Nachruf auf Avital Ben-Chorin 1923 – 2017: Ein Leben für den Dialog zwischen Juden und Christen, Israel und Deutschland

Avital Ben Chorin

Avi­tal Ben-Cho­rin, geb. am 25. Febru­ar 1923 in Eisen­ach als Eri­ka Facken­heim, ver­starb am 6. Okto­ber 2017 in Isra­el im Krei­se ihrer Fami­lie. Die Mit­be­grün­de­rin des deutsch- israe­li­schen wie christ­li­chen-jüdi­schen Dia­logs zwi­schen Deutsch­land und Isra­el wur­de 94 Jah­re alt. Ihre letz­te Ruhe­stät­te fin­det sie in ihrem gelieb­ten Jeru­sa­lem neben ihrem Mann sel. A., dem Schrift­stel­ler und Reli­gi­ons­phi­lo­so­phen, Scha­lom Ben-Cho­rin (1913-1999).

Zu Avi­tals Fami­lie gehö­ren der Sohn von Scha­lom Ben-Cho­rin, Rab­bi­ner Tovia Ben- Cho­rin, ihre Toch­ter, Arie­la Kim­chi, vier Enkel und fünf Uren­kel.

Avi­tal gehör­te zu den Pio­nie­ren der israe­li­schen Bewe­gung des libe­ra­len Juden­tums, und grün­de­te zusam­men mit ihrem Mann die ers­te Reform­syn­ago­ge in Isra­el: Har-El in Jeru­sa­lem.

Ab 1933 wur­de Eri­ka Facken­heim aktiv im zio­nis­ti­schen Jüdi­schen Pfad­fin­der­bund. Der Anti­se­mi­tis­mus der Nazis moti­vier­te sie 1936 ohne ihre Eltern mit der Jugend-Aliya nach Eretz Isra­el (Paläs­ti­na) aus­zu­wan­dern.

Avi­tal Ben-Cho­rin war das ein­zi­ge Kind von Alfred und Her­ta Facken­heim sel. A.. Ihr Groß­va­ter Dr. Juli­us Facken­heim sel. A. war ein ange­se­he­ner Eisen­acher Arzt. Kei­ner von ihnen über­leb­te die Sho­ah.

Ein unglaub­li­ches Drei­vier­tel Jahr­hun­dert leb­te Avi­tal Ben-Cho­rin in Jeru­sa­lem. Sie stu­dier­te Päd­ago­gik am Leh­rer­se­mi­nar und knüpf­te viel­fäl­ti­ge lite­ra­ri­sche Kon­tak­te, unter ande­rem zu Max Brod, Mar­tin Buber, Lola Land­au, Else Las­ker-Schü­ler und Arnold Zweig.

1943 hei­ra­te­te sie Scha­lom Ben-Cho­rin. In beson­de­rer Wei­se trug sie zum lite­ra­ri­schen, theo­lo­gi­schen und reli­gi­ons­phi­lo­so­phi­schen Lebens­werk ihres Ehe­man­nes bei.

1956 besuch­te Avi­tal Ben-Cho­rin erst­mals nach ihrer erzwun­ge­nen Aliya 1936 wie­der Deutsch­land. Unzäh­li­ge Besu­che folg­ten in den fol­gen­den sechs Jahr­zehn­ten, anfangs als Beglei­tung ihres Ehe­manns zu Vor­trä­gen in ganz Deutsch­land, spä­ter trug sie mit ihren eige­nen Ide­en zum israe­lisch-deut­schen und jüdisch-christ­li­chen Dia­log im Kon­text ihrer eige­nen Lebens­er­fah­run­gen bei, mit Schul­kin­dern, Wis­sen­schaft­lern, reli­giö­sen und poli­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen und ande­ren.

Avi­tal und Scha­lom Ben-Cho­rin lei­te­ten die ers­ten offi­zi­el­len israe­li­schen Jugend- dele­ga­tio­nen nach Deutsch­land, und began­nen damit die ers­ten Schrit­te zum Brü­cken­bau durch den mitt­ler­wei­le fest eta­blier­ten israe­lisch-deut­schen Jugend­aus- tausch.

Die Bucht von Hai­fa war das ers­te, was die 13-jäh­ri­ge Eri­ka Facken­heim von Eretz Isra­el sah, als sie mit der Kin­der-Aliya am 28. April 1936 vom Schiff in Hai­fa das damals bri­ti­sche Man­dats­ge­biet Paläs­ti­na betrat. Im Ver­gleich zu heu­te sei die Bucht wüst und leer gewe­sen erzähl­te sie Besu­chen­den von ihren ers­ten Ein­drü­cken und ers­ten Jah­ren im Kin­der- und Jugend­heim „Aha­wah“ bei Hai­fa.

Für Avi­tal Ben-Cho­rin schloss sich mit ihrem Tod in Hai­fa am 6. Okto­ber 2017 ein Kreis vom ers­ten zum letz­ten Tag in Eretz Isra­el.

Am Schab­bat­a­bend zu ster­ben gilt im Juden­tum als „Tod der Gerech­ten“, umso mehr wäh­rend eines Fei­er­tags wie Suk­kot.

Ihr gan­zes Leben lang bis in ihre letz­ten Tage moti­vier­te Avi­tal regel­mä­ßig zum Dia­log durch unzäh­li­ge Vor­trä­ge und Gesprä­che mit deutsch­spra­chi­gen Frei­wil­li­gen u.a. der Akti­on Süh­ne­zei­chen, der Brü­cken­bau­er (Diens­te in Isra­el) oder von „Neve Han­nah“, Stu­die­ren­den und Besu­cher­grup­pen.

Wer ihr begeg­nen durf­te erin­nert sich dank­bar an die­se lang nach­wir­ken­de Begeg­nung mit die­ser jung geblie­be­nen, wie ein Mensch ohne Alter wir­ken­den, stets ele­gan­ten Grand Dame des Dia­logs.

Eine wun­der­ba­re groß­her­zi­ge Mut­ter, Oma, Uroma, Gesprächs­part­ne­rin, Brü­cken­baue­rin und Freun­din hat uns ver­las­sen.


Auf Wunsch von Avi­tal Ben-Cho­rins Fami­lie bit­ten wir ihr zu Ehren und zur Erin­ne­rung an Avi­tal und Scha­lom Ben- Cho­rin um eine Spen­de zuguns­ten von „She­vach“, dem Scha­lom-Ben-Cho­rin- Insti­tut.

She­vach“ möch­te das für sei­ne Zeit inno­va­ti­ve und visio­nä­re Den­ken und Han­deln als Ver­mächt­nis leben­dig hal­ten. Im Fokus ste­hen dabei der jüdisch-christ­li­che wie deutsch-israe­li­sche Dia­log sowie die Grün­dung der jüdi­schen Reform­be­we­gung im Land Isra­el.

She­vach“ ist eine Initia­ti­ve von Rab­bi­ner Golan Ben-Cho­rin, dem Direk­tor des Isra­el Pro­gramms des Leo Baeck Col­le­ge, Enkel von Scha­lom Ben-Cho­rin und Sohn von Rab­bi­ner Tovia Ben-Cho­rin.

Steu­er­be­güns­tig­te Spen­den für die­se Initia­ti­ve wer­den erbe­ten auf das Spen­den­kon­to der Gesell­schaft für Christ­lich- Jüdi­sche Zusam­men­ar­beit in Schles­wig- Hol­stein e.V.:

Spen­den­kon­to

Emp­fän­ger: GCJZ SH e.V. (Gesell­schaft für Christ­lich-Jüdi­sche Zusam­men­ar­beit in Schles­wig-Hol­stein e.V.), Bank: För­de­spar­kas­se, IBAN: DE74 21050170 0000 358601, BIC: NOLADE21KIE, Stich­wort: Avi­tal Ben-Cho­rin

Spen­den bis zu 200 Euro kön­nen ohne amt­li­che Spen­den­quit­tung mit dem Ein­zah­lungs­be­leg der Über­wei­sung beim Finanz­amt ein­ge­reicht wer­den. Für Zuwen­dungs­be­schei­ni­gung bit­te E- Mail­adres­se ange­ben.

Kon­takt: Ben-Chorin-Freundeskreis@begegnen.info

© Ben-Cho­rin-Freun­des­kreis

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