»Gelobtes Land? Land und Staat Israel in der Diskussion. Eine Orientierungshilfe« (2012)

© Gelob­tes Land? Land und Staat Isra­el in der Dis­kus­si­on. Eine Ori­en­tie­rungs­hil­fe. Her­aus­ge­ge­ben im Auf­trag der EKD, der UEK und der VELKD, Güters­loh 2012 (zuerst ver­öf­fent­licht auf den Sei­ten der EKD)

 

Aus dem Inhalt der Orientierungshilfe vom Jahr 2012


Vorwort

Die hier vor­ge­leg­te Ori­en­tie­rungs­hil­fe greift ein eben­so aktu­el­les wie sen­si­bles und zugleich her­aus­for­dern­des The­ma auf. Vie­le Chris­tin­nen und Chris­ten sind ange­sichts der unge­lös­ten poli­ti­schen Kon­flik­te im Nahen Osten ins­be­son­de­re zwi­schen Israe­lis und Paläs­ti­nen­sern ver­un­si­chert. Sie fra­gen eben­so nach poli­ti­schen Lösungs­we­gen wie nach einem ange­mes­se­nen Ver­ständ­nis des Staa­tes Isra­el aus christ­li­cher Sicht und einer theo­lo­gisch ver­ant­wor­te­ten und zeit­ge­mä­ßen Deu­tung bibli­scher Land­ver­hei­ßun­gen.

Der vom Rat der EKD, dem Prä­si­di­um der UEK und der Kir­chen­lei­tung der VELKD beru­fe­ne Gemein­sa­me Aus­schuss „Kir­che und Juden­tum“ will mit die­ser Ori­en­tie­rungs­hil­fe dazu bei­tra­gen, die oft hoch emo­tio­nal und pola­ri­sie­rend geführ­te Dis­kus­si­on um Land und Staat Isra­el zu ver­sach­li­chen. Den Lese­rin­nen und Lesern soll die Chan­ce gebo­ten wer­den, die kom­ple­xe The­ma­tik aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven in den Blick zu neh­men, um so zu einem begrün­de­ten, eigen­stän­di­gen Urteil zu kom­men. Dabei ist den Mit­glie­dern des Gemein­sa­men Aus­schus­ses bewusst, dass die erör­ter­ten theo­lo­gi­schen Fra­gen nicht los­ge­löst von den poli­ti­schen Debat­ten bedacht wer­den kön­nen.

Die Ori­en­tie­rungs­hil­fe knüpft mit ihren theo­lo­gi­schen Grund­aus­sa­gen aus­drück­lich an die in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten im Dia­log von Chris­ten und Juden gewon­ne­nen Ein­sich­ten an. Die­se fin­den sich for­mu­liert in den drei Stu­di­en „Chris­ten und Juden“ der EKD aus den Jah­ren 1975, 1991 und 2000 sowie in der Stu­die „Kir­che und Isra­el“ der Gemein­schaft Evan­ge­li­scher Kir­chen in Euro­pa (GEKE) aus dem Jahr 2001. Ins­be­son­de­re hält die Ori­en­tie­rungs­hil­fe am Kon­sens über die blei­ben­de Ver­bun­den­heit der Chris­ten mit Isra­el als dem erst­be­ru­fe­nen Got­tes­volk fest, respek­tiert das jüdi­sche Selbst­ver­ständ­nis und bejaht das Exis­tenz­recht des Staa­tes Isra­el.

Die Ori­en­tie­rungs­hil­fe trägt zugleich der star­ken Ver­bun­den­heit der Kir­chen mit Isra­el und Paläs­ti­na und ihrer Ver­ant­wor­tung für alle im Nahen Osten leben­den Men­schen sei­en sie Juden, Chris­ten oder Mus­li­me Rech­nung.

In acht Abschnit­ten bie­tet die Ori­en­tie­rungs­hil­fe grund­le­gen­de Infor­ma­tio­nen.

Sie erläu­tert den bibli­schen Befund und nimmt so das refor­ma­to­ri­sche Prin­zip ernst, dem zufol­ge die Hei­li­ge Schrift „Quel­le und Richt­schnur“ aller theo­lo­gi­schen Rede ist (sacra scrip­tu­ra fons et iudex).

Sie benennt Aspek­te jüdi­schen und mus­li­mi­schen Ver­ständ­nis­ses vom Land Isra­el bzw. dem „Hei­li­gen Land“ und der Stadt Jeru­sa­lem; die Kir­chen­ge­schich­te des „Hei­li­gen Lan­des“ wird eben­so skiz­ziert wie die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on der Kir­chen in der Regi­on.

Theo­lo­gi­sche Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter in Geschich­te und Gegen­wart, im Pro­tes­tan­tis­mus und in der Öku­me­ne sind dar­ge­stellt, die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis zum Staat Isra­el wird mit der­je­ni­gen nach einem sach­ge­mä­ßen pro­tes­tan­ti­schen Ver­ständ­nis des Staa­tes zusam­men­ge­bun­den.

Der letz­te Abschnitt fasst zusam­men und spitzt zu. Die Aus­füh­run­gen zur „Hei­lig­keit“ des Lan­des kön­nen in öku­me­ni­schen Kon­tex­ten eine wei­ter­füh­ren­de Gesprächs­ba­sis bil­den. Schließ­lich wird eine heu­te ver­tret­ba­re und trag­fä­hi­ge Inter­pre­ta­ti­on der bibli­schen Land­ver­hei­ßun­gen gege­ben. Zur Fra­ge einer reli­giö­sen Bedeu­tung des Staa­tes Isra­el für Chris­ten gibt die Ori­en­tie­rungs­hil­fe eine dif­fe­ren­zie­ren­de Ant­wort.

Der Ori­en­tie­rungs­hil­fe bei­ge­ge­ben ist ein Glos­sar, das wich­ti­ge Be grif­fe erläu­tert. Unter der Adres­se www​.ekd​.de/​g​e​l​o​b​t​e​s​l​and fin­den Inter­es­sier­te Mate­ria­li­en und Lite­ra­tur­hin­wei­se, die eine Ver­tie­fung ermög­li­chen. Beson­ders ver­wie­sen sei hier auf die von der Evan­ge­li­schen Mit­tel­ost­kom­mis­si­on (EMOK) im Jahr 2009 publi­zier­te Posi­ti­ons­be­stim­mung „Isra­el Paläs­ti­na“ und die dort fest­ge­hal­te­nen Ein­sich­ten und Über­le­gun­gen.

Ange­sichts der Aktua­li­tät, der Sen­si­bi­li­tät sowie der viel­fäl­ti­gen theo­lo­gi­schen und auch poli­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen, die sich mit dem The­ma „Land Volk Staat Isra­el“ ver­bin­den, steht uns die Vor­läu­fig­keit alles theo­lo­gi­schen Wis­sens und kirch­li­chen Redens vor Augen. Gera­de des­halb sehen wir in die­ser Ori­en­tie­rungs­hil­fe einen gewich­ti­gen Bei­trag auf dem Weg zu einer Neu­be­stim­mung des Ver­hält­nis­ses von Chris­ten und Juden. Eben­so trägt sie zur uner­läss­li­chen Dis­kus­si­on der Fra­ge bei, wie die evan­ge­li­schen Kir­chen ihre Soli­da­ri­tät mit dem Staat Isra­el mit dem Enga­ge­ment für eine selbst­be­stimm­te, gerech­te und fried­li­che Zukunft aller Bewoh­ner des Lan­des der Bibel ver­bin­den kön­nen.

Wir dan­ken dem Gemein­sa­men Aus­schuss für sei­ne enga­gier­te Arbeit.

Und wir über­ge­ben die Ori­en­tie­rungs­hil­fe den Gemein­den und allen inter­es­sier­ten Lese­rin­nen und Lesern im Ver­trau­en auf die Wahr­heit und Kraft der bibli­schen Visi­on, die davon weiß, dass „Gerech­tig­keit und Frie­den ein­an­der küs­sen“ (Ps 85,11).

Han­no­ver, am Vor­abend des Isra­el­sonn­tag 2012

Prä­ses Dr. h.c. Niko­laus Schnei­der
Vor­sit­zen­der des Rates der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD)

Lan­des­bi­schof Dr. Ulrich Fischer
Vor­sit­zen­der des Prä­si­di­ums der Uni­on Evan­ge­li­scher Kir­chen in der EKD (UEK)

Bischof Ger­hard Ulrich
Lei­ten­der Bischof der Ver­ei­nig­ten Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che Deutsch­lands (VELKD)

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