Martin Luther und die Juden – eine politologische Betrachtung

1. Einleitung

Die Ant­wort auf die Fra­ge nach der Stel­lung Luthers zu Juden und Juden­tum wird sich letzt­lich dar­an bemes­sen, für wie ange­mes­sen man die Ein­las­sung des spä­ter in Nürn­berg zum Tode ver­ur­teil­ten Her­aus­ge­bers des „Stür­mers“, Juli­us Strei­chers vor dem inter­na­tio­na­len Mili­tär­ge­richts­hof auf die ihm vor­ge­hal­te­nen anti­se­mi­ti­schen Ver­bre­chen hält. Damals sag­te Strei­cher:

„Dr. Mar­tin Luther säße heu­te an mei­ner Stel­le auf der Ankla­ge­bank, wenn die­ses Buch von der Ankla­ge­ver­tre­tung in Betracht gezo­gen wür­de. In dem Buch „Die Juden und ihre Lügen“ schreibt Dr. Mar­tin Luther, die Juden sei­en ein Schlan­gen­ge­zücht, man sol­le ihre Syn­ago­gen nie­der­bren­nen, man sol­le sie ver­nich­ten.“1

Der wohl bes­te Ken­ner der Geschich­te der Refor­ma­ti­on in Deutsch­land, der Göt­tin­ger Kir­chen­his­to­ri­ker Tho­mas Kauf­mann stellt frei­lich fest, dass Luther zu Unrecht auf der Nürn­ber­ger Ankla­ge­bank sit­zen wür­de, denn:

„…die Nürn­ber­ger Rich­ter hat­ten nicht über die obses­si­ven Vor­stel­lun­gen eines nach unse­ren Maß­stä­ben theo­lo­gi­scher und sitt­li­cher Ver­nunft, aber auch dem „kir­chen­recht­li­chen Gebot der Nächs­ten­lie­be“ und „juden­recht­li­chen Bestim­mun­gen des römi­schen Rechts“ irre­ge­lei­te­ten Theo­lo­gie­pro­fes­sor des 16. Jahr­hun­derts zu ent­schei­den, son­dern über die Mas­sen­mör­der des 20. Jahr­hun­derts. Einer phy­si­schen Eli­mi­nie­rung der Juden­heit“ so beschließt Kauf­mann sein Argu­ment „hat Luther nicht das Wort gere­det.“2

Die­se Behaup­tung Kauf­manns ist noch ein­mal zu über­prü­fen, frei­lich unter einem ver­än­der­ten Blick­win­kel. Es liegt auf der Hand, dass Luther und sei­ne ent­spre­chen­den Äus­se­run­gen zumal in den Kir­chen der Refor­ma­ti­on unter theo­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten betrach­tet wer­den müs­sen, gleich­wohl soll hier eine Per­spek­ti­ve vor­ge­schla­gen wer­den, die auch Tho­mas Kauf­mann im Blick hat, wenn er schreibt: „Juden­po­li­tik war in der frü­hen Neu­zeit immer auch Finanz-,Wirtschafts- und Gesell­schafts­po­li­tik und unter­lag Regu­lie­rungs­me­cha­nis­men, die zwar von theo­lo­gi­schen Argu­men­ta­ti­ons­mus­tern beglei­tet, aber auch von poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen bestimmt oder von Res­sen­ti­ments geprägt wur­den.“3

Kauf­manns bril­lan­te Stu­die arbei­tet prä­zi­se her­aus, daß es Luther sowohl bei sei­nen frü­hen als auch bei sei­nen spä­ten Juden­schrif­ten nie dar­um ging, die Juden selbst anzu­spre­chen, son­dern stets dar­um, ent­we­der die Papst­kir­che ob ihrer inef­fek­ti­ven Metho­den der Juden­mis­si­on zu kri­ti­sie­ren oder sich selbst gegen ande­re refor­ma­to­ri­sche Auto­ren, die ihn inak­zep­ta­bler Lehr­mei­nun­gen wegen angrif­fen, zu ver­tei­di­gen. Eine prak­ti­sche Wirk­sam­keit spricht Kauf­mann Luthers vor allem spä­ten Juden­schrif­ten wei­test­ge­hend ab – mit Aus­nah­me sei­nes Ein­flus­ses auf den Gra­fen Albrecht von Mans­feld, der 1547 die Juden aus Eis­le­ben ver­trieb.4

 

2. Ein politischer Denker

Im Gegen­zug zu der nach wie vor theo­lo­gi­schen Betrach­tung Luthers soll es hier um Mar­tin Luther als einen nach wie vor unter­schätz­ten früh­neu­zeit­li­chen poli­ti­schen Theo­re­ti­ker vom Ran­ge eines Nic­co­lo Mac­chia­vel­li oder Tho­mas Hob­bes gehen und vor allem dar­um, sei­ne spä­te Schrift als Aus­druck einer bestimm­ten Kon­zep­ti­on des im Ent­ste­hen begrif­fe­nen moder­nen Natio­nal- oder doch min­des­tens Ter­ri­to­ri­al­staa­tes zu ana­ly­sie­ren.5

Der Kern von Luthers poli­ti­schem Den­ken ist in einem theo-poli­ti­schen Motiv zu suchen, das er sich früh ange­eig­net hat. Schon der jun­ge Refor­ma­tor spricht unter Bezug auf Pau­lus, Römer 13, 1 einer welt­li­chen, der christ­li­chen welt­li­chen Gewalt die Frei­heit zu, ihr Amt unge­hin­dert aus­zu­üben. In sei­nem Send­schrei­ben „An den christ­li­chen Adel „deut­scher Nati­on“ (man beach­te auch die­se Adres­sie­rung) stellt Luther gegen die römi­sche Theo­rie von zwei Rechts­kor­po­ra – einem geist­li­chen und einem welt­li­chen – fest, daß die welt­li­che Herr­schaft ein Mit­glied des christ­li­chen Lei­bes gewor­den sei,

„und, obwohl sie ein leib­li­ches Werk hat, doch geist­li­chen Stan­des ist, wes­halb ihr Werk frei unbe­hin­dert in alle Glied­ma­ßen des gan­zen Kör­pers gehen soll, stra­fen und antrei­ben, wo es die Schuld ver­die­net oder die Not for­dert, unan­ge­se­hen der Päps­te, Bischö­fe, Pries­ter, sie mögen dro­hen oder ban­nen, wie sie wol­len.“6

Das ist nun kei­ne Befür­wor­tung einer Theo­kra­tie, son­dern – ganz im Gegen­teil – die Absa­ge an jede Theo­kra­tie durch die Annah­me, daß es Got­tes Wil­le ist, daß Men­schen grund­sätz­lich unter einer Obrig­keit leben und ihr auf jeden Fall will­fah­ren müs­sen. Die­se Obrig­keit aber soll sich nach Got­tes Wil­le dadurch aus­zeich­nen, als Frie­den stif­ten­des und Frie­den erhal­ten­des welt­li­ches Regi­ment ohne Ein­schrän­kun­gen gegen alle vor­zu­ge­hen, die den welt­li­chen Frie­den beein­träch­ti­gen. Von daher war es nur schlüs­sig, daß Luther in den Bau­ern­krie­gen und in der Fra­ge der rebel­li­schen Wie­der­täu­fer ein­deu­tig auf Sei­ten der Obrig­keit stand​.Im Bau­ern­krieg jener, so Fried­rich Engels „ers­ten bür­ger­li­chen Revo­lu­ti­on“ hat­te Luther die Fürs­ten zu einer gera­de­zu eli­mi­na­to­ri­schen Kriegs­füh­rung auf­ge­sta­chelt:

“Drum soll hier erschla­gen, wür­gen, ste­chen, heim­lich oder öffent­lich, wer da kann und dar­an denken,daß nichts gif­ti­ge­res, Schäd­li­che­res, Teuf­li­sche­res sein kann als ein auf­rüh­re­ri­scher Mensch; (es ist mit ihm) so wie man einen tol­len Hund tot­schla­gen muß ̧ schlägst du ihn nicht, so schlägt er dich und ein gan­zes Land mit dir.“7

Vor allem in dem apo­lo­ge­ti­schen „Send­brief von dem har­ten Büch­lein wider die Bau­ern“ macht Luther, ob der­ar­ti­ger Auf­ru­fe scharf kri­ti­siert, den Sinn sei­ner sog. Zwei Rei­che Leh­re unmiss­ver­ständ­lich klar, näm­lich „daß die welt­li­che Obrig­keit in ihrem eige­nen Amt nicht barm­her­zig sein kann noch soll, obwohl sie das Amt Gna­de ruhen las­sen kann.“8 Eine theo­lo­gi­sche Über­le­gung besie­gelt die­se Überzeugung;sie hängt auf das Engs­te mit Luthers Sehn­sucht nach einem gnä­di­gen Gott zusam­men:

„Wer nun die­se zwei Rei­che inein­an­der­men­gen woll­te, wie unse­re fal­schen Rot­ten­geis­ter tun, der wür­de in Got­tes Reich den Zorn ver­set­zen und Barm­her­zig­keit in der Welt Reich: das wäre eben­so, wie den Teu­fel in den Him­mel und Gott in die Höl­le ver­set­zen.“9

Aus den Evan­ge­li­en dient ihm Joh 18,36 als Beleg für die­se Hal­tung; dort äußert Jesus, daß sein Reich nicht von die­ser Welt, sei „wäre mein Reich von die­ser Welt, mei­ne Die­ner wür­den dar­um kämp­fen, daß ich den Juden nicht über­ant­wor­tet wür­de.“10 Luther for­dert die Zwei Rei­che Leh­re sogar für Per­son und Innen­le­ben des ein­zel­nen Chris­ten: „Der Christ“ so Luther inb einer Tisch­re­de „hat kei­ne Bezie­hung zum öffent­li­chen Leben, wie sie ein Nach­bar zum ande­ren, ein Bür­ger zum ande­ren hat.“11 Frei­lich war Luther in der Anwen­dung die­ser „Zwei Rei­che Leh­re“ nicht unbe­dingt kon­se­quent. Zwar stell­te er in sei­ner Schrift „Von welt­li­cher Obrig­keit“ fest, daß sich die­sel­be nur auf das äuße­re Leben, auf Hab und Gut bezieht:

„Das welt­li­che Regi­ment hat Geset­ze, die sich nicht wei­ter erstre­cken, denn über Leib und Gut und was sonst äußer­lich ist auf Erden. Denn über die See­le kann und will Gott nie­mand regie­ren las­sen als sich selbst allein.“12

Gleich­wohl wird Luther spä­ter, 1536, eine Denk­schrift von Wit­ten­ber­ger Theo­lo­gen unter­schrei­ben, in dem die­se die regie­ren­den Fürs­ten nach ihrem Amt auf­for­dern, Wie­der­täu­fer hin­zu­rich­ten, also Todes­ur­tei­le wegen Gesin­nun­gen zu ver­hän­gen: “Jeder­mann ist schul­dig nach sei­nem Stand und Amt, Got­tes Läs­te­rung zu ver­hin­dern und abzu­weh­ren. Und kraft die­ses Gebots haben Fürs­ten und Obrig­kei­ten Macht und Befehl, unrech­ten Got­tes­dienst abzutun….Dazu dient auch der Text Levit. 24 : Wer Gott läs­tert, der soll getö­tet wer­den.“ So grau­sam eine sol­che Todes­stra­fe sei, es doch, wenn fal­sche Pre­di­ger die wah­re Leh­re unter­drü­cken „und dazu regna mun­di“ unter­drü­cken wol­len. 13

 

3. Luthers Haltung zu den Juden

Wenn sich Luther also 1543 gegen die Juden wen­det, so tut er dies zwar auch aus theo­lo­gi­schen, vor allem aber aus poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Moti­ven.

Anders als Wie­der­täu­fer und Bau­ern gal­ten ihm die Juden gewiß nicht als „Auf­rüh­rer“, wohl aber als eine Grup­pe, gegen die – ganz im Sin­ne der tota­len Voll­macht welt­li­cher Obrig­keit – jede Maß­nah­me ergrif­fen wer­den kann. Tho­mas Kauf­mann scheint auf den ers­ten Blick recht zu haben: Luther for­dert kei­ne unmit­tel­bar mör­de­ri­sche Eli­mi­na­ti­on der Juden – daß ihm eli­mi­na­to­ri­sche Kriegs­füh­rung grund­sätz­lich nicht fremd war, haben die von ihm gewünsch­te Maß­nah­men gegen die Bau­ern gezeigt. Sei­ne Posi­ti­on, die einer schar­fen Tren­nung vom Reich christ­li­cher Barm­her­zig­keit hier und dem nach Got­tes Wil­len auf Armut ver­zich­ten­den Reich welt­li­cher Obrig­keit dasWort sprach, ent­fal­te­te Luther 1525, in der Kon­fron­ta­ti­on mit den auf­stän­di­schen Bau­ern – die Anwen­dung die­ser Posi­ti­on auf die Juden soll­te sich noch etwa zwan­zig Jah­re ver­zö­gern.

In der in Wit­ten­berg, 1543 von Hans Luft gedruck­ten und publi­zier­ten Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ wer­den die Juden unter Bezug auf das alt­tes­ta­ment­li­che Buch Ester schon in den ers­ten Zei­len kon­se­quent dämo­ni­siert:

„Kein blut­dürs­ti­ge­res und rach­gie­ri­ge­res Volk hat die Son­ne je beschie­nen, als die sich dün­ken las­sen, sie sei­en dar­um Got­tes, dass sie sol­len die Hei­den mor­den und wür­gen. Und es ist auch das vor­nehms­te Stück, dass sie von ihrem Mes­si­as erwar­ten, er sol­le die gan­ze Welt durch ihr Schwert ermor­den und umbrin­gen. Wie sie denn im Anfang an uns Chris­ten in aller Welt wohl erwie­sen und noch ger­ne täten, wenn sie es könn­ten, habens auch oft ver­sucht und dar­über auf die Schnau­ze weid­lich geschla­gen wor­den sind.“14

Vor die­sem Hin­ter­grund plä­diert Luther für eine „schar­fe Barm­her­zig­keit“, die zwar immer­hin zur eher unwahr­schein­li­chen Bekeh­rung eini­ger Juden füh­ren könn­te, indes: „rächen dür­fen wir uns nicht.“15 Luthers „schar­fe Barm­her­zig­keit“ umfasst einen prä­zi­sen Kata­log von Maß­nah­men, die zu ergrei­fen er den christ­li­chen Lan­des­her­ren nahe­legt:

Erst­lich, dass man ihre Syn­ago­gen oder Schu­len mit Feu­er anste­cke und, was nicht ver­bren­nen will, mit Erde über­häu­fe und beschüt­te, dass kein Mensch einen Stein oder Schla­cke sehe ewig­lich.“16
„Zum zwei­ten: dass man ihre Häu­ser des­glei­chen zer­bre­che und zer­stö­re, denn sie trei­ben eben das­sel­be dar­in, das sie in ihren Schu­len trei­ben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun wie die Zigeu­ner, auf dass sie wis­sen, sie sei­en nicht die Her­ren in unserm Lan­de, wie sie rüh­men, son­dern in der Ver­ban­nung und gefan­gen….“17
„Zum drit­ten: dass man ihnen alle Bet­büch­lein und Tal­mu­dis­ten neh­me, wor­in sol­che Abgöt­te­rei, Lügen, Fluch und Läs­te­rung gelehrt wird.“18
„Zum vier­ten: dass man ihren Rab­bi­nen bei Leib und Leben ver­bie­te, hin­fort zu leh­ren….“
„Zum fünf­ten: dass man den Juden das Geleit und Stra­ße ganz und gar auf­he­be, denn sie haben nichts auf dem Lan­de zu schaf­fen, weil sie nicht Her­ren noch Amts­leu­te noch Händ­ler noch der­glei­chen sind; sie sol­len daheim blei­ben.“19
„Zum sechs­ten : dass man ihnen den Wucher ver­bie­te und ihnen alle Bar­schaft und Klein­od an Sil­ber und Gold neh­me und zur Ver­wah­rung bei­sei­te­le­ge. Und dies ist die Ursa­che: alles, was sie haben, haben sie uns gestoh­len und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst kein ande­res Gewer­be haben…“20
„Zum sie­ben­ten: dass man den jun­gen star­ken Juden und Jüdin­nen in die hand gebe Fle­gel, Axt, Karst, Spa­ten, Rocken, Spin­del und las­se sie ihr Brot ver­die­nen im Schwei­ße der Nasen.“21

Am Ende, nach einem Kata­log, der prä­zi­se die Zer­stö­rung der Syn­ago­gen und Wohnungen,verordnete Obdach­lo­sig­keit, Ver­nich­tung des kul­tu­rel­len und reli­giö­sen Erbes, Rei­se­ver­bo­te, von Staats wegen ange­ord­ne­te Ent­eig­nung, also Raub und schließ­lich Zwangs­ar­beit vor­schlägt, plä­diert Luther für die Ver­trei­bung der Juden. Mit Blick auf das osma­ni­sche Reich, auf die Tür­ken glaubt Luther fest­stel­len zu kön­nen, dass die­se unter den Juden nicht zu lei­den hät­ten, daher: „so müs­sen wir geschie­den sein und sie aus unse­rem Lan­de ver­trie­ben wer­den. Sie mögen in ihr Vater­land geden­ken..“22 Am Ende, so stellt Luther bei­na­he resi­gnie­rend fest, mag all das nicht hel­fen, daher: „so müs­sen wir sie wie die tol­len Hun­de aus­ja­gen…“23 Vor­bil­der für die­se von ihm gefor­der­te Ver­trei­bung sind ihm – wie Luther fälsch­lich meint – die von Kai­ser Karl „neu­lich“ ange­ord­ne­te Ver­trei­bung der Juden aus Spa­ni­en sowie die Ver­trei­bung von Juden aus den Län­dern der böh­mi­schen Kro­ne sowie aus Regens­burg und Mag­de­burg. Dabei war Luther gewiß nicht der ein­zi­ge, der der­ar­tig prä­zi­se Vor­schlä­ge mach­te: sie waren auch auf katho­li­scher Sei­te bekannt, zu den­ken ist an Luthers Geg­ner Johan­nee Eck, aber auch den Refor­ma­tor Straß­burgs, Mar­tin Bucer. Auf jeden Fall hat Tho­mas Kauf­mann in einer Hin­sicht recht: einen offe­nen Vor­schlag zur mas­sen­haf­ten Ermor­dung von Juden prä­sen­tiert Luther 1543 nicht, wohl aber sämt­li­che Maß­nah­men, die die Natio­nal­so­zia­lis­ten bis zum Beginn des Zwei­ten Welt­krie­ges und noch andert­halb Jah­re danach gegen die in ihrem Herr­schafts­be­reich vor­find­li­chen Jüdin­nen und Juden exe­ku­tiert haben.

Luthers Sua­da mit­samt ihren prä­zi­sen Vor­schlä­gen rich­tet sich an die christ­li­chen Lan­des­her­ren, „die Juden unter sich haben“24. Er legt ihnen nahe, so sie sei­nen  Vor­schlä­gen nicht fol­gen mögen, wenigs­tens ande­re Maß­nah­men zu ergrei­fen, um jüdi­schen Spott über den christ­li­chen Glau­ben und jüdi­sche Angrif­fe auf Geld und Gut ihrer und ihrer Unter­ta­nen zu ver­hin­dern, also „kei­nen Schutz noch Schirm noch Geleit noch Gemein­schaft sie haben las­sen, auch nicht eure und eurer Unter­ta­nen Geld und Güter durch den Wucher ihnen dazu die­nen und hel­fen las­sen.“25 Tat­säch­lich begrün­det Luther die gefor­der­te Ein­schrän­kung der Bewe­gungs­frei­heit von Juden mit der For­de­rung nach Auf­recht­erhal­tung der öffent­li­chen Ord­nung, als Maß­nah­me zur Ver­hin­de­rung von Aus­schrei­tun­gen des Volks­zorns:

„Wer­det ihr Fürs­ten und Her­ren sol­chen Wuche­rern nicht die Stras­se ordent­li­cher­wei­se ver­le­gen, so möch­te sich etwa eine Rei­te­rei gegen sie sam­meln, weil sie aus die­sem Büch­lein ler­nen wer­den, was die Juden sind…“26

Luther begrün­det sei­ne Maß­nah­men zwie­fach: theo­lo­gisch mit dem Spott und den Lügen der Juden über den christ­li­chen Glau­ben, aber eben auch poli­tisch und öko­no­misch:

„Sie leben bei uns zu Hau­se, unter unserm Schutz und Schirm, brau­chen Land und Stra­ßen, Markt und Gas­sen; dazu sit­zen die Fürs­ten und Obrig­keit, schnar­chen und haben das Maul offen, las­sen die Juden aus ihrem offe­nen Beu­tel neh­men, steh­len und rau­ben, was sie wol­len, das ist: sie las­sen sich selbst und ihre Unter­ta­nen durch der Juden Wucher schin­den und aus­sau­gen und mit ihrem eige­nen Gel­de sich zu Bett­lern machen.“27

Sieht man also von sei­nem theo­lo­gisch begrün­de­ten Juden­hass ab, geht es Luther öko­no­misch und poli­tisch gegen das, was er als „Wucher“ bezeich­net sowie juris­tisch dar­um, bis­her gel­ten­de Geset­ze der Frei­zü­gig­keit und Rechts­si­cher­heit wie­der auf­zu­he­ben. Die gefor­der­te Aus­gren­zung der Juden aus der Rechts­ge­mein­schaft der Ter­ri­to­ri­al­staa­ten begrün­det Luther mit ihrer Anders­ar­tig­keit:

„Denn die Juden als Fremd­lin­ge soll­ten wahr­lich und gewiss­lich nichts haben, und was sie haben, dass muß gewiss­lich unser sein.“28

Min­des­tens an die­ser Äus­se­rung läßt sich erken­nen, daß Luther nicht nur ein christ­li­cher Anti­ju­da­ist, son­dern doch ein Juden­feind, wenn man so will ein Früh­an­ti­se­mit war, wenn­gleich ihm die­ser Begriff nicht ver­füg­bar sein konn­te. Gleich­wohl: seit Jahr­hun­der­ten in deut­schen Län­dern leben­de Juden wer­den hier als „Fremd­lin­ge“ bezeich­net.

 

4. Luther als Nationalökonom

Mit sei­ner Pole­mik gegen den jüdi­schen Wucher nimmt Luther ein Motiv auf, das ihn glei­cher­ma­ßen schon zwan­zig Jah­re frü­her beschäf­tigt hat­te, näm­lich das Pro­blem des Kaufs und Ver­kaufs von Import­gü­tern sowie der Zins­nah­me, damals noch ganz ohne anti­se­mi­ti­sche, wohl aber mit früh­na­tio­na­lis­ti­schen Unter­tö­nen:

Gott“ so stellt er in sei­ner Schrift „Von Kaufs­hand­lung und Wucher“ aus dem Jahr 1524 fest „hat uns Deut­sche dahin geschleu­dert, dass wir unser Geld und Sil­ber in frem­de Län­der geben, alle Welt reich machen und selbst Bett­ler blei­ben müs­sen.“29 Luther ana­ly­siert hier die nega­ti­ve Han­dels­bi­lanz der deut­schen Ter­ri­to­ri­en, die auf­grund des über­mä­ßi­gen Imports aus­län­di­scher (Luxus)waren erzeugt wird und greift nicht zuletzt gro­ße Han­dels- und Mes­se­städ­te wie Frank­furt am Main an:

„Frank­furt ist das Sil­ber- und Gold­loch, durch das aus deut­schen Lan­de her­aus­fließt, was nur bei uns quillt und wächst, gemünzt oder geschla­gen wird. Wäre das Loch zuge­stopft, so brauch­te man jetzt nicht die Kla­ge zu hören, wie allent­hal­ben lau­ter Schul­den und kein Geld, alle Städ­te mit Zin­sen beschwert und aus­ge­wu­chert sind.“30

Daher for­dert Luther 1524 das Ver­bot der Han­dels­ge­sell­schaf­ten:

„Sol­len die Han­dels­ge­sell­schaf­ten blei­ben, so muß Recht und Red­lich­keit unter­ge­hen. Soll Recht und Red­lich­keit blei­ben, so müs­sen die Han­dels­ge­sell­schaf­ten unter­ge­hen.“31

 

5. Die gesellschaftliche und rechtliche Lage

In wel­che poli­ti­sche, recht­li­che und öko­no­mi­sche Situa­ti­on hin­ein rich­te­te Luther sei­ne Schrift „Über die Jüden und ihre Lügen“? 1523, als er sei­ne Schrift „Daß unser Herr Jesus ein gebo­re­ner Jude sei“ publi­zier­te, war der hoch-und spät­mit­tel­al­ter­li­che Ver­fol­gungs- und Ver­trei­bungs­druck weit­ge­hend zu einem Ende gekom­men,32 die all­mäh­li­che Durch­set­zung eines reichs­wei­ten Land­frie­dens führ­te zu einem all­mäh­li­chen Ende von Pogro­men und Mas­sen­mor­den.33 Frei­lich bedeu­te­ten auch die den Juden jetzt von man­chen Fürs­ten gegen hohe Zah­lun­gen gewähr­ten tem­po­rä­ren Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gun­gen kei­ne dau­er­haf­te Rechts­si­cher­heit, nach Ablauf der Gül­tig­keit der Schutz­brie­fe waren ent­we­der neue Zah­lun­gen oder Aus­trei­bun­gen fäl­lig. Mar­tin Luther hat die­se unsi­che­re Lage der Juden in einer frü­hen Schrift treff­lich cha­rak­te­ri­siert:

„…sit­zen immer auff der schu­ckel und wurff­schauf­fel. Heu­te nis­ten sie hie, mor­gen wer­den sie ver­trie­ben und ihre nes­ter zur­stö­ret, und ist kein Pro­phet hie, der da spre­che, fli­het dort hin odder hie her, son­dern mus­sen auch des orts ihres Elen­des unge­wis sein und schwe­ben im win­de, wo er sie hin weht.“34

Frei­lich herrsch­te zwi­schen den sich kon­so­li­die­ren­den Ter­ri­to­ri­al­staa­ten und dem kai­ser­li­chen Hof, der Reichs­re­gie­rung, hier in Gestalt der Kai­ser Maxi­mi­li­an I. und Karl V. inso­weit ein Gegen­satz, als der kai­ser­li­che Hof im Kai­ser­li­chen Pri­vi­leg von 1544, einer Ver­län­ge­rung des hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Spey­rer Juden­pri­vi­legs,35 ein Jahr nach Luthers letz­ter Schrift, den Juden siche­res Geleit, Schutz ihres Han­dels, Ver­bot der Schlie­ßung von Syn­ago­gen und Schutz vor Ver­trei­bung ver­hieß. Das Pri­vi­leg ́gestat­te­te den Juden sogar, höhe­re als unter Chris­ten übli­che Zin­sen zu neh­men und zwar mit dem Argu­ment, daß sie einer kai­ser­li­chen Son­der­steu­er unter­lä­gen und ihnen die meis­ten Hand­wer­ke und Ämter auf­grund der zünf­ti­gen, christ­li­chen Ver­fas­sun­gen ver­bo­ten waren.36 Schon vor­her wur­de den Juden in dem von Kai­ser Karl V in Kraft gesetz­ten Rechts­buch „Caro­li­na“ ein leicht ver­bes­ser­ter Sta­tus als Rechts­sub­jek­te zuer­kannt. Schon zuvor, seit  1530 galt für Juden eine „Reichs­po­li­zei­ord­nung“, die – so Ismar Elbo­gen – „allen Juden, die Wucher trie­ben, das Geleit auf­sag­te.“37 Man darf anfü­gen: aber nur jenen. Luther aber woll­te mit sei­nen gene­ra­li­sie­ren­den Ein­las­sun­gen die­se bereits gesetzt­lich fest­ge­leg­te Ten­denz ver­schär­fen.

Die „Spey­re­rer Juden­ord­nung“ von 1544, wur­de nicht zuletzt auf­grund einer Kla­ge von Juden an den kai­ser­li­chen Hof erlas­sen, erlas­sen, einer Kla­ge dar­über,“ dass man sie „gewalt­ige­lich, fra­vent­lich und muet­wil­lig an ihren per­soh­nen, lei­ben, haab und güet­tern mit tott­schla­gen, rau­ben, weg­füren, auß­trei­bung ihrer heuß­li­chen woh­nun­gen, ver­spe­rung und zer­stö­rung ierer schu­el­len und sinago­gen, deß­glei­chen an gelai­ten und zol­len belai­digt und beschwerdt“, dass man sie damit am Erwerb ihres Unter­hal­tes hin­der­te und dass man sie hin­der­te, das Kai­ser­li­che Kam­mer­ge­richt oder ande­re Gerich­ten anzu­ru­fen. Hin­zu wur­de beklagt, dass die Juden in eini­gen Städ­te des Rei­ches „nit allain ierer haab und güet­ter ent­setzt, geblün­dert und auß­ge­tri­ben, son­dern auch ohne alle unser recht­li­che erk­hanndt­nuß gefan­gen, gepeini­get, ver­tilgt und umb leib und guett“ gebracht wur­den. 38

Fest­zu­hal­ten bleibt also, daß Luthers und ande­rer Refor­ma­to­ren, aber auch ande­rer Macht­ha­ber Ver­such, die rela­ti­ve Recht­lo­sig­keit der Juden in ein­zel­nen deut­schen Ter­ri­to­ri­en sowie auf dem gesam­ten Gebiet des Hei­li­gen Römi­schen Reichs nicht nur auf­recht zu erhal­ten oder zu ver­län­gern, son­dern sogar, sie wei­ter­hin zu ver­schär­fen, auf Wider­stand sowohl der Betrof­fe­nen als auch ande­rer Macht­ha­ber stieß. Daher stellt sich die Fra­ge, in wel­chem Ver­hält­nis die dama­li­gen Juden­ord­nun­gen bzw. die Bestre­bun­gen, sie zu ver­än­dern oder auf­zu­he­ben, zur dama­li­gen Rechts­ent­wick­lung im Hei­li­gen Römi­schen Reich stan­den. Sogar wenn vor­aus­ge­setzt wer­den darf, daß es dort – anders als in Eng­land – kei­ne der „Magna Char­ta“ auch nur ver­gleich­ba­ren Ansät­ze zur Siche­rung von Rech­ten gab, ist den­noch nicht anzu­neh­men, daß es kei­ne Rechts­ord­nung gab. Wie sah die all­ge­mei­ne Rechts­ord­nung aus? Tat­säch­lich wur­de von Kur­fürs­ten, Reichs­städ­ten und kai­ser­li­chem Hof nach zähen Ver­hand­lun­gen in den Jah­ren 1500 bis 1502 bzw. 1521 bis 1530 ein „Nürn­ber­ger Reichs­re­gi­ment“ beschlos­sen, ihm folg­te die auf dem Reichs­tag zu Worms 1495 beschlos­se­ne Auf­he­bung des Feh­de­rechts und die damit ein­her­ge­hen­de Errich­tung eines „Ewi­gen Land­frie­dens“ vor­her­ge­gan­gen. Eben­falls scho 1495 wur­de das Reichs­kam­mer­ge­richt errich­tet sowie eine reichs­wei­te Steu­er beschlos­sen.39 Doch sah das Recht des Alten Rei­ches auch das Insti­tut der „Reichs­acht“ vor, mit­tels des­sen ein­zel­ne Per­so­nen aus der Rechts­ge­mein­schaft aus­ge­sto­ßen, sie ihrer Güter, Haus und Hof ver­lus­tig gehen soll­ten und für vogel­frei gal­ten. Die­se, dem mit­tel­al­ter­li­chen, kirch­li­chen Ket­zer­recht ent­stam­men­den Rege­lun­gen wur­den auf dem Worm­ser Reichs­tag 1521 gegen Mar­tin Luther ver­hängt – For­men der Recht­lo­sig­keit, unter denen Luther nur des­halb nicht zu lei­den hat­te, weil ein­zel­ne Lan­des­fürs­ten, die sei­ner Leh­re folg­ten, ihn schütz­ten. Per­so­nen, die sich in der Reichs­acht befan­den, konn­ten, wie das Bei­spiel des tsche­chi­schen Refor­ma­tors Hus schon hun­dert Jah­re vor­her gezeigt hat, umstands­los hin­ge­rich­tet wer­den.

 

6. Homo Sacer

Vor die­sem Hin­ter­grund ist nun noch ein­mal Luthers Fazit in sei­ner Schrift über die „Juden und ihre Lügen“ zu betrach­ten. Dort heißt es:

„Sum­ma, ihr lie­ben Fürs­ten und Herrn, die Juden unter sich haben, ist euch sol­cher mein Rat nicht genehm, so trefft einen bes­sern, daß ihr und wir alle der unleid­li­chen, teuf­li­schen List der Juden ent­la­den wer­den und nicht vor Gott all der Lügen, des Läs­terns, Spei­ens, Flu­chens schul­dig und teil­haf­tig werden…..keinen Schutz noch Schirm noch Geleit noch Gemein­schaft sie haben las­sen auch nicht eure und eue­re Unter­ta­nen Geld und Güter durch den Wucher ihnen dazu die­nen und hel­fen las­sen.“40

Die­ses Fazit nimmt noch ein­mal Luthers fünf­te For­de­rung auf: näm­lich den Juden Geleit und Stra­ße ganz und gar auf­zu­he­ben.41 Rechts­his­to­risch betrach­tet lau­fen Luthers For­de­run­gen auf nichts ande­res her­aus, als die Juden ohne ent­spre­chen­des Ver­fah­ren in Acht und Bann zu stel­len, d.h. ihnen jenen Nicht-Sta­tus zukom­men zu las­sen, den in die Reichs­acht gezwun­ge­ne Per­so­nen inne­hat­ten. Im alten Reich wur­de die Acht nach einer Ver­hand­lung gegen Per­so­nen oder auch Kör­per­schaf­ten ver­hängt, die nach­weis­lich ihrer Steu­er­pflicht nicht nach­ka­men, sich der Majes­täts­be­lei­di­gung schul­dig mach­ten oder Land­frie­dens­bruch begin­gen. Sie gal­ten als vogel­frei und durf­ten – sofern sie recht­mä­ßig in der Acht waren, was Luther 1521 droh­te – straf­frei von jeder­mann umge­bracht wer­den. Sofern die­se Annah­me zutrifft – und sie trifft genau dann zu, wenn man zwar in Rech­nung stellt, daß Luther die Recht­los­stel­lung der Juden als eine Dro­hung kon­zi­piert, um sie zum Ver­las­sen des Lan­des zu nöti­gen, er aber auch bereit war, Todes­fäl­le durch „Volks­zorn“ hin­zu­neh­men – ent­spre­chen die Juden in die­sem spä­ten Trak­tat jener Gestalt des alten römi­schen Rechts, die der Phi­lo­soph Gior­gio Agam­ben als „Homo Sacer“ ana­ly­siert hat.42 Nach römi­schen Recht waren „Homi­nes sacri“ Men­schen, die auf kei­nen Fall geop­fert wer­den dür­fen und inso­fern hei­lig sind, aber gleich­wohl straf­frei von jedem getö­tet wer­den dür­fen. Agam­ben ver­sucht zu zei­gen, daß genau die­se Insti­tu­ti­on den Raum poli­ti­scher Sou­ve­rä­ni­tät kon­sti­tu­iert:

„Sou­ve­rän ist die Sphä­re, in der man töten kann, ohne einen Mord zu bege­hen und ohne ein Opfer zu zele­brie­ren, und hei­lig, das heißt töt­bar, aber nicht opfer­bar, ist das Leben, das in die­se Sphä­re ein­ge­schlos­sen ist.“43

Die fak­ti­sche Voll­macht zu töten ist es, die nach Agam­ben den moder­nen, sou­ve­rä­nen Staat aus­macht. Daß es dabei tat­säch­lich nicht nur um die Juden, son­dern um den Kern des neu­zeit­li­chen Sou­ve­rä­ni­täts­ge­dan­kens geht, die abso­lu­te Voll­macht des Staa­tes, belie­bi­ge Men­schen ein­zeln oder in Grup­pen zu töten, wird auch am Fall des Begrün­ders der neu­zeit­li­chen Leh­re von der Sou­ve­rä­ni­tät, an Jean Bodin deut­lich. Bodin, (1530 – 1596) ein fran­zö­si­scher Zeit­ge­nos­se Luthers war zugleich einer der inten­sivs­ten Befür­wor­ter der Hexen­jagd, indem er Hexe­rei als poli­ti­sches Ver­bre­chen ansah; frei­lich – das unter­schei­det ihn von Luther – sprach er einer strikt rechts­för­mi­gen Hexen­ver­fol­gung das Wort.44 Auch hier – bei Bodin – sind Ratio­na­li­tät und Irra­tio­na­li­tät kaum zu ent­flech­ten: Hexen, „wei­se Frau­en“ waren dafür bekannt, über Mit­tel der Emp­fäng­nis­ver­hü­tung bzw. Tech­ni­ken der Abtrei­bung zu ken­nen. Sie zu bekämp­fen war damit alle­mal auch Aus­druck einer kal­ku­la­to­ri­schen Bio­pi­li­tik, um dem sou­ve­rä­nen Staat auch genug Unter­ta­nen zu garan­tie­ren.

Die­ser Logik gemäß for­dert Luthers Juden­schrift sogar, wenn auch ver­klau­su­liert, zum Mord an Juden auf. Indem er die Fürs­ten wie­der­holt auf­for­dert, gegen­über den Juden „schar­fe Barm­her­zig­keit“ durch die Erfül­lung sei­ner For­de­rung zu üben, for­dert er nicht nur ein wei­te­res Mal, man

„zwin­ge sie zur Arbeit und gehe mit ihnen nach aller Unbarm­her­zig­keit um, wie Moses in der Wüs­te tat, der drei­tau­send tot­schlug, daß nicht der gan­ze Hau­fe ver­der­ben muss­te.“

Erst wenn auch eine sol­che selek­ti­ve Tötung die Juden­heit der deut­schen Län­der nicht in die Flucht jagt, kommt das letz­te Mit­tel in Betracht:

„Will das nicht hel­fen, so müs­sen wir sie wie die tol­len Hun­de aus­ja­gen, damit wir nicht, ihrer gräu­li­chen Läs­te­rung und aller Las­ter teil­haf­tig, mit ihnen Got­tes Zorn ver­die­nen und ver­dammt wer­den. Ich habe das Mei­ne getan; ein jeg­li­cher sehe, wie er das Sei­ne tue.“45

Tho­mas Kauf­mann hat der Fra­ge der Behand­lung von Juden als Hun­den einen eige­nen Anhang gewid­met. Er weist dort nicht nur auf die Geschich­te die­ses Topos hin, son­dern auch auf eine tat­säch­lich voll­zo­ge­ne Straf­rechts­pra­xis – sie war seit 1515 bekannt – aus dem Jahr 1559 in einem katho­li­schen Gebiet hin, wonach ein wegen Dieb­stahls ehr­los ver­ur­teil­ter Jude an den Fü.en zwi­schen zwei Hun­den auf­ge­hängt wur­de, bei der die an Schwanz und Hin­ter­pfo­ten auf­ge­häng­ten Hun­de den armen Juden bis­sen. Im Fall sei­ner durch uner­träg­li­che Schmer­zen erzwun­ge­nen Bekeh­rung beweg­ten sich die Hun­de nicht mehr – nach der schließ­lich vom Delin­quen­ten gewünsch­ten und end­lich voll­zo­ge­nen Tau­fe wur­de er, der jetzt Christ gewor­de­ne Jude sofort erdros­selt.46  Sei­ne See­le immer­hin war jetzt geret­tet.

Nun ist die Hin­rich­tung neben und die Fol­ter durch Hun­de selbst­ver­ständ­lich nicht iden­tisch mit der Behand­lung von Juden als Hun­den, frei­lich spricht Luther am Ende sei­nes Auf­rufs auch nicht nur von Hun­den im All­ge­mei­nen, son­dern von tol­len Hun­den, die man alle­mal auch dadurch aus­jag­te, daß man sie, so man ihrer hab­haft wur­de, erschlug.

 

7. Der souveräne NS Staat

Es ist die­se Kon­stel­la­ti­on eines tota­len, sei­ne Sou­ve­rä­ni­tät durch die Recht­los­stel­lung von Men­schen – hier der Juden – kon­sti­tu­ie­ren­den Staa­tes, die von Luther geprägt wur­de und fol­ge­rich­tig in die Begrün­dung des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Staa­tes, eines Koali­ti­ons­re­gimes von Natio­na­lis­ten, Kon­ser­va­ti­ven, Völ­ki­schen und welt­an­schau­li­chen Anti­se­mi­ten ein­ging. Am 23.11. 1938 gab der thü­rin­gi­sche Lan­des­bi­schof der Deut­schen Chris­ten, Mar­tin Sas­se einer Neu­pu­bli­ka­ti­on von Luthers Juden­schrift fol­gen­des mit auf den Weg:

„Am 10. Novem­ber 1938, an Luthers Geburts­tag, bren­nen in Deutsch­land die Syn­ago­gen. Vom deut­schen Vol­ke wird zur Süh­ne für die Ermor­dung des Gesandt­schafts­ra­tes vom Rath durch Juden­hand die Macht der Juden auf wirt­schaft­li­chem Gebie­te im neu­en Deutsch­land end­gül­tig gebro­chen und damit der gott­ge­seg­ne­te Kampf des Füh­rers zur völ­li­gen Befrei­ung unse­res Vol­kes gekrönt…. In die­ser Stun­de muß die Stim­me des Man­nes gehört wer­den, der als der Deut­schen Pro­phet im 16. Jahr­hun­dert aus Unkennt­nis einst als Freund der Juden begann, der, getrie­ben von sei­nem Gewis­sen, getrie­ben von den Erfah­run­gen und der Wirk­lich­keit, der größ­te Anti­se­mit sei­ner Zeit gewor­den ist, der War­ner sei­nes Vol­kes wider die Juden.“47

Infra­ge steht letzt­lich, ob es tat­säch­lich Luthers theo­lo­gi­scher Anti­ju­da­is­mus gewe­sen ist, der ihn – ver­stärkt durch einen wie auch immer erklär­ba­ren per­sön­li­chen Lei­dens­druck – zu sei­nen mani­fest poli­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen For­de­run­gen getrie­ben hat, oder ob nicht viel­leicht Luthers gan­zes christ­li­che Anlie­gen, das in sei­ner anti­se­mi­ti­schen Hetz­schrift von 1543 ihren Höhe­punkt fand, letzt­lich nicht doch vor allem der theo­lo­gisch ver­bräm­te Aus­druck einer bestimm­ten poli­ti­schen, früh­neu­zeit­li­chen Kon­stel­la­ti­on war. Die­se Kon­stel­la­ti­on zeich­ne­te sich dadurch aus, daß sich der Gedan­ke eines in sich sys­te­ma­tisch auf­ge­bau­ten Rechts­kor­pus, des­sen Idee48 sich seit der „päpst­li­chen Revo­lu­ti­on des Hohen Mit­tel­al­ters“ durch­ge­setzt hat­te, mit der Idee eines sou­ve­rä­nen Natio­nal- oder Ter­ri­to­ri­al­staa­tes so zusam­men­ge­schlos­sen haben, daß die Gel­tung eines zwei­ten, kirch­li­chen Rechts­kor­pus und –anspruchs zurück­ge­wie­sen und abge­wehrt wer­den muss­te: Kern jener gesell­schaft­li­chen Revo­lu­ti­on, die die Refor­ma­ti­on dar­stell­te. Sie pos­tu­lier­te wie das kano­ni­sche Recht ein sys­te­ma­ti­sches Rechts­sys­tem, kop­pel­te es frei­lich ent­schlos­sen von allen mora­lisch-theo­lo­gi­schen Vor­ga­ben ab und muss­te daher auch das Recht der Papst­kir­che sys­te­ma­tisch negie­ren.

Obwohl Luther in sei­ner „Zwei Rei­che Leh­re“ einer strik­ten und unüber­brück­ba­ren Kluft zwi­schen dem allein Gott vor­be­hal­te­nen Erbar­men und der unbarm­her­zig frie­dens­si­chern­den Gewalt des Staa­tes das Wort rede­te, sah er sich nicht in der Lage, die poli­ti­schen Kon­se­quen­zen sei­ner Theo­lo­gie des Gewis­sens und des Erbar­mens zu tra­gen. „Usus legis theo­lo­gi­cus“ und „Usus legis poli­ti­cus“ ver­schwim­men end­lich in der Begrün­dung evan­ge­lisch geson­ne­ner Lan­des­herr­schaft. Die Sou­ve­rä­ni­tät die­ser Lan­des­herr­schaft soll sich an ihrem feind­se­li­gen Umgang mit den Juden erwei­sen, auch und gera­de dort, wo sie einem schon erreich­ten Rechts­ni­veau wider­spricht und hin­ter es zurück­fällt.

 

Postscriptum

In einem Kom­men­tar zu einer Ver­an­stal­tung in Ber­lin, in der es um die dunk­len Sei­ten der luthe­ri­schen Refor­ma­ti­on ging, äußer­te sich der Redak­teur von „Christ und Welt“ in einer Wei­se, die dem Ernst des The­mas nicht ange­mes­sen war, von Unkennt­nis nur so strotz­te und daher nicht anders als fahr­läs­sig zu bezeich­nen ist. Thie­le­mann schrieb: „Denn Luthers juden­feind­li­che Schrif­ten wur­den wenig ver­brei­tet und abgelehnt….In spä­te­ren Jahr­hun­der­ten, auch im Drit­ten Reich, waren sei­ne Schrif­ten gegen die Juden daher in der Kir­che fast unbe­kannt. Erst die brau­nen Macht­ha­ber haben die Chris­ten an das ver­ges­se­ne Erbe erin­nert – und Luthers theo­lo­gisch moti­vier­te Juden­feind­schaft zum ras­sis­ti­schen Anti­se­mi­tis­mus umge­deu­tet.“

An die­ser Behaup­tung ist nichts wahr! Ent­ge­gen apo­lo­ge­ti­schen Ver­su­chen, die auch von dem von Thie­le­mann bemüh­ten Pie­tis­mus­for­scher Johan­nes Wall­mann betrie­ben wer­den, läßt sich näm­lich mit Wall­mann zei­gen, daß Luthers Schrif­ten im sieb­zehn­ten, acht­zehn­ten sowie im frü­hen und spä­ten neun­zehn­ten Jahr­hun­dert sehr wohl bekannt waren. Zunächst: daß – wor­auf Wall­mann rich­tig hin­weist – Luthers juden­feind­li­che Schrift von 1543 im Pie­tis­mus abge­lehnt wur­de, belegt doch zunächst nur eines: daß sie näm­lich bekannt war. Dem Göt­tin­ger Refor­ma­ti­ons­his­to­ri­ker Tho­mas Kauf­mann ver­dan­ken wir den Hin­weis, daß ein jüdi­scher Kon­ver­tit die­se The­sen 1738 in sei­ner Schrift „Gesprä­che aus dem Reich der Tod­ten“ kann­te. Im Jah­re 1746, sechs Jah­re spä­ter, starb der Helm­sted­ter Theo­lo­ge und Ori­en­ta­list Her­mann von der Hardt, in des­sen Besitz ein Buch war, in dem er hand­schrift­lich Luthers Juden­schrift erwähn­te. Der ers­te, von Pogro­men beglei­te­te Aus­bruch des moder­nen deut­schen Früh­an­ti­se­mi­tis­mus wird im All­ge­mei­nen – mit den Würz­bur­ger sog. „Hep-Hep“ Unru­hen – auf das Jahr 1819 datiert. Zwei Jah­re zuvor, 1817 erschien ein von einem Anony­mus ver­fass­tes Werk unter dem Titel „Luthers und v. Her­ders Stim­men über die Juden. Nebst einem Epi­log“ sowie dem Unter­ti­tel „Wer Ohren hat zu hören, der höre“ – als Erschei­nungs­ort wird „Deutsch­land“ ange­ge­ben. Drei Jah­re nach den Würz­bur­ger Pogro­men, 1822, publi­zier­te der hass­ver­zerr­te Anti­se­mit H. v.Hundt-Radowsy ein Buch unter dem Titel „Die Juden­schu­le, oder gründ­li­che Anlei­tung, in kur­zer Zeit ein voll­kom­me­ner schwar­zer oder weis­ser Jude zu wer­den von Hart­wig Hundt – Radow­sky, der Ver­fas­ser des Juden­spie­gel“. Als Erschei­nungs­ort und -zeit wird „Jeru­sa­lem, in der neu­en Buch­hand­lung 5582“ ange­ge­ben, auf Luthers juden­feind­li­che Tisch­be­mer­kun­gen nimmt Hundt-Radow­sky u.a. auf den Sei­ten 26 und 163 Bezug. Das Titel­kup­fer des Buches zeigt Kari­ka­tu­ren jüdi­scher Män­ner, die gie­rig an den Zit­zen einer Sau nuckeln. Wie­der­um sech­zehn Jah­re spä­ter, 1838, ver­an­lass­te ein C. Fischer in Leip­zig den Nach­druck von Luthers „Von den Juden und ihren Lügen“. Fünf­und­vier­zig Jah­re danach, 1883, hielt der natio­nal­li­be­ra­le Anti­se­mit Hein­rich von Treit­sch­ke – nach­dem er schon 1880 sei­nen Trak­tat „Noch eini­ge Bemer­kun­gen zur Juden­fra­ge“ publi­ziert hat­te – eine Rede unter dem Titel „Luther und die deut­sche Nati­on“, in der in der Druck­fas­sung , auf Sei­te 484 der gesam­mel­ten Schrif­ten zu lesen ist: „“Wo immer deut­sches und frem­des Volks­thum feind­se­lig auf ein­an­der stößt, da war der Pro­tes­tan­tis­mus all­zeit unser sichers­ter Gren­zen­hü­ter.“ Knapp drei­ßig Jah­re spä­ter, 1910, lan­ge vor dem „brau­nen Macht­ha­bern“, publi­zier­te schließ­lich Theo­dor Fritsch sein berüch­tig­tes „Hand­buch zur Juden­fra­ge“. In die­ser Hetz­schrift bezieht sich Fritsch etwa zwan­zig Mal auf Mar­tin Luther. Mit die­sem weit­ver­brei­te­ten Pam­phlet war Luthers Juden­schrift von 1543 nach mehr als drei­hun­dert Jah­ren in ihr Eige­nes gekom­men.

Indes: sogar, wenn man nicht von einer unge­bro­che­nen Über­lie­fe­rung aus­geht, son­dern eine „Spät­da­tie­rung“ seit dem frü­hen neun­zehn­ten Jahr­hun­dert für bes­ser begrün­det hält, führt nichts an der Ein­sicht vor­bei, daß der moder­ne, eli­mi­na­to­ri­sche Anti­se­mi­tis­mus in Luther einen sei­ner wich­tigs­ten Zeu­gen gefun­den hat. Das alles hat mit irgend­wel­chen „brau­nen Macht­ha­bern“ – Thie­le­mann meint ver­mut­lich jene evan­ge­li­schen Pfar­rer und Bischö­fe, die sich den „Deut­schen Chris­ten“ ange­schlos­sen haben – gera­de soviel zu tun, als daß sie alle ihren Luther nur zu gut ver­stan­den haben. Wenn Mar­tin Luther für etwas stand, dann doch dafür, auf­rich­tig zu sein und beharr­lich für das ein­zu­tre­ten, was er sag­te. War­um soll­te das mit Blick auf die Juden anders gewe­sen sein?

 

Zuletzt ver­öf­fent­licht auf den Sei­ten der Aka­de­mie der Nord­kir­che.

  1.   Zitiert nach Th. Kauf­mann, Luthers „Juden­schrif­ten“,. Ein Bei­trag zu ihrer his­to­ri­schen Kon­tex­tua­li­sie­rung, Tübin­gen 2011, S. 144
  2.  A.a.O. S.145
  3.   A.a.O. S. 140
  4.  A.a.O. S. 157
  5.  Vgl. Q. Skin­ner, The Foun­da­ti­ons of modern poli­ti­cal Thought, Vol. Two, The Age of Refor­ma­ti­on, Cam­bridge 1978, S. 3 – 108
  6.   M.Luther, An den christ­li­chen Adel deut­scher Nati­on, in: K. Aland (Hg.) Luther Deutsch. Die Wer­ke Luthers in Aus­wahl, 2: Der Refor­ma­tor, Göt­tin­gen 1991, S. 163
  7.   M. Luther, Wider die räu­be­ri­schen und mör­de­ri­schen Rot­ten der Bau­ern, in: : K. Aland (Hg.) Luther Deutsch. Die Wer­ke Luthers in Aus­wahl, 7:, Der Christ in der Welt, Göt­tin­gen 1991, S. 192
  8.  A.a.O. S. 209; vgl. E.-W.Böckenförde, Geschich­te der Rechts- und Staatsphilosophie.Antike und Mit­tel­al­ter, Tübin­gen 2006, S. 407 – 412
  9.  A.a.O.
  10.  M. Luther, Wider die räu­be­ri­schen und mör­de­ri­schen Rot­ten der Bau­ern, in: : K. Aland (Hg.) Luther Deutsch. Die Wer­ke Luthers in Aus­wahl, 7, Göt­tin­gen 1991, S. 199
  11.  K. Aland (Hg.) Luther Deutsch. Die Wer­ke Luthers in Aus­wahl, 9:, Die Tisch­re­den, Göt­tin­gen 1991, S. 180
  12.  WA 11, 262, 7/8
  13.  Böcken­för­de S. 422
  14.  D.Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen, erst­mals gedruckt zu Wit­ten­berg. Durch Hans Lufft. M.D.XLIII
  15.  A.a.O. S. 8
  16. A.a.O.
  17. A.a.O. S. 9
  18. A.a.O.
  19.  . A.a.O. S. 10
  20.  A.a.O.
  21.  . A.a.O. S. 11
  22.  A.a.O. S. 16, vgl. dazu auch: Th.Kaufmann, „Türcken­büch­lein“. Zur christ­li­chen Wahr­neh­mung „tür­ki­scher Reli­gi­on“ in Spät­mit­tel­al­ter und Refor­ma­ti­on, Göt­tin­gen 2008
  23.  A.a.O. S. 18
  24.  A.a.O. S. 13
  25. A.a.O.

  26.  A.a.O.
  27.  A.a.O. S. 5.
  28.  A.a.O. S. 5
  29.  In K. Aland (Hg.) Luther Deutsch. Die Wer­ke­Luthers in Aus­wahl, Bd. 7: Der Christ in der Welt, Göt­tin­gen 1991, S. 264
  30.  A.a.O.
  31.   A.a.O. S. 282
  32. H. Ober­man, Die Juden in Luthers Sicht, in: H.Kremers (Hrsg.) Die Juden und Mar­tin Luther.Martin Luther und die Juden, Neu­kir­chen-Vluyn 1985, S. 138
  33.  Vgl. H. Kel­len­benz, Die Juden in der Wirt­schafts­ge­schich­te des rhei­ni­schen Rau­mes, in: K. Schil­ling (Hrsg.) Monu­men­ta Judai­ca. 2000 Jah­re Geschich­te und Kul­tur der Juden am Rhein, Köln 1963, S, 224 f.
  34.   Zitiert nach: K. Dep­per­mann, Juden­haß und Juden­freund­schaft im frü­hen Pro­tes­tan­tis­mus, in. B. Martin/E. Schul­in, (Hrgs.) Die Juden als Min­der­heit in der Geschich­te, Mün­chen 1985, S. 113
  35.  H.H. Ben Sas­son, Im zwei­fel­haf­ten Schutz des Kai­sers, in: G. Stem­ber­ger (Hrsg.,) Die Juden. Ein his­to­ri­sches Lese­buch, Mün­chen 1990, S. 146
  36.  K. Dep­per­mann, Juden­haß und Juden­freund­schaft im frü­hen Pro­tes­tan­tis­mus, in. B. Martin/E. Schul­in, (Hrgs.) Die Juden als Min­der­heit in der Geschich­te, Mün­chen 1985, S. 112
  37.  I. Elbo­gen, Geschich­te der Juden in Deutsch­land, Berln 1935, S. 115
  38.  Speye­rer Juden­ord­nung von 1544, http://​www​.his​to​ri​cum​.net/​t​h​e​m​e​n​/​r​e​f​o​r​m​a​t​i​o​n​/​r​e​f​o​r​m​a​t​i​o​n​p​o​l​i​t​i​k​g​e​s​c​h​i​c​h​t​l​i​c​h​/​d​a​s​-​r​e​i​c​h​-​r​a​h​m​e​n​b​e​d​i​n​g​u​n​g​e​n​/​1​g​-​r​e​i​c​h​s​s​t​a​e​d​te/  vom 5.11. 2012
  39.  H.Klueting, Das Kon­fes­sio­nel­le Zeit­al­ter 1525 – 1648, Stutt­gart 1989, S.64
  40.  M.Luther, Von den Juden a.a.O. S. 13
  41.  A.a. O. S. 10
  42.  G. Agam­ben, Homo Sacer. Die sou­ve­rä­ne Macht und das nack­te Leben, Ffm. 2002
  43.  A.a.O. S. 93
  44.   J. Bodin, Trai­te de la demo­no­ma­nie des sor­ciers, in der deut­schen Über­set­zung von Johann Fisch­art, in: G. Becker u.a. (Hrsg.) Aus der Zeit der Ver­zweif­lung. Zur Gene­se und Aktau­li­tät des Hexen­bil­des, Ffm. 1977, S. 374 – 385; C. Hon­eg­ger (Hrsg.) Die Hexen der Neu­zeit. Stu­di­en zur Sozi­al­ge­schich­te eines kul­tu­rel­len Deu­tungs­mus­ters, Ffm. 1978, S. 94 – 102; C.Opitz-Belakhal, Das Uni­ver­sum des Jean Bodin. Staats­bil­dung, Macht und Geschlecht im 16. Jahr­hun­derrt, Ffm. 2006
  45.  A.a.O. S. 18
  46.  Kauf­mann a.a.O. S. 158/159
  47.   Zitiert nach W. Ger­lach, „Daß man ihre Syn­ago­gen ver­bren­ne“. Luthers Anti­ju­da­is­mus und sei­ne Erben, in: C. Staf­fa (Hrsg.) Vom Pro­tes­tan­ti­schen Anti­ju­da­is­mus und sei­nen Lügen, Mag­de­burg 1993, S. 45
  48.  Vgl. H. Ber­man, Recht und Revo­lu­ti­on, Ffm.1991
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Micha Brumlik

Prof. Dr. Micha Brumlik ist Erziehungswissenschaftler und Publizist. Er ist gegenwärtig »Senior Advisor« am Zentrum jüdische Studien Berlin /Brandenburg und Mitherausgeber von »Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart«; letzte Buchpublikation: Wann, wenn nicht jetzt. Versuch über die Gegenwart des Judentums, Berlin 2015. Geboren 1947 in Davos, Schweiz, lebt heute in Berlin. Nach einem Studium der Pädagogik und Philosophie in Jerusalem und Frankfurt/Main war er wissenschaftlicher Assistent der Pädagogik in Göttingen und Mainz, danach Assistenzprofessor in Hamburg. Von 1981 bis 2000 lehrte er Erziehungswissenschaft an der Universität Heidelberg. Von 2000-2013 Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt »Theorie der Erziehung und Bildung«. Daneben leitete er von Oktober 2000 bis 2005 als Direktor das Fritz Bauer Institut, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in Frankfurt am Main. Forschungsschwerpunkte: Pädagogik, Ethik, Theorie und Empirie moralischer Sozialisation, Religionsphilosophie. Weitere Informationen finden sich auch auf michabrumlik.de.

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