt wie das Juden­tum sei­ne Gel­tung und sei­ne Wahr­heit in sich, das Neue Tes­ta­ment ist wie der christ­li­che Glau­be auf die vor­gän­gi­ge Wahr­heit Isra­els und ihre blei­ben­de Gel­tung ange­wie­sen. Eben das ist eine not­wen­di­ge Fol­ge aus dem refor­ma­to­ri­schen Grund­satz sola scrip­tu­ra.

 

  1. Das Fol­gen­de ist die Vari­an­te eines Vor­trags, den ich mit unter­schied­li­chen Schwer­punk­ten und Bei­spie­len seit 2011 an vie­len Orten gehal­ten habe (weit­ge­hend in der vor­lie­gen­den Gestalt etwa in der luthe­ri­schen Gemein­de in Vene­dig 11.11.2012). Er will die wich­tigs­ten The­sen mei­nes Buchs: Das Alte Tes­ta­ment als Wahr­heits­raum des Neu­en. Die neue Sicht der christ­li­chen Bibel, Güters­loh (2011), 2. Aufl. 2015 vor­stel­len und zur Debat­te stel­len. Mei­ne Sicht und ihre Begrün­dung ist also unab­hän­gig von der Dis­kus­si­on über die The­sen von Not­ger Slen­cz­ka (zuerst 2013) ent­stan­den, will aber zei­gen, dass die­se dem gesamt­bi­bli­schen Befund ent­schie­den wider­spre­chen.
  2. hé gra­phé Lk 4,21; Joh 2,22; 7,38; 19,24.28.36.37; Apg 1,16; Röm 4,3; 11,2; Gal 3,3; 1Petr 2,6 u.V.a.
  3. hai gra­phái Mt 21,42; 22,29; ; Mk 12,24; Lk 24,27.32.45; Joh 5,39; Apg 8,32.35; 17,2; Röm 1,2; 15,4; 16,26; 1Kor 15,3.4.

  4. Mt 2,5; 4,4.6.7.10; Mk 1,2; 7,6; Lk 2,23; 4,4.5.10; Röm 1,17; 4,17.23 u.v.a.
  5. Vgl. Lk 24,27; vgl. V. 44.
  6. Z.B. Mt 5,17; 7,12: 11,13; Lk 16,16; Joh 1,45; Apg 13,13; Röm 3,21.
  7. Bes. Lk 16,29.31: „Wenn sie nicht auf Mose und die pro­phe­ti­schen Schrif­ten hören, wer­den sie sich auch nicht über­zeu­gen las­sen, wenn einer von den Toten sich erhebt!
  8. Die neue Sicht der christ­li­chen Bibel, Güters­loh 2011.
  9. Mt 22,44; 26,64; Mk 12,36; 14,26; 16,19; Lk 20,42f; 22,69; Apg 2,34f; Röm 8,34; 1 Kor 15,25; Eph 1,20; Kol 3,1; Hebr 1.3.13; 8,1; 10,12f. Zusätz­lich reden, ohne genau­es Zitat zu sein, von der Erhö­hung zur Rech­ten Got­tes: Apg 2,33; 5,31; 7,55f; Hebr 12,2; 1 Petr 3,22; Ohne „zur Rech­ten“ auch noch Apk 3,21.
  10. Zwei­te Vor­re­de auf den Psal­ter (1528), WA DB 10/1, 98-105; Text nach H. Born­kamm Hg., Luthers Vor­re­den zur Bibel, Göt­tin­gen 1989, 69.
  11. Nach­wort zum Psal­ter (1525), WA 10/1, 588; Born­kamm, a.a.O. 70.
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Frank Crüsemann

Dr. Frank Crüsemann ist emeritierter Professor für Altes Testament. Geb. 1938 in Bremen. Studium der evangelischen Theologie. Promotion 1968 in Mainz mit einem Psalmenthema. Habilitation für Altes Testament 1975 in Heidelberg. 1972-1982 Beteiligung an archäologischen Grabungen in Israel. 1980-2004 Prof. für Altes Testament an der kirchlichen Hochschule Bethel, Bielefeld. Seit ca. 1990 institutionelle Beteiligung am christlich-jüdischen Dialog. Wissenschaftliche Schwerpunkte: Sozial- und Rechtsgeschichte des alten Israel; Hermeneutik und Theologie des Alten Testaments und der christlichen Bibel; Erneuerung des Verhältnisses zum Judentum. Wichtigste Publikationen: Die Tora. Theologie und Sozialgeschichte des alttestamentlichen Gesetzes, 1992, 3. Aufl. 2005; Das Alte Testament als Wahrheitsraum des Neuen. Die neue Sicht der christlichen Bibel, 2011, 2. Auf. 2015.

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