Jüdisch-christlicher Dialog und das Studium der Evangelischen Theologie bzw. Religion in Deutschland

Ergebnisse einer Analyse der Studien- und Prüfungsordnungen für das Pfarramts- und Lehramtsstudium in Bezug auf jüdische und/oder jüdisch-christliche Lehrinhalte

Julia Niko­laus, Marie Hecke, Bernd Schrö­der

 

Inhalt

1.Einleitung
2. Stu­di­en­de­sign
3. Ergeb­nis­se
4. Quint­essen­zen
5. Down­loads: Ergeb­nis­se im Detail

 

1. Einleitung

1.1 Genese der Studie

Die Ver­wur­ze­lung des Chris­ten­tums im anti­ken Isra­el wie im ent­ste­hen­den Juden­tum und das Jude-Sein Jesu sind zwei his­to­risch gege­be­ne, maß­geb­li­che Aus­gangpunk­te christ­li­cher Theo­lo­gie; von ihnen steht sie unwei­ger­lich vor der Auf­ga­be ihrer Ver­hält­nis­be­stim­mung zum Juden­tum. Nach Jahr­hun­der­ten, in denen die­se Bestim­mung von Sub­sti­tu­ti­ons­theo­lo­gie und Anti­ju­da­is­mus geprägt war, geht es seit der Scho­ah um eine Erneue­rung des Ver­hält­nis­ses zum Juden­tum im Geist der Wert­schät­zung und des Dia­logs, um eine Selbst­aus­le­gung des Chris­ten­tums im Gespräch mit dem his­to­ri­schen wie dem gegen­wär­ti­gen Juden­tum.

Ein sol­ches Gespräch ist vor­aus­set­zungs­reich: Es erfor­dert nicht zuletzt kun­di­ge Gesprächspartner_innen auf bei­den Sei­ten, die in der Lage und bereit sind, in bestehen­de Gesprächs­zu­sam­men­hän­ge ein­zu­tau­chen und ggf. neue Gesprächs­fä­den zu knüp­fen, The­men ein­zu­brin­gen, For­ma­te aus­zu­pro­bie­ren. Das wie­der­um setzt in der Regel vor­aus, dass jemand durch eige­ne Erfah­run­gen einen exis­ten­ti­el­len Bezug zum christ­lich-jüdi­schen Dia­log auf­bau­en konn­te und die­sem The­men­feld in der eige­nen (Bildungs-)Biografie einen Platz zuer­kennt.

Von die­ser ele­men­ta­ren Ein­sicht her liegt es nahe, nach dem Stel­len­wert der The­ma­tik in den Aus­bil­dungs­gän­gen zukünf­ti­ger Multiplikator_innen zu fra­gen. Auf christ­li­cher, spe­zi­el­ler: evan­ge­li­scher Sei­te sind dies – nicht aus­schließ­lich, aber doch vor allem – Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer sowie Reli­gi­ons­leh­re­rin­nen und Reli­gi­ons­leh­rer aller Schul­for­men, die mit ihrer gemeind­li­chen Arbeit bzw. ihrem ihrem Unter­richt eine enor­me Brei­ten­wir­kung erzie­len.1

In Anbe­tracht des­sen ergriff die „Arbeits­ge­mein­schaft Juden und Chris­ten beim Deut­schen Evan­ge­li­schen Kir­chen­tag (DEKT)“ im Herbst 2015 die Initia­ti­ve, den Stel­len­wert jüdi­scher und/oder jüdisch-christ­li­cher Lehr­in­hal­te in den Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen für das Theo­lo­gie­stu­di­um mit dem Berufs­ziel „Pfarr­amt“ oder „Religionslehrer_in“ unter­su­chen zu las­sen. Die AG warb bei eini­gen Lan­des­kir­chen – Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che in Bay­ern (EKiB), Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­ver, Evan­ge­li­sche Kir­che in  Mit­tel­deutsch­land (EKM), Evan­ge­lisch-Luthe­ri­sche Kir­che in Nord­deutsch­land (Nord­kir­che) und Evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che in Würt­tem­berg – sowie bei der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie Ber­lin Mit­tel ein, mit deren Hil­fe eine stu­den­ti­sche Hilfs­kraft, Julia Niko­laus, gewon­nen wer­den konn­te, die in Zusam­men­ar­beit mit Marie Hecke und Prof. Dr. Bernd Schrö­der, alle Göt­tin­gen, ein Kon­zept für die Daten­er­he­bung ent­wi­ckel­te und die kri­te­ri­en­ge­lei­te­te Aus­wer­tung der Home­pages, Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen vor­nahm.2 Die Pro­jekt­lauf­zeit war auf ein Jahr ange­legt (2/2016 – 1/2017), die Fül­le der Stu­di­en­re­ge­lun­gen im Lehr­amts­be­reich ließ jedoch eine Aus­wei­tung um wei­te­re drei Mona­te erfor­der­lich wer­den.

 

1.2 Fragestellung der Studie

Die The­men­stel­lung setz­te eine dop­pel­te Fra­ge­rich­tung frei: Der ana­ly­ti­sche Teil der Auf­ga­be stand  unter fol­gen­der Fra­ge: In wel­chem Umfang, mit wel­chem Grad an Ver­bind­lich­keit und anhand wel­cher Inhal­te wer­den im Stu­di­um evan­ge­li­scher Theo­lo­gie „Juden­tum“ und vor allem „Jüdisch-christ­li­ches Ver­hält­nis“ the­ma­ti­siert?

Dane­ben rück­te ein pro­spek­ti­ver Auf­trag unter der Leit­fra­ge: Wie las­sen sich die The­men­krei­se „Juden­tum / Jüdisch-christ­li­ches Ver­hält­nis“ umfang­rei­cher und v.a. nach­hal­ti­ger in Pfarr­amts- und Lehr­amts­stu­di­en­gän­gen ver­an­kern?

Die Unter­su­chung bezieht sich näher­hin

  • auf die­je­ni­gen Stu­di­en­gän­ge im Fach Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie, die in der Regel gewählt wer­den, um spä­ter den Beruf der Pfar­re­rin bzw. des Pfar­rers oder den­je­ni­gen des Reli­gi­ons­leh­rers bzw. der Reli­gi­ons­leh­re­rin zu ergrei­fen (Pfarr­amts- und Reli­gi­ons­lehr­amts­stu­di­um),
  • auf Stu­di­en­gän­ge, die sowohl von den 19 Evan­ge­lisch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten und den zwei Kirch­li­chen Hoch­schu­len3 als auch von den 34 „Insti­tu­ten für Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie“4 (d.h. uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen mit i.d.R. 2-3 Pro­fes­su­ren, die orga­ni­sa­to­risch in Phi­lo­so­phi­schen, Erzie­hungs­wis­sen­schaft­li­chen, Kul­tur­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tä­ten ange­sie­delt sind und in der Regel aus­schließ­lich Lehr­amts­stu­di­en­gän­ge unter­hal­ten) in Deutsch­land ange­bo­ten wer­den (Fakul­tä­ten und Insti­tu­te),
  • unter den vie­len Lehr­amts­stu­di­en­gän­gen, die dif­fe­ren­ziert auf För­der-, Grund-, Haupt-, Real- und Gesamt­schu­len (z.T. auch sum­ma­risch auf die Sekun­dar­stu­fe I), zudem auf Gym­na­si­en sowie Berufs­bil­den­de Schu­len zie­len, exem­pla­risch auf das Lehr­amt an Grund­schu­len und auf das­je­ni­ge an Gym­na­si­en / Gesamt­schu­len. Auf die­se Wei­se war ein Stu­di­en­gang mit hohem fach­be­zo­ge­nen Stu­di­en­an­teil (ca. 100 Credits, die 3.000 Arbeits­stun­den ent­spre­chen, ggf. zzgl. Bache­lor und/oder Mas­ter­ar­beit) und ein Stu­di­en­gang mit nied­ri­gem fach­be­zo­ge­nen Stu­di­en­an­teil (ca. 30 Credits, die 900 Arbeits­stun­den ent­spre­chen) in die Ana­ly­se ein­be­zo­gen (Lehr­amt Grund­schu­le und Gymnasium/Gesamtschule).5

Ein­be­zo­gen wur­den aus­schließ­lich öffent­lich zugäng­li­che Mate­ria­li­en (Posi­ti­ons­pa­pie­re der Lan­des­kir­chen, Stu­di­en­ord­nun­gen, Vor­le­sungs­ver­zeich­nis­se u.ä.); die ein­zel­nen Stu­di­en­stand­or­te wur­den nicht um Aus­künf­te gebe­ten – dies hät­te den erfor­der­li­chen Auf­wand ver­viel­facht und wäre nicht zu leis­ten gewe­sen.

 

1.3 Rahmenbedingungen

Um die Befun­de ein­zu­ord­nen und zugleich eine Schwie­rig­keit vor Augen zu stel­len, die sich ergibt, wenn ein The­men­ge­biet wie hier etwa „Juden­tum / jüdisch-christ­li­cher Dia­log“ stär­ker als bis­lang in Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen Berück­sich­ti­gung fin­den soll, muss kurz auf die Rah­men­re­ge­lun­gen ver­wie­sen wer­den, die – je nach Stu­di­en­gang – die Pro­gram­me aller Stand­or­te, sei­en es Fakul­tä­ten, sei­en es Insti­tu­te steu­ern bzw. ihrer Gestal­tungs­frei­heit Gren­zen set­zen, um bun­des­weit ein­heit­li­che Qua­li­fi­ka­ti­ons­stan­dards anzu­bah­nen.

 

1.3.1      Pfarramtsstudium

Im Fal­le des Pfarr­amts­stu­di­ums stam­men sol­che Rege­lun­gen aus vier ver­schie­de­nen Quel­len:

Ers­tens unter­liegt das Theo­lo­gie­stu­di­um den for­ma­len Regeln, die auf der Ebe­ne eines Agree­ments der Wissenschaftsminister_innen inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on für alle Stu­di­en­gän­ge im sog. Euro­päi­schen Hoch­schul­raum gel­ten und im Wesent­li­chen auf die sog. Bolo­gna-Erklä­rung  von 1999 zurück­ge­hen; dazu zäh­len etwa Fest­le­gun­gen zum Volu­men eines Stu­di­ums (300 Credits bzw. Leis­tungs­punk­te), zu des­sen Struk­tur (Modu­le mit Inhalts- und Kom­pe­tenz­be­schrei­bun­gen) und zu Prü­fungs­for­ma­ten (wobei die Kir­chen die Über­nah­me von Bache­lor- und Mas­ter­prü­fun­gen von Anfang an abge­lehnt und statt­des­sen i.d.R. Zwi­schen­prü­fung und kirch­li­ches Examen bei­be­hal­ten haben).6

Zwei­tens ist das Pfarr­amts­stu­di­um regu­liert durch Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Kir­chen und Fakul­tä­ten auf EKD-Ebe­ne7 – aus­ge­han­delt in der sog. Fach­kom­mis­si­on I der Gemisch­ten Kom­mis­si­on, und beschlos­sen auf dem „Evan­ge­lisch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten­tag“ (E-TFT) sowie von der Kir­chen­kon­fe­renz.

Drit­tens stellt jede ein­zel­ne Lan­des­kir­che in Deutsch­land Regeln für das Examen (Ers­tes Theo­lo­gi­sche Examen, ers­te theo­lo­gi­sche Dienst­prü­fung, Kirch­li­ches Examen) auf, das zum Ein­tritt in den kirch­li­chen Vor­be­rei­tungs­dienst befä­higt. Die­se Prü­fungs­ord­nun­gen setz­ten ein ord­nungs­ge­mä­ßes Stu­di­um nach der Stu­di­en­ord­nung des jewei­li­gen Stu­di­en­stand­or­tes vor­aus, kön­nen aber durch­aus eige­ne Akzen­te set­zen. Die­se Prü­fungs­ord­nun­gen des (landes-)kirchlichen Examens lie­gen in allein kirch­li­cher Ver­ant­wor­tung.

Schließ­lich haben vier­tens die ein­zel­nen Fakul­tä­ten und ihre Mit­glie­der die Mög­lich­keit, in Ent­spre­chung zu den bis­her genann­ten Rege­lun­gen die jewei­li­gen Prü­fungs- und Stu­di­en­ord­nun­gen zu bestim­men und zudem in jedem Semes­ter aufs Neue Lehr­ver­an­stal­tun­gen zu kon­zi­pie­ren, die die vor­ge­se­he­nen Inhal­te, Metho­den und Kom­pe­ten­zen erschlie­ßen.

Um ein Bei­spiel hier auf­zu­ru­fen: Die „Emp­feh­lun­gen der Gemisch­ten Kom­mis­si­on / Fach­kom­mis­si­on I für den Stu­di­en­gang Ev. Theo­lo­gie“ (2008) schrei­ben vor, dass ein Pfarr­amts­stu­di­um

  • den Erwerb der sog. alten Spra­chen (Latein, Alt­grie­chisch, Bibli­sches Hebrä­isch),
  • ein Grund­stu­di­um aus 7 Basis­mo­du­len (Pro­pä­deu­tik + AT, NT, KG, ST, PT + Inter­dis­zi­pli­nä­res) und 2 Wahl­mo­du­len (aus den Berei­chen „Phi­lo­so­phie“ und „Reli­gi­ons­wis­sen­schaft und Mis­si­ons­wis­sen­schaft bzw. Inter­kul­tu­rel­le Theo­lo­gie“),
  • ein Haupt­stu­di­um aus 6 Auf­bau­mo­du­len (AT, NT, KG, ST, PT + Inter­dis­zi­pli­nä­res), sowie
  • eine Inte­gra­ti­ons- und Examens­pha­se mit jeweils fixen Leis­tungs­punk­ten umfasst.8 Die­se Maß­ga­be ist für alle Fakul­tä­ten und Kirch­li­chen Hoch­schu­len ver­bind­lich.

Im Blick auf unse­re The­ma­tik ist in die­sem Rah­men die Grund­satz­ent­schei­dung getrof­fen wor­den, das Ver­hält­nis des Chris­ten­tums zum  Juden­tum als sog. Quer­schnitts­the­ma­tik zu ver­ste­hen. Dem­entspre­chend heißt es etwa in der „Über­sicht über die Gegen­stän­de des theo­lo­gi­schen Stu­di­ums“ (2012): „In allen theo­lo­gi­schen Fächern sind als beson­de­re The­men­schwer­punk­te zu berück­sich­ti­gen: Chris­ten­tum und Juden­tum, Gen­der­for­schung, Öku­me­ne.“9 2005 – 2013, hg. von Micha­el Beint­ker und Micha­el Wöl­ler, Leip­zig 2014 (s.o. Anm. 7), 103-108, hier 107.]

 

1.3.2 Lehramtsstudium

Im Fal­le des Lehr­amts­stu­di­ums stam­men sol­che Rege­lun­gen sogar aus fünf ver­schie­de­nen Quel­len:

Ers­tens unter­liegt auch das Lehr­amts­stu­di­um aller Fächer den for­ma­len Regeln, die im sog. Euro­päi­schen Hoch­schul­raum gel­ten und im Wesent­li­chen auf die sog. Bolo­gna-Erklä­rung  von 1999 zurück­ge­hen (s.o.).

Zwei­tens ist das Lehr­amts­stu­di­um regu­liert durch Ver­ein­ba­run­gen der Kon­fe­renz der Kultusminister_innen der Län­der (KMK) für die Lehrer_innenbildung.10

Drit­tens bestehen Rah­men­ver­ein­ba­run­gen für die Reli­gi­onslehrer_innenbildung zwi­schen Kir­chen und Fakul­tä­ten bzw. Insti­tu­ten auf EKD-Ebe­ne – aus­ge­han­delt in der sog. Fach­kom­mis­si­on II der Gemisch­ten Kom­mis­si­on, und beschlos­sen auf der „Kon­fe­renz der Insti­tu­te für Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie“ (KIET), dem „Evan­ge­lisch-Theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten­tag“ (E-TFT)und der Kir­chen­kon­fe­renz.11

Vier­tens bestehen zumin­dest in eini­gen Bun­des­län­dern wie etwa in Bay­ern und Sach­sen allein staat­li­che Rege­lun­gen für das Ers­te Staats­ex­amen, mit dem das Lehr­amts­stu­di­um abzu­schlie­ßen ist, wenn jemand in den Vor­be­rei­tungs­dienst (Refe­ren­da­ri­at) auf­ge­nom­men wer­den möch­te..

Schließ­lich haben fünf­tens auch hier die ein­zel­nen Fakul­tä­ten bzw. Insti­tu­te und deren Mit­glie­der die Mög­lich­keit, in Ent­spre­chung zu den bis­her genann­ten Rege­lun­gen die jewei­li­gen Prü­fungs- und Stu­di­en­ord­nun­gen zu bestim­men und zudem in jedem Semes­ter aufs Neue Lehr­ver­an­stal­tun­gen zu kon­zi­pie­ren.

Um auch hier ein Bei­spiel auf­zu­ru­fen: Die „Emp­feh­lun­gen der Gemisch­ten Kom­mis­si­on / Fach­kom­mis­si­on II für die Reli­gi­ons­leh­rer­aus­bil­dung m.d.T. „Theo­lo­gisch-Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Kom­pe­tenz“ (2008) sehen für den „Auf­bau pro­fes­sio­nel­ler Hand­lungs­kom­pe­tenz“ von Leh­ren­den ein „Struk­tur- und Ent­wick­lungs­mo­dell“ vor, das zwölf Kom­pe­ten­zen in den Vor­der­grund stellt. Dort heißt es etwa:

Die Leit­kom­pe­tenz ‚theo­lo­gisch-reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Kom­pe­tenz‘ lässt sich vor dem Hin­ter­grund der fach­spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen des Berufs­fel­des in fünf grund­le­gen­den Kom­pe­ten­zen ent­fal­ten, denen zwölf Teil­kom­pe­ten­zen (TK) zuge­ord­net sind.

I. Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Refle­xi­ons­kom­pe­tenz

  • TK 1: Fähig­keit zur Refle­xi­on der eige­nen Reli­gio­si­tät und der Berufs­rol­le
  • TK 2: Fähig­keit, zum eige­nen Han­deln in eine refle­xi­ve Distanz zu tre­ten

II. Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Gestal­tungs­kom­pe­tenz

  • TK 3: Fähig­keit zur theo­lo­gisch und reli­gi­ons­di­dak­tisch sach­ge­mä­ßen Erschlie­ßung zen­tra­ler The­men des Reli­gi­ons­un­ter­richts und zur Gestal­tung von Lehr- und Lern­pro­zes­sen
  • TK 4: Erzie­he­ri­sche Gestal­tungs­kom­pe­tenz
  • TK 5: Fähig­keit zur reli­gi­ons­di­dak­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit ande­ren kon­fes­sio­nel­len, reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Lebens- und Denk­for­men
  • TK 6: Fähig­keit zur Inter­pre­ta­ti­on und didak­ti­schen Ent­schlüs­se­lung reli­giö­ser Aspek­te der Gegen­warts­kul­tur
  • TK 7: Wis­sen­schafts­me­tho­di­sche und medi­en­ana­ly­ti­sche Kom­pe­tenz
  • TK 8: Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Metho­den- und Medi­en­kom­pe­tenz

III. Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche För­der­kom­pe­tenz

  • TK 9: Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Wahr­neh­mungs- und Dia­gno­se­kom­pe­tenz
  • TK 10: Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Bera­tungs- und Beur­tei­lungs­kom­pe­tenz

IV. Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Ent­wick­lungs­kom­pe­tenz

V. Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Dia­log- und Dis­kurs­kom­pe­tenz

  • TK 11: Inter­kon­fes­sio­nel­le und inter­re­li­giö­se Dia­log- und Koope­ra­ti­ons­kom­pe­tenz
  • TK 12: Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Dis­kurs­kom­pe­tenz“.12

Unter die­sen Kom­pe­ten­zen bie­ten eini­ge schon auf den ers­ten Blick Anschluss­mög­lich­kei­ten für die The­ma­ti­sie­rung des Juden­tums und des jüdisch-christ­li­chen Ver­hält­nis­ses – so etwa die Teil­kom­pe­ten­zen 3 (Erschlie­ßung zen­tra­ler The­men“), 5 („Aus­ein­an­der­set­zung mit ande­ren […] reli­giö­sen […] Lebens- und Denk­for­men“) und 11 („[…] inter­re­li­giö­se Dia­log- und Koope­ra­ti­ons­kom­pe­tenz“). Aller­dings wird in kei­ner die­ser Kom­pe­ten­zen und ihrer nähe­ren Beschrei­bung aus­drück­lich so auf das Juden­tum Bezug genom­men, so dass die Aus­ein­an­der­set­zung damit als uner­setz­lich erscheint.

Die heu­te in Deutsch­land in Gel­tung ste­hen­den Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen für das Stu­di­um der Evan­ge­li­schen Theo­lo­gie bzw. Reli­gi­on (Pfarr­amt und Lehr­amt) sind gehal­ten, die­sen Vor­ga­ben und z.T. kom­ple­xen Rege­lun­gen genau zu ent­spre­chen. Wenn „Juden­tum“ und „jüdisch-christ­li­cher Dia­log“ dar­in in der Regel wenig Berück­sich­ti­gung fin­den, dann ist die­ser Befund also zu einem guten Teil den Ent­schei­dun­gen geschul­det, die auf dem Weg zu den beschrie­be­nen Ver­ein­ba­run­gen von ver­schie­de­nen Akteu­ren getrof­fen wur­den.

Will man Grund­sätz­li­ches ändern und ins­be­son­de­re in die Obli­ga­to­rik der gel­ten­den Rah­men­ord­nun­gen ein­grei­fen, ver­langt dies Ände­run­gen in den bun­des­weit gel­ten­den Vor­ga­ben – die­se wie­der­um haben dann (da der Gesamt­rah­men eines Stu­di­ums mit 300 Credits starr defi­niert ist) unver­meid­lich Impli­ka­tio­nen bzw. Fol­gen für die Archi­tek­tur des Gan­zen und den Anteil ande­rer The­men, Fach­ge­bie­te, Per­so­nen an die­sem Gan­zen.

 

2. Studiendesign

2.1 Erhobene Daten

Um ange­mes­sen in den Blick neh­men zu kön­nen, ob und wie Juden­tum und jüdisch-christ­li­ches Gespräch im Pfarr­amts­stu­di­um berück­sich­tigt wer­den, wur­de ein Drei­schritt ver­ab­re­det:  Zunächst soll­ten die 20 evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen mit ihren jewei­li­gen Kir­chen­ord­nun­gen und –ver­fas­sun­gen, in denen sich die vie­ler­orts ver­ab­schie­de­ten Neu­ori­en­tie­run­gen im -jüdisch-christ­li­chen Ver­hält­nis nie­der­schla­gen könn­ten,13 und die lan­des­kirch­li­chen Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen unter­sucht wer­den. In einem zwei­ten Schritt rück­ten die neun­zehn evan­ge­lisch-theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten und zwei Kirch­li­chen Hoch­schu­len mit ihren Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen, den Modul­hand­bü­chern und den jewei­li­gen Vor­le­sungs­ver­zeich­nis­sen in den Fokus. Anhand letz­te­rer kommt in den Blick, in wel­chen For­ma­ten das The­men­feld auf­ge­grif­fen  wird (aller­dings ohne die tat­säch­lich statt­fin­den­den Ver­an­stal­tun­gen ana­ly­sie­ren zu kön­nen). Zusätz­lich wur­den drit­tens auch etwai­ge Selbst­dar­stel­lun­gen der Fakul­tä­ten und Hoch­schu­len auf inhalt­li­che Bezü­ge zu einem ver­stärk­ten Inter­es­se der Ein­rich­tung an jüdisch-christ­li­chen oder genu­in juda­is­ti­schen Inhal­ten geprüft.

Auf der Sei­te des Lehr­amts­stu­di­en­gangs stan­den die uni­ver­si­tä­ren Richt­li­ni­en für die Stu­di­en­gän­ge an den 15 exem­pla­risch unter­such­ten Insti­tu­ten im Vor­der­grund. Ange­sichts der Fül­le von 34 Insti­tu­ten wur­de ent­schie­den, aus jedem Bun­des­land einen Stand­ort, vor­zugs­wei­se ein Insti­tut für Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie, zu berück­sich­ti­gen. Da sich im Bun­des­land Bran­den­burg kein Insti­tut für Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie und auch kei­ne Fakul­tät befin­det, konn­te hier kei­ne Unter­su­chung vor­ge­nom­men wer­den. In den Bun­des­län­dern (Ber­lin, Ham­burg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Sach­sen-Anhalt), in deren Gebiet sich kein Insti­tut, aber eine Fakul­tät befin­det, wur­den statt­des­sen die­se unter­sucht.

Nicht jedes Insti­tut bie­tet sowohl das Lehr­amts­stu­di­um für die Grund­schu­le als auch für das Gym­na­si­um – von daher unter­schied sich der Umfang der jeweils unter­such­ten Doku­men­te sehr. Auch der orts­ab­hän­gi­ge Unter­schied zwi­schen einem Stu­di­um in Bache­lor-Mas­ter-Struk­tur oder einem Stu­di­um, das mit dem Staats­ex­amen abge­schlos­sen wird, sorgt dafür, dass die Stu­di­en­vor­ga­ben deut­lich dif­fe­rie­ren. Ansons­ten han­delt es sich bei den unter­such­ten Doku­men­ten wie beim Pfarr­amts­stu­di­um um die Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen, die Modul­hand­bü­cher und die Ver­zeich­nis­se der Ver­an­stal­tun­gen, die belegt wer­den kön­nen. Zudem wur­den die fach­spe­zi­fi­schen Lehr­amts­ver­ord­nun­gen der Bun­des­län­der mit in den Blick genom­men, sofern denn das Land über solch eine Ord­nung ver­fügt.

Die Sich­tung der Vor­le­sungs­ver­zeich­nis­se betrifft sowohl im Pfarr­amts- als auch im Lehr­amts­stu­di­um ledig­lich ein exem­pla­ri­sches Stu­di­en­jahr, näm­lich Win­ter­se­mes­ter 2015/2016 und Som­mer­se­mes­ter 2016. Dies schien uns ange­mes­sen,  da in der modu­la­ri­sier­ten Stu­di­en­ord­nung jedes Modul im Jah­res­tur­nus ange­bo­ten wer­den muss.

Wie oben erwähnt bezieht sich die Unter­su­chung somit aus prag­ma­ti­schen Grün­den allein auf öffent­lich zugäng­li­che Mate­ria­li­en; Lehr­ver­an­stal­tun­gen kom­men nur soweit in den Blick wie sie in Modul­ka­ta­lo­gen und Vor­le­sungs­ver­zeich­nis­sen beschrie­ben wer­den – wel­che Inhal­te tat­säch­lich in Übung, Semi­nar oder Vor­le­sung ver­han­delt wur­den und mit wel­chen Inten­tio­nen dies geschah, bleibt nolens volens unbe­rück­sich­tigt.

 

2.2 Problematiken bei der Erhebung

Auch wenn sich die Text­be­stän­de, auf die sich die Unter­su­chung bezieht, auf die­se Wei­se nach­voll­zieh­bar beschrei­ben las­sen und alle wesent­li­chen nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben der ver­schie­de­nen Betei­lig­ten (Staat, Kir­che, Fakul­tä­ten und Insti­tu­te, Leh­ren­de) Berück­sich­ti­gung fin­den, blei­ben sach­be­dingt cha­rak­te­ris­ti­sche Unschär­fen bestehen. Die­se machen sich an drei Fra­ge­stel­lun­gen fest:

–       Was kann als Lehrveranstaltung gelten, die Judentum und/oder jüdisch-christlichen Dialog thematisiert?

Lehr­ver­an­stal­tun­gen, deren Titel und inhalt­li­che Beschrei­bung kei­nen Rück­schluss auf einen jüdisch-christ­li­chen oder einen juda­is­ti­schen Inhalt zulie­ßen, wur­den nicht erho­ben. Hier­un­ter fie­len auch Ver­an­stal­tun­gen, die sich etwa mit all­ge­mei­nen alt­tes­ta­ment­li­chen oder neu­tes­ta­ment­lich-zeit­ge­schicht­li­chen The­men beschäf­ti­gen, die­se aber nicht dezi­diert in den Bezug zum Juden­tum stel­len, son­dern als klas­si­schen Wis­sens­be­stand ihrer jewei­li­gen Dis­zi­plin.

–       Was wird tatsächlich unterrichtet?

Wie erwähnt bezieht sich die Unter­su­chung zu den Lehr­ver­an­stal­tun­gen nur auf Modul­ka­ta­lo­ge und Vor­le­sungs­ver­zeich­nis­se. Eine teil­neh­men­de Beob­ach­tung der tat­säch­lich gehal­te­nen Lehr­ver­an­stal­tung oder eine Befra­gung der teil­neh­men­den Stu­die­ren­den oder der Leh­ren­den fand im Rah­men die­ser Stu­die nicht statt.

–       Welche Verbindlichkeit haben die Veranstaltungen und wie werden sie angerechnet?

Da jeder Stu­di­en­stand­ort je nach Stu­di­en­gang Frei­räu­me in der Aus­ge­stal­tung  einer Modul­struk­tur hat, unter­schei­den sich die zu bele­gen­den Modu­le z.T. immens von­ein­an­der. Inso­fern ist die Ver­gleich­bar­keit der Modu­le und der dar­in zu bele­gen­den Ver­an­stal­tun­gen nicht ohne Wei­te­res gege­ben.

Hin­zu­kommt, dass die ein­zel­nen Stand­or­te ein Modul mit unter­schied­li­chen vie­len Ver­an­stal­tun­gen unter­le­gen. Wäh­rend am Stand­ort X nur eine Ver­an­stal­tung ange­bo­ten wird, um die Modul­an­for­dung A zu erfül­len, bie­tet Stand­ort Y drei oder vier Ver­an­stal­tun­gen an – die­ser Unter­schied ist etwa zwi­schen Insti­tu­ten und (man­chen) Fakul­tä­ten zu beob­ach­ten.

 

2.3 Aufarbeitung und Darstellung der Ergebnisse

Im Rah­men die­ses Berich­tes kön­nen die Beob­ach­tun­gen zu jedem unter­such­ten Stu­di­en­stand­ort nicht en detail nach­ge­zeich­net wer­den – die Ein­sicht­nah­me in die Daten ist jedoch für Inter­es­sier­te über die drei Autor_innen möglich.[14] Das hat einen prag­ma­ti­schen und einen sach­li­chen Grund:  Der prag­ma­ti­sche Grund liegt dar­in, dass eine sol­che Nach­zeich­nung weit­aus mehr Platz bean­spru­chen wür­de als hier zur Ver­fü­gung steht. Der  – weit­aus gewich­ti­ge­re – sach­li­che Grund besteht dar­in, dass die Unter­su­chung nicht dar­auf zielt, das Lehr­an­ge­bot ein­zel­ner Stand­or­te im Blick auf die in Rede ste­hen­de The­ma­tik zu eva­lu­ie­ren. Dies ist auch der Grund dafür, die unten vor­ge­stell­ten „Fall­bei­spie­le“ (sie­he Abschnit­te 3.1 bis 3.4) anonym zu ver­han­deln. Viel­mehr dient der – uner­läss­li­che – Blick auf die ein­zel­nen Stand­or­te ledig­lich dazu, bun­des­wei­te Trends und Befun­de her­aus­zu­ar­bei­ten. Es geht um Aus­künf­te dar­über, in wel­chem Maße „Juden­tum“ und „Jüdisch-christ­li­cher Dia­log“ im Stu­di­um der evan­ge­li­schen Theo­lo­gie bzw. Reli­gi­on Berück­sich­ti­gung fin­den.

 

Die Befun­de zu den ein­zel­nen Lan­des­kir­chen und Fakultäten/ Hoch­schu­len (Pfarr­amt) sowie zu  den ein­zel­nen Bun­des­län­dern und Insti­tu­ten (Lehr­amt) wer­den hier stark kom­pri­miert in zwei Tabel­len zusam­men­ge­fasst.

Die ers­ten drei Spal­ten geben Aus­kunft über die Rah­men­be­din­gun­gen: Von wel­cher Fakul­tät bzw. KiHo ist die Rede, zu wel­cher Lan­des­kir­che gehört sie und wie berück­sich­tigt die­se Kir­che ihr Ver­hält­nis in ihrer Kir­chen­ord­nung bzw. Ver­fas­sung? (Pfarr­amt) Von wel­chem Insti­tut ist die Rede, zu wel­chem Bun­des­land gehört es und wel­cher Stu­di­en­gang ist gemeint? (Lehr­amt)

Die fol­gen­den vier Spal­ten geben die wich­tigs­ten Befun­de wie­der. Uns schien es ent­schei­dend wich­tig zu sein, ob die Aus­bil­dung das Juden­tum als sol­ches – sei es in ver­schie­de­nen geschicht­li­chen Epo­chen, sei es als Reli­gi­on, Kul­tur oder Iden­ti­täts­be­stim­mung gleich wel­cher Art, sei es in Gestalt von Tex­ten und Bio­gra­fi­en ein­zel­ner Per­so­nen (von Phi­lo von Alex­an­dri­en bis Han­nah Arendt) – the­ma­ti­siert oder das Juden­tum im Ver­hält­nis zum Chris­ten­tum. Ers­tes fällt unter die Kate­go­rie „juda­is­ti­sche“ Ver­an­stal­tung oder „juda­is­ti­sches“ Modul,14 letz­te­res unter den Begriff „jüdisch-christ­li­che“ Ver­an­stal­tung. In bei­den Fäl­len ist nicht davon aus­zu­ge­hen, dass Jüdin­nen und Juden als Leh­ren­de oder Stu­die­ren­de anwe­send sind – zwar kann dies der Fall sein, doch spielt dies für die Unter­su­chung kei­ne Rol­le. Um das Gewicht die­ser The­ma­tik in der Aus­bil­dung ein­schät­zen zu kön­nen, ist außer­dem maß­geb­lich, ob eine Ver­an­stal­tung zu die­sen The­men von den Stu­die­ren­den besucht wer­den muss (obli­ga­to­ri­sche Ver­an­stal­tung bzw. obli­ga­to­ri­sches Model/Element) oder ledig­lich bei ent­spre­chen­dem Inter­es­se besucht wer­den kann (fakul­ta­ti­ve Ver­an­stal­tung). Stu­di­en­tech­nisch spie­geln sol­che fakul­ta­ti­ven Ange­bo­te eine ganz ande­re Wer­tig­keit:  Das fakul­ta­ti­ve Lehr­an­ge­bot ist häu­fig nicht an bestimm­te Modu­le gebun­den und kann des­halb auf ver­schie­de­nen Wegen in die Stu­di­en­st­ruk­tur inte­griert wer­den. Gleich­zei­tig ist eben auch eine Nicht-Bele­gung mög­lich, die Stu­di­en­leis­tung kann auch durch eine ande­re Ver­an­stal­tung, ggf. zu einem völ­lig ande­ren The­ma (bspw. zum „Islam“ statt zum „Juden­tum“) abge­deckt wer­den. Ent­spre­chen­de Wahl der Stu­die­ren­den vor­aus­ge­setzt, kann „fakul­ta­tiv“ in der Pra­xis also hei­ßen, dass der Kon­takt mit der The­ma­tik aus­bleibt.

Im Licht die­ser Unter­schei­dun­gen erge­ben sich vier Kom­bi­na­tio­nen:

  • Obli­ga­to­ri­sche juda­is­ti­sche oder jüdisch-christ­li­che Modu­le bzw. Ver­an­stal­tun­gen (Kate­go­rie I und II) und
  • Fakul­ta­ti­ve juda­is­ti­sche oder jüdisch-christ­li­che Ver­an­stal­tun­gen (Kate­go­rie III und IV).

Bei ent­spre­chen­den Modu­len wur­de jeweils eine genaue­re Aus­wer­tung nach Art des Moduls (Basis- oder Auf­bau­mo­dul, Wahl­pflicht­mo­dul, Wahl­mo­dul, Zusatz­mo­dul usw.) vor­ge­nom­men.

Die vier Kate­go­ri­en wur­den dar­über hin­aus nach einem nume­ri­schen Schlüs­sel mit einer Grau­ab­stu­fung aus­ge­wer­tet:

  • Dun­kel­grau: Es gibt kei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen in die­ser Kate­go­rie in den bei­den unter­such­ten Semes­tern.
  • Mit­tel­grau: Es gibt weni­ger als fünf Lehr­ver­an­stal­tun­gen in die­ser Kate­go­rie in den bei­den unter­such­ten Semes­tern.
  • Hell­grau: Es gibt mehr als fünf Lehr­ver­an­stal­tun­gen in die­ser Kate­go­rie in den bei­den unter­such­ten Semes­tern.

Blickt man auf die quan­ti­ta­ti­ve Aus­wer­tung, fällt auf, dass hier grö­ße­re Unter­schie­de vor­lie­gen: Teil­wei­se ste­hen hin­ter einer posi­tiv aus­ge­wer­te­ten Kate­go­rie ein­zel­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen, zum Teil han­delt es sich aber auch um eine weit­aus höhe­re Anzahl. Die­se Dif­fe­ren­zen wer­den durch die oben aus­ge­führ­te Grau­ab­stu­fung deut­li­cher her­aus­ge­stellt.

In der letz­ten Spal­te (ganz rechts) wer­den unter der Über­schrift „Bemer­kun­gen“ stu­di­en­orts­spe­zi­fi­sche Beson­der­hei­ten benannt, z.B. jüdisch-christ­li­che Insti­tu­te oder Lehr­stüh­le mit ent­spre­chen­der Aus­rich­tung.

 

Abb. 1: Übersicht Landeskirchen und Fakultäten/ Kirchliche Hochschulen

Abb. 1: Über­sicht Lan­des­kir­chen und Fakultäten/ Kirch­li­che Hoch­schu­len

 

Abb. 2: Übersicht Bundesländer und Institute, ggf. Fakultät

Abb. 2: Über­sicht Bun­des­län­der und Insti­tu­te, ggf. Fakul­tät

 

3. Ergebnisse

Im Fol­gen­den soll die­ses Unter­su­chungs­ras­ter anhand von vier Fall­bei­spie­len mate­ria­li­ter gefüllt und erläu­tert wer­den, bevor die all­ge­mei­nen Ergeb­nis­se in den Blick genom­men und dar­aus die Quint­essen­zen gefol­gert wer­den.

 

3.1 Fallbeispiel 1: Pfarramt

Auf der Ebe­ne der Lan­des­kir­che war das ers­te unter­such­te Doku­ment zu jedem Pfarr­amts­stu­di­en­stand­ort die lan­des­kirch­li­che Ver­fas­sung oder Grund­ord­nung. In die­sem ers­ten Fall­bei­spiel fand sich dort – anders als bei vie­len ande­ren Lan­des­kir­chen15 – kei­ne Erwäh­nung des Juden­tums an sich und kei­ne Aus­sa­ge zum Ver­hält­nis der betref­fen­den Kir­che zum Juden­tum. Die lan­des­kirch­li­che Prü­fungs­ord­nung für das Kirch­li­che Examen/ den Magis­ter Theo­lo­giae an dem unter­such­ten Stand­ort regelt ledig­lich For­ma­lia und nennt kei­ne kon­kre­ten Inhal­te des Stu­di­ums außer den klas­si­schen theo­lo­gi­schen Dis­zi­pli­nen als Prü­fungs­fä­chern. Wei­te­re Ord­nun­gen, z.B. zu mög­li­chen Prak­ti­kums­fel­dern, wie sie sich in ande­ren Lan­des­kir­chen fin­den, gab es für das Fall­bei­spiel 1 nicht. Einen mög­li­chen Anknüp­fungs­punkt auf lan­des­kirch­li­cher Sei­te stel­len in die­sem Fall die jähr­li­chen Stu­die­ren­den­ta­gun­gen dar, bei denen die Stu­die­ren­den das The­ma der Tagung sel­ber wäh­len kön­nen. In den letz­ten Jah­ren wur­de dies aber nicht für ein juda­is­ti­sches oder jüdisch-christ­li­ches The­ma genutzt.

In die­sem ers­ten Fall­bei­spiel fin­den sich in der Selbst­dar­stel­lung der Fakul­tät auf der Home­page meh­re­re Ver­wei­se auf inter­re­li­giö­se Leh­re und For­schung. Ein kon­kre­ter Bezug zur jüdisch-christ­li­chen The­ma­tik wird nicht ange­führt. Die Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nung der Fakul­tät lis­tet ein Basis- und ein Auf­bau­mo­dul Reli­gi­ons­ge­schich­te als obli­ga­to­ri­sche Stu­di­en­in­hal­te auf. Bereits in der Ord­nung wird deut­lich, dass der Schwer­punkt dabei auf dem Islam liegt, was sich anhand der im Vor­le­sungs­ver­zeich­nis aus­ge­wie­se­nen Ver­an­stal­tun­gen bestä­tig­te. Auch das Modul­hand­buch des Stu­di­en­or­tes sieht kein dezi­diert juda­is­ti­sches oder jüdisch-christ­li­ches Modul im Stu­di­en­gang Magis­ter Theo­lo­giae vor. Aller­dings sind die Modul­be­schrei­bun­gen zumeist sehr offen for­mu­liert, sodass ein the­ma­ti­scher Anschluss in den meis­ten Modu­len mög­lich wäre.

Im exem­pla­risch unter­such­ten Stu­di­en­jahr 2015/16 wur­den in die­sem Fall­bei­spiel in den genann­ten reli­gi­ons­ge­schicht­li­chen Modu­len zwei Über­blicks­vor­le­sun­gen ange­bo­ten, die sich mit den Welt­re­li­gio­nen im All­ge­mei­nen beschäf­ti­gen, wobei ange­nom­men wer­den darf, dass das Juden­tum neben den ande­ren gro­ßen Reli­gio­nen mit behan­delt wur­de. Damit han­delt es sich hier­bei aller­dings um kei­ne genu­in juda­is­ti­sche oder jüdisch-christ­li­che Lehr­ver­an­stal­tung. Unter den wei­te­ren Ver­an­stal­tun­gen fin­den sich zwei, die zu juda­is­ti­schen The­men gehal­ten wer­den. Eine Ver­an­stal­tung zu einer jüdisch-christ­li­chen The­ma­tik fin­det sich nicht.

Das Ergeb­nis der Sich­tung lässt sich für die­sen Stand­ort somit wie folgt zusam­men­fas­sen:

Abb. 3: Übersicht zum anonymisierten Fallbeispiel 1: Pfarramt

Abb. 3: Über­sicht zum anony­mi­sier­ten Fall­bei­spiel 1: Pfarr­amt

 

3.2 Fallbeispiel 2: Pfarramt

Das zwei­te Fall­bei­spiel zum Pfarr­amt stellt sich bereits auf der lan­des­kirch­li­chen Ebe­ne anders da: Die Ver­fas­sung / Grund­ord­nung der betref­fen­den Kir­che beruft sich an einer pro­mi­nen­ten Stel­le auf die Ver­bin­dung des Chris­ten­tums und damit die­ser Lan­des­kir­che zum Juden­tum. Außer­dem äußert sie expli­zi­te Ver­söh­nungs­be­stre­bun­gen auf Grund ihrer geschicht­li­chen Ver­ant­wor­tung und erklärt sich aus­drück­lich zur För­de­rung der Begeg­nung mit dem Juden­tum bereit. Die lan­des­kirch­li­che Prü­fungs­ord­nung macht wie im ers­ten Fall­bei­spiel kei­ne inhalt­li­chen Vor­ga­ben, son­dern regelt For­ma­lia; in die­sem Rah­men wer­den auch hier nur die theo­lo­gi­schen Kern­fä­cher ohne eine wei­te­re Aus­füh­rung genannt. Wei­te­re Ord­nun­gen zum Examen oder zu den Prak­ti­ka fin­den sich in die­ser Lan­des­kir­che nicht.

Die Fakultät/ Kirch­li­che Hoch­schu­le auf dem Gebiet der Lan­des­kir­che betont in ihrer Selbst­dar­stel­lung auf der fakul­täts­ei­ge­nen Home­page den inter­re­li­giö­sen Kon­text des Stu­di­en­gangs. Eine inhalt­li­che Kon­kre­ti­on fin­det sich nicht in der Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nung, wohl aber im Modul­hand­buch des Stu­di­en­gangs, wel­cher ein Basis­mo­dul und ein Auf­bau­mo­dul mit expli­zit juda­is­ti­schem Inhalt beinhal­tet. In die­sen bei­den Modu­len müs­sen jeweils drei Ver­an­stal­tun­gen belegt wer­den, von denen je eine Ver­an­stal­tung im Fach­ge­biet Juda­is­tik lie­gen muss. Außer­dem wäre es auch hier mög­lich, die The­ma­tik in etli­chen ande­ren Modu­len auf­zu­grei­fen – die meis­ten Modul­be­schrei­bun­gen lie­ßen dies zu.

Inwie­weit dies in der Pra­xis geschieht, lässt sich  anhand der tat­säch­lich ange­bo­te­nen Ver­an­stal­tun­gen  fest­stel­len:

Neben den bei­den bereits erwähn­ten Modu­len mit obli­ga­to­ri­schem juda­is­ti­schem Anteil fin­den sich über­durch­schnitt­lich vie­le Ver­an­stal­tun­gen zu juda­is­ti­schen und jüdisch-christ­li­chen The­men, die in sechs unter­schied­li­chen Modu­len ange­rech­net wer­den kön­nen. Zusätz­lich gibt es zahl­rei­che juda­is­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen, die im Wahl­be­reich ange­rech­net wer­den kön­nen, und eini­ge Lehr­ver­an­stal­tun­gen zu ver­wand­ten The­men, etwa zu den Schrif­ten Han­nah Arendts.

Eine Beson­der­heit die­ses Stand­or­tes ist es, dass es an der Fakultät/ Kirch­li­chen Hoch­schu­le eine eige­ne Pro­fes­sur für Juda­is­tik gibt, die vie­le der ange­bo­te­nen Ver­an­stal­tun­gen betreut.

In Anbe­tracht des­sen ergibt sich fol­gen­de Über­sicht:

Abb. 4: Übersicht zum anonymisierten Fallbeispiel 2: Pfarramt

Abb. 4: Über­sicht zum anony­mi­sier­ten Fall­bei­spiel 2: Pfarr­amt

 

3.3 Fallbeispiel 3: Lehramt an einer Fakultät

Am Stand­ort des ers­ten Fall­bei­spiels für das Lehr­amts­stu­di­um kann nur Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie für das gym­na­sia­le Lehr­amt stu­diert wer­den, die Fakul­tät bie­tet das Fach nicht für das Grund­schul­lehr­amt an. Die Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen für die bei­den auf­ein­an­der auf­bau­en­den Stu­di­en­gän­ge der Fakul­tät für das Gym­na­si­al­lehr­amt (B.A. und M.Ed.) lis­ten die im Stu­di­um zu absol­vie­ren­den Modu­le auf, wel­che dann in der Modul­ord­nung wei­ter aus­ge­führt wer­den. Eine eige­ne Ord­nung des Bun­de­lan­des für das Lehr­amt gibt es in die­sem Fall nicht.

In den Modul­be­schrei­bun­gen des Bache­lor­stu­di­en­gangs fin­det sich ein Modul, das sich mit dem Ver­gleich meh­re­rer Reli­gio­nen beschäf­tigt. Die Beschrei­bung gibt dabei kei­ne kon­kre­ten The­men­vor­schlä­ge, sodass sich hier kei­ne expli­zi­te Erwäh­nung des Juden­tums oder einer jüdisch-christ­li­chen The­ma­tik fin­det. Im Mas­ter­stu­di­en­gang nen­nen zwei von acht Modu­len den inter­re­li­giö­sen Dia­log in ihren Inhalts­be­schrei­bun­gen, kon­kre­ti­sie­ren ihn aber nicht auf den jüdisch-christ­li­chen Dia­log. Ein drit­tes Modul beschäf­tigt sich mit den Welt­re­li­gio­nen, auch hier ohne eine kon­kre­te­re inhalt­li­che Vor­ga­be. Somit gibt es in den Stu­di­en­gän­gen kein dezi­diert juda­is­ti­sches oder jüdisch-christ­li­ches Modul und auch kei­ne obli­ga­to­ri­schen Lehr­ver­an­stal­tun­gen zu die­sen The­men.

Bei der Betrach­tung der prak­ti­schen Umset­zung in den bei­den unter­such­ten Semes­tern fin­det sich an der Fakul­tät eine Viel­zahl an jüdisch-christ­li­chen Ver­an­stal­tun­gen, die sich ver­schie­dent­lich in den Modu­len anrech­nen las­sen. Juda­is­ti­sche The­men fin­den sich bei deut­lich weni­ger Lehr­ver­an­stal­tun­gen, wer­den aber eben­falls ange­bo­ten. Die­se las­sen sich aller­dings nur im Mas­ter­stu­di­en­gang anrech­nen. Beach­tens­wert ist hier­bei, dass die Ver­an­stal­tun­gen sich über wesent­lich mehr Modu­le ver­tei­len, als es die Modul­be­schrei­bun­gen ver­mu­ten las­sen. Im Bache­lor­stu­di­en­gang lässt die Anrech­nung eine Zuord­nung der ange­bo­te­nen Ver­an­stal­tun­gen zu sechs von acht Modu­len und im Mas­ter­stu­di­en­gang zu fünf von acht Modu­len zu, was eine brei­te Streu­ung der The­ma­tik durch das Stu­di­um begüns­tigt.

Das Ergeb­nis stellt sich für die­sen Stu­di­en­stand­ort so dar:

Abb. 5: Übersicht zum anonymisierten Fallbeispiel 3: Lehramt an einer Fakultät

Abb. 5: Über­sicht zum anony­mi­sier­ten Fall­bei­spiel 3: Lehr­amt an einer Fakul­tät

 

3.4 Fallbeispiel 4: Lehramt an einem Institut

Im Fal­le des letz­ten Fall­bei­spiels gibt es kei­ne fach­spe­zi­fi­schen Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nun­gen, die Fächer kon­kre­ti­sie­ren ihre Inhal­te erst in den Modul­hand­bü­chern, die auf einer fächer­über­grei­fen­den Ord­nung beru­hen. In den Modul­be­schrei­bun­gen der ins­ge­samt vier Stu­di­en­gän­ge für B.A. und M.Ed. an Grund­schu­len und Gym­na­si­en wird ver­schie­dent­lich auf juda­is­ti­sche und jüdisch-christ­li­che Inhal­te ein­ge­gan­gen.

  • Im B.A. für das Grund­schul­lehr­amt (B.A. GS) beschäf­tigt sich ein Modul mit den Welt­re­li­gio­nen, das Juden­tum wird als ein mög­li­cher Inhalt genannt.
  • Im B.A. für das Gym­na­si­al­lehr­amt (B.A. Gym) ist in einem Modul das Juden­tum und in einem wei­te­ren Modul der inter­re­li­giö­se Dia­log als ein Schwer­punkt aus meh­re­ren wähl­bar.
  • Im M.Ed. für das Grund­schul­lehr­amt (M.Ed. GS) und im M.Ed. für das Gym­na­si­al­lehr­amt (M.Ed. Gym) wird jeweils in zwei Modu­len inter­re­li­giö­ses Ler­nen und inter­re­li­giö­se Didak­tik als Inhalt ange­ge­ben, aber nicht auf den jüdisch-christ­li­chen Kon­text beschränkt. Bei­de Stu­di­en­gän­ge beinhal­ten ein Modul, wel­ches sich mit den Welt­re­li­gio­nen, erneut nicht kon­kret mit dem Juden­tum, beschäf­tigt und ein Modul, in dem das jüdisch-christ­li­che Ver­hält­nis als ein The­men­bei­spiel genannt wird, aber nicht ver­pflich­tend Inhalt des Moduls ist.

Der Blick in die Vor­le­sungs­ver­zeich­nis­se zeigt eine sehr gerin­ge Anzahl an jüdisch-christ­li­chen Ver­an­stal­tun­gen, die sich aber in ver­schie­de­nen Modu­len anrech­nen las­sen und somit eine grö­ße­re Anzahl an Stu­die­ren­den errei­chen.

Das Ergeb­nis in der Über­sicht:

Abb. 6: Übersicht zum anonymisierten Fallbeispiel 4: Lehramt an einem Institut

Abb. 6: Über­sicht zum anony­mi­sier­ten Fall­bei­spiel 4: Lehr­amt an einem Insti­tut

 

 

3.5 Vergleich Pfarramt

Im direk­ten Ver­gleich sämt­li­cher Lan­des­kir­chen und Fakultäten/ Kirch­li­chen Hoch­schu­len mit­ein­an­der las­sen sich deut­li­che Unter­schie­de erken­nen:

  • 14 von 20 Lan­des­kir­chen ver­wei­sen in ihren Ordnungen/ Ver­fas­sun­gen auf eine Ver­bin­dung zum Juden­tum. Kei­ne Erwäh­nung fin­det sich in den Grund­ord­nun­gen der Ev. Lan­des­kir­che Anhalts, der Bre­mi­schen Ev. Kir­che, der Ev. Kir­che von Kur­hes­sen-Wal­deck, der Ev.-Luth. Lan­des­kir­che Sach­sens, der Ev.-Luth. Lan­des­kir­che Schaum­burg-Lip­pe und der Ev. Lan­des­kir­che in Würt­tem­berg.
  • Kei­ne Fakul­tät legt in ihrer Stu­di­en- und Prü­fungs­ord­nung bzw. in den Modul­hand­bü­chern ein Modul zum The­ma „jüdisch-christ­li­ches Ver­hält­nis“ bzw. „jüdisch-christ­li­cher Dia­log“ fest. Folg­lich gibt es nir­gend­wo (!) obli­ga­to­ri­sche jüdisch-christ­li­che Ver­an­stal­tun­gen.
  • An drei von 18 Fakultäten/ Kirch­li­chen Hoch­schu­len gibt es min­des­tens ein obli­ga­to­ri­sches juda­is­ti­sches Modul oder ein Modul, was eine juda­is­ti­sche Ver­an­stal­tung beinhal­ten muss: Göt­tin­gen, Frank­furt (Main), Mainz.
  • Sechs Fakultäten/ Kirch­li­che Hoch­schu­len (Neuendettelsau/ Kirch­li­che Hoch­schu­le Augusta­na, Ber­lin, Göt­tin­gen, Jena, Leip­zig und Tübin­gen) bie­ten mehr als fünf fakul­ta­ti­ve Lehr­ver­an­stal­tun­gen mit jüdisch-christ­li­chen Lehr­in­hal­ten an. An 13 Stand­or­ten sind es weni­ger als fünf Ver­an­stal­tun­gen und an zwei Orten (Mar­burg und Ros­tock) gibt es kei­ne Lehr­ver­an­stal­tun­gen zu die­sem The­men­kom­plex.
  • Eben­falls an sechs Stand­or­ten (Hei­del­berg, Göt­tin­gen, Mainz, Leip­zig, Müns­ter und Tübin­gen) wer­den mehr als fünf fakul­ta­ti­ve juda­is­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen ange­bo­ten. 12 Stand­or­te bie­ten weni­ger als fünf Lehr­ver­an­stal­tun­gen an und an drei Stu­di­en­or­ten (Neuendettelsau/ Kirch­li­che Hoch­schu­le Augusta­na, Bonn und Kirch­li­che Hoch­schu­le Wup­per­tal) gibt es kei­ne Ver­an­stal­tun­gen zu die­sem The­ma.
  • Je drei Fakultäten/ Kirch­li­che Hoch­schu­len haben ent­we­der eine Pro­fes­sur für Juda­is­tik oder ein ver­wand­tes The­men­feld (Göt­tin­gen, Frank­furt (Main), Mainz) oder ein ange­glie­der­tes Insti­tut mit einer ent­spre­chen­den the­ma­ti­schen Aus­rich­tung (Neuendettelsau/ Kirch­li­che Hoch­schu­le Augusta­na, Ber­lin, Müns­ter). An einer Fakul­tät gibt es For­schungs­stel­le zum Juden­tum (Leip­zig).
  • Die drei Fakul­tä­ten mit eige­nen Juda­is­tik­pro­fes­su­ren sind auch die Stand­or­te, an denen es obli­ga­to­ri­sche juda­is­ti­sche Veranstaltungen/ Modu­le gibt: Göt­tin­gen, Frank­furt (Main) und Mainz.
  • Es besteht kein zwin­gen­der Zusam­men­hang zwi­schen der lan­des­kirch­li­chen Erwäh­nung des Juden­tums in ihrer Ord­nung und den Lehr­an­ge­bo­ten an den Stu­di­en­or­ten: Obwohl die Ev.-Luth. Lan­des­kir­che Sach­sens kei­ne Bezü­ge zum Juden­tum in ihrer Ord­nung auf­führt, gibt es an der Leip­zi­ger Fakul­tät eine gro­ße Anzahl an Lehr­ver­an­stal­tun­gen, die zu einem gro­ßen Teil durch die oben genann­te For­schungs­stel­le bedient wer­den.

 

3.6 Vergleich Lehramt

All­ge­mein fällt in den Lehr­amts­stu­di­en­gän­gen eine sehr viel gerin­ge­re Anzahl an Ver­an­stal­tun­gen zu einem juda­is­ti­schen oder jüdisch-christ­li­chen The­ma auf. An den Insti­tu­ten sind es in aller Regel deut­lich weni­ger Ver­an­stal­tun­gen als an den Fakul­tä­ten, die über eine weit­aus höhe­re Lehr­ka­pa­zi­tät ver­fü­gen. Die Aus­wer­tung zeigt im direk­ten Ver­gleich der Lehr­amts­stu­di­en­stand­or­te fol­gen­de her­vor­ste­chen­de Ergeb­nis­se:

  • Nur zwei Prü­fungs­ord­nun­gen der Bun­des­län­der (Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Sach­sen-Anhalt) ver­wei­sen auf den inter­re­li­giö­sen Dia­log als Stu­di­en­in­halt. Die baye­ri­sche Prü­fungs­ord­nung nennt Grund­kennt­nis­se des Juden­tums als Zulas­sungs­vor­aus­set­zung. In den staat­li­chen Prü­fungs­ord­nun­gen  ist das The­men­feld des Inter­re­li­giö­sen Ler­nens im All­ge­mei­nen und das­je­ni­ge des Juden­tums bzw. des jüdisch-christ­li­chen Ver­hält­nis­ses unter­be­stimmt.
  • An kei­nem Institut/ kei­ner Fakul­tät gibt es in den Lehr­amts­stu­di­en­gän­gen obli­ga­to­ri­sche Module/ Ver­an­stal­tun­gen zu einem jüdisch-christ­li­chen The­ma.
  • Nur am Insti­tut für Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie in Saar­brü­cken gibt es ein Pflicht­mo­dul zur Ein­füh­rung in die Reli­gi­ons­wis­sen­schaft, in dem jeweils eine juda­is­ti­sche Ver­an­stal­tung zu bele­gen ist, in den Lehr­amts­stu­di­en­gän­gen für die Sekun­dar­stu­fe I und II (nicht für die Pri­mar­stu­fe).
  • Nur an der Ber­li­ner Fakul­tät wer­den mehr als fünf fakul­ta­ti­ve jüdisch-christ­li­che Ver­an­stal­tun­gen sowohl für den Bache­lor-, als auch für den Mas­ter­stu­di­en­gang für das gym­na­sia­le Lehr­amt ange­bo­ten. Weni­ger als fünf Ver­an­stal­tun­gen wer­den an ins­ge­samt sechs Insti­tu­ten und Fakul­tä­ten ange­bo­ten (je nach Schul­form las­sen sich aller­dings nicht alle Ver­an­stal­tun­gen für jeden Stu­di­en­gang anrech­nen):
  • Ham­burg, Gie­ßen (nur für Gym), Osna­brück (nur als Haupt- oder Kern­fach für Gym), Köln (nur im B.A. Gym & GS), Koblenz-Land­au (nur im B.A. Gym & GS) und Dres­den.
  • Kein Institut/ kei­ne Fakul­tät bie­tet mehr als fünf fakul­ta­ti­ve juda­is­ti­sche Lehr­ver­an­stal­tun­gen an. An fünf Insti­tu­ten und an vier Fakul­tä­ten wer­den weni­ger als fünf Ver­an­stal­tun­gen zu einem juda­is­ti­schen The­ma ange­bo­ten:
    • Karls­ru­he, Ber­lin (nur im M.Ed.), Bre­men (in allen B.A.-Studiengängen und im M.Ed. GS mit Ev. Theo­lo­gie als klei­nes Fach), Ham­burg (nur im B.A. und M.Ed. GS), Ros­tock, Koblenz-Land­au (nur im B.A. Gym & GS), Saar­brü­cken (nur für GS), Hal­le (nur für Gym) und Erfurt (nur im B.A.).
  • Ein beson­de­rer Fall liegt bei der Euro­pa-Uni­ver­si­tät Flens­burg vor: Im B.A. Bil­dungs­wis­sen­schaf­ten, Fach Evan­ge­li­sche Reli­gi­on ist der inter­re­li­giö­se Dia­log, nicht spe­zi­fi­ziert auf den Dia­log mit dem Juden­tum, das The­ma von zwei der sie­ben Pflicht­mo­du­le und kann in einem von vier Wahl­pflicht­mo­du­len the­ma­tisch ver­tieft wer­den.

 

 

4. Quintessenzen

Die in Abschnitt 3 dar­ge­stell­ten Ergeb­nis­se unse­rer Erhe­bung las­sen sich im Wesent­li­chen wie folgt zusam­men­fas­sen:

 

4.1 Wenig Pflicht, viel Kür

Zu den wohl offen­sicht­li­chen Befun­den der Erhe­bung hat zu zäh­len, dass sich auf der Ebe­ne der Modu­le der Stu­di­en­gän­ge Pfarr- und Lehr­amt nur sehr weni­ge obli­ga­to­ri­sche Ver­an­stal­tun­gen im Bereich der Juda­is­tik sowie gar kei­ne ver­bind­li­chen Ver­an­stal­tun­gen im Bereich des jüdisch-christ­li­chen Dia­logs fin­den las­sen. In bei­den Stu­di­en­rich­tun­gen ist eine Aus­ein­an­der­set­zung mit juda­is­ti­schen und/oder jüdisch-christ­li­chen Lehr­in­hal­ten für die Stu­die­ren­den in der Regel also nicht fest vor­ge­se­hen.

Bei der genaue­ren Durch­sicht der Ergeb­nis­se lässt sich aller­dings fest­stel­len, dass die aller­meis­ten Fakul­tä­ten für ihre Pfarr­amts­stu­die­ren­den und eini­ge Insti­tu­te bzw. Fakul­tä­ten für ihre Lehr­amts­stu­die­ren­den in den fakul­ta­ti­ven Wahl­pflicht­be­rei­chen der jewei­li­gen Stu­di­en­gän­ge sowohl Lehr­ver­an­stal­tun­gen mit einem juda­is­ti­schen als auch mit einem jüdisch-christ­li­chen Schwer­punkt anbie­ten. Sie zu besu­chen, ist für die Stu­die­ren­den mög­lich, aber eben nicht ver­pflich­tend.

 

4.2 Festschreibung in einem Pflichtmodul besser als Einordnung in Wahlpflichtbereich

Vor dem Hin­ter­grund des durch­aus vor­han­de­nen juda­is­ti­schen und/oder jüdisch-christ­li­chen Lehr­an­ge­bots in den Wahl­pflicht­be­rei­chen der aller­meis­ten theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten und vie­ler Insti­tu­te ist zu beach­ten, dass zwi­schen die­sen fakul­ta­ti­ven Stu­di­en­an­ge­bo­ten einer­seits und den ver­bind­li­chen Lehr­in­hal­ten der Modu­le ande­rer­seits ein star­kes Ungleich­ge­wicht herrscht.

Wer­den juda­is­ti­sche und jüdisch-christ­li­che Lehr­in­hal­te nur im Wahl­pflicht­be­reich der Pfarr- und Lehr­amts­stu­di­en­gän­ge ange­bo­ten, errei­chen sie in der Regel allein die dar­an bereits inter­es­sier­ten und/oder dazu bereits infor­mier­ten Stu­die­ren­den. Wür­den sie hin­ge­gen in die Modul­struk­tur der Stu­di­en­gän­ge inte­griert, kämen alle Stu­die­ren­den mit juda­is­ti­schen und/oder jüdisch-christ­li­chen The­men, Fra­ge­stel­lun­gen und Erkennt­nis­sen in Kon­takt.

Obwohl neben­ein­an­der abge­bil­det, sind die Ein­tra­gun­gen in der oben abge­bil­de­ten Ergeb­nissta­bel­le also nicht gleich­wer­tig: Es macht einen gro­ßen Unter­schied, ob die Ver­an­stal­tun­gen obli­ga­to­risch oder fakul­ta­tiv ange­bo­ten wer­den (s. ent­spre­chen­de Spal­ten oben). Statt aller errei­chen Lehr­ver­an­stal­tun­gen im Wahl­pflicht­be­reich immer nur ein­zel­ne Stu­die­ren­de, sind nicht kon­sti­tu­ti­ver Bestand­teil des jeweils stu­dier­ten Stu­di­en­gangs und kon­kur­rie­ren so – was die Auf­merk­sam­keit, Arbeits­zeit und Arbeits­kraft der Stu­die­ren­den angeht – mit allen Pflicht- und allen ande­ren Wahl­pflicht­ver­an­stal­tun­gen. Dabei ist natür­lich zu beden­ken, dass die Qua­li­tät von Lehr­ver­an­stal­tun­gen kei­nes­wegs von ihrer Ein- oder Aus­ge­bun­den­heit in den Stu­di­en­gang abhängt, sie in der Rezep­ti­on der Stu­die­ren­den ja sogar lei­den kann, wer­den die Ver­an­stal­tun­gen als rei­nes „Pflicht­pro­gramm“ im Rah­men eines Stu­di­en­gangs wahr­ge­nom­men. Es scheint an die­ser Stel­le daher eine grund­sätz­li­che Ent­schei­dung dar­über von Nöten zu sein, ob juda­is­ti­sche und/oder jüdisch-christ­li­che Lehr­ver­an­stal­tun­gen ver­bind­lich in die Pfarr- und Lehr­amts­stu­di­en­gän­ge zu inte­grie­ren sind oder fakul­ta­tiv  belas­sen wer­den soll­ten und sie damit dem (bereits bestehen­den) Inter­es­se und der Eigen­mo­ti­va­ti­on der Stu­die­ren­den anheim­zu­stel­len.

 

4.3 Einordnung in die Religionswissenschaft als Chance und Gefahr

Möch­te man juda­is­ti­sche Lehr­in­hal­te in den obli­ga­to­ri­schen Bereich eines Pfarr­amts­stu­di­ums ein- oder über­füh­ren, exis­tiert dazu mit dem Modul „Reli­gi­ons­wis­sen­schaft und Mis­si­ons­wis­sen­schaft bzw. Inter­kul­tu­rel­ler Theo­lo­gie“ bereits eine Mög­lich­keit. Die­se Form der Inte­gra­ti­on birgt neben ihrer Chan­ce aber auch die Gefahr, dass das Juden­tum dabei von Stu­die­ren­den (und Leh­ren­den) nur als eine von vie­len „Frem­dre­li­gio­nen“ betrach­tet und somit nicht als beson­ders rele­vant bzw. kon­sti­tu­tiv für die eige­ne christ­li­che Iden­ti­tät und als Teil der Glau­bens- und Reli­gi­ons­ge­schich­te wahr­ge­nom­men wird. In Bezug auf das Lehr­amts­stu­di­um ergibt sich ein ähn­lich gela­ger­tes Pro­blem, wenn dort juda­is­ti­sche Lehr­in­hal­te in Form „inter­re­li­giö­ser Kom­pe­ten­zen“ in die Stu­di­en­pro­gram­me inte­griert und so dem inter­re­li­giö­sen Dia­log im All­ge­mei­nen zuge­rech­net wer­den. Auch hier besteht das Risi­ko, die Beson­der­hei­ten des jüdisch-christ­li­chen Dia­logs und des Juden­tums gegen­über ande­ren For­men und Gesprächs­part­nern des inter­re­li­giö­sen Dia­logs (Islam, Bud­dhis­mus, Hin­du­is­mus, …) zu ver­ken­nen.

 

4.4 Entscheidendes Gewicht von Personen und Einrichtungen

Die Ergeb­nis­se in Bezug auf den Wahl­pflicht­be­reich zei­gen einen deut­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen jüdisch-christ­li­chen und juda­is­ti­schen Lehr­an­ge­bo­ten einer­seits und dar­an inter­es­sier­ten und dazu for­schen­den Per­so­nen und Ein­rich­tun­gen ande­rer­seits.

Sind ent­spre­chen­de Lehr­in­hal­te nicht im obli­ga­to­ri­schen Pro­gramm der Stu­di­en­gän­ge ent­hal­ten, so ist dies in der Regel dem Umstand geschul­det, dass kein spe­zi­fisch qua­li­fi­zier­tes oder Inter­es­sier­tes Lehr­per­so­nal zur Ver­fü­gung steht oder die Struk­tu­ren ein ver­läss­li­ches Lehr­an­ge­bot nicht erlau­ben (Insti­tuts­grö­ße, For­schungs­zu­sam­men­hän­ge etc.). Dem­ge­gen­über wer­den an Orten, wo Insti­tu­te oder Pro­fes­su­ren mit ent­spre­chen­den For­schungs­pro­fi­len bzw. Deno­mi­na­tio­nen exis­tie­ren – das zei­gen die Ergeb­nis­se der Erhe­bung –,deut­lich mehr juda­is­ti­sche und/oder jüdisch-christ­li­che Lehr­ver­an­stal­tun­gen ange­bo­ten als dies an ande­ren Fakul­tä­ten ohne ent­spre­chen­de Ein­rich­tun­gen der Fall ist.

Wie für jeden Lehr-Lern­pro­zess erwei­sen sich auch für Lehr­ver­an­stal­tun­gen zum „Juden­tum“ und zum jüdisch-christ­li­chen Ver­hält­nis die Per­so­nen als ent­schei­den­de Grö­ßen. Dies birgt Chan­cen, stellt aber für eine struk­tu­rel­le Ver­an­ke­rung der The­ma­tik im Stu­di­um eine Her­aus­for­de­rung dar. Wo juda­is­ti­sche und/oder jüdisch-christ­li­che Lehr­in­hal­te allein von einer oder meh­re­ren Per­so­nen abhän­gen, steht und fällt das Lehr­an­ge­bot mit der Anwe­sen­heit und den For­schungs- und Lehr­in­ter­es­sen des ent­spre­chen­den Lehr­per­so­nals.

 

4.5 Quantitative Unterschiede: Pfarramt/Lehramt und Fakultäten/Institute

Die Ergeb­nis­se der Erhe­bung zei­gen, dass es in den Lehr­amts­stu­di­en­gän­gen „Evan­ge­li­sche Reli­gi­on“ noch weni­ger obli­ga­to­ri­sche und fakul­ta­ti­ve Lehr­ver­an­stal­tun­gen in den Berei­chen Juda­is­tik und/oder jüdisch-christ­li­cher Dia­log gibt als in den Stu­di­en­gän­gen „Ev. Theo­lo­gie“, die auf das Pfarr­amt zie­len.

Nahe­lie­gen­de Grün­de hier­für sind einer­seits in den gera­de­zu dra­ma­ti­schen Unter­schie­den zwi­schen der Anzahl der Leis­tungs­punk­te, die Lehr­amts- und Pfarr­amts­stu­die­ren­de im Fach „Evan­ge­li­sche Theo­lo­gie“ zu absol­vie­ren haben, und ande­rer­seits in den nicht min­der dra­ma­tisch unter­schied­lich gro­ßen Lehr­ka­pa­zi­tä­ten der der Stu­di­en­or­te zu suchen: In Bezug auf die Stu­di­en­gän­ge ist offen­sicht­lich, dass Pfarr­amts­stu­die­ren­de in ihrem Stu­di­en­gang aus­schließ­lich evan­ge­li­sche Theo­lo­gie stu­die­ren und demen­spre­chend viel mehr theo­lo­gi­sche Modu­le bele­gen  als dies bei Lehr­amts­stu­die­ren­den der Fall ist, die immer noch gleich­zei­tig eine zwei­tes oder ers­tes ande­res Schul­fach stu­die­ren und Päd­ago­gik­stu­di­en absol­vie­ren. Auf der Ebe­ne der Stu­di­en­or­te bezieht sich die quan­ti­ta­ti­ve Ungleich­heit allein auf die Lehr­amts­aus­bil­dung: Sie fin­det in Deutsch­land nicht nur an theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten, son­dern auch an ver­schie­de­nen Insti­tu­ten statt. Die­se haben im Ver­gleich zu den Fakul­tä­ten meist gänz­lich ande­re struk­tu­rel­le und per­so­nel­le Vor­aus­set­zun­gen, müs­sen an ihnen doch oft zwei oder drei Lehr­stüh­le alle Berei­che der theo­lo­gi­schen Aus­bil­dung abde­cken. Dies führt dazu, dass an Insti­tu­ten und Abtei­lun­gen die Hür­den, juda­is­ti­sche und/oder jüdisch-christ­li­che Lehr­in­hal­te in das Lehr­amts­stu­di­um zu inte­grie­ren, weit­aus höher sind als an bes­ser aus­ge­stat­te­ten Fakul­tä­ten und ent­spre­chend weni­ger Ver­an­stal­tun­gen aus die­sen Fach­be­rei­chen ange­bo­ten wer­den kön­nen.

 

4.6 Mangel an Begegnung mit dem Judentum und dessen (wissenschaftlichen) Vertretern

Die didak­ti­sche Ver­mitt­lung juda­is­ti­scher und jüdisch-christ­li­cher Lehr­in­hal­te an theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten in Deutsch­land geschieht dort, wo sie geschieht, in der Regel selbst wie­der­um nur „ver­mit­telt“, näm­lich stell­ver­tre­tend bzw. ein­sei­tig durch christ­li­che Wissenschaftler_innen, nicht aber durch ihre Kolleg_innen jüdi­schen Glau­bens.

Grund dafür ist, dass als (fest ange­stell­te bzw. beru­fe­ne) Leh­ren­de an evan­ge­li­schen Fakul­tä­ten und Insti­tu­ten de jure nur evan­ge­li­sche Theo­lo­gin­nen und Theo­lo­gen vor­ge­se­hen sind. Jüdi­sche Wissenschaftler_innen kön­nen hin­ge­gen nur als Gäs­te der jewei­li­gen Ein­rich­tun­gen aktiv wer­den. Dies gilt auch für Juda­is­tik-Pro­fes­su­ren an evan­ge­li­schen Fakul­tä­ten.

Für die theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung, ins­be­son­de­re in den Berei­chen der Juda­is­tik und des jüdisch-christ­li­chen Dia­logs, bedeu­tet dies einen bedau­erns­wer­ten Man­gel an Begeg­nung der Stu­die­ren­den mit jüdi­schen Leh­ren­den, wis­sen­schaft­li­chen Ver­tre­tern der jüdi­schen Reli­gi­on. Eine Begeg­nung mit dem Juden­tum außer­halb der Uni­ver­si­tät, aber inner­halb des Stu­di­ums ist eben­falls nur schwer zu rea­li­sie­ren, las­sen sich etwa punk­tu­el­le Tref­fen mit Glau­bens­ver­tre­tern oder Besu­che jüdi­scher Ein­rich­tun­gen und Got­tes­häu­ser nicht in einer Prü­fungs- oder Stu­di­en­ord­nung fest­schrei­ben. Eine, wenn man so will, „authen­ti­sche“ Begeg­nung der Stu­die­ren­den mit dem Juden­tum bedeu­tet daher in der Regel bes­ten­falls: Lek­tü­re von Tex­ten jüdi­scher Autor_innen; ggf. kön­nen Besu­che in Syn­ago­gen oder Exkur­sio­nen etwa nach Isra­el hin­zu­kom­men.

 

4.7 Jüdisch-christlicher Dialog / Judaistik nirgends obligatorischer Gegenstand des Examens

In Bezug auf das Pfarr­amts­stu­di­um gibt es  noch eine ande­re Regu­lie­rungs­mög­lich­keit der Lan­des­kir­chen, die nicht genutzt wird. So sind ins­be­son­de­re die Ord­nun­gen für das Kirch­li­che Examen dies­be­züg­lich stumm. In kei­ner Lan­des­kir­che sind The­men des jüdisch-christ­li­chen Dia­logs obli­ga­to­ri­scher Bestand­teil des theo­lo­gi­schen Examens, obwohl doch dort vor­ran­gig theo­lo­gi­sches Grund­wis­sen geprüft wird und etli­che Lan­des­kir­chen ihr Ver­hält­nis zum Juden­tum für theo­lo­gisch grund­le­gend erklärt haben.

Die Lan­des­kir­chen könn­ten an die­ser Stel­le – ohne kom­pli­zier­te Rege­lungs­be­dar­fe – zei­gen, wie wich­tig ihnen das The­ma ist. Im Fal­le der Lehr­amts­stu­di­en­gän­ge gibt es die­se Steue­rungs­mög­lich­keit (lei­der) nicht.

 

4.8 Asymmetrie zwischen kirchlichem Selbstverständnis und theologische Ausbildung

Die letz­te wesent­li­che und hier fest­zu­hal­ten­de Beob­ach­tung im Anschluss an unse­re Erhe­bung betrifft in Auf­nah­me des soeben Gesag­ten  das Ver­hält­nis von kirch­li­chem Selbst­ver­ständ­nis und theo­lo­gi­scher Aus­bil­dung.

Zwar ist  posi­tiv her­vor­zu­he­ben, dass von ins­ge­samt 20 Lan­des­kir­chen in Deutsch­land 14 in den ver­gan­ge­nen Jah­ren und Jahr­zehn­ten ihre Grund­ord­nun­gen und Kir­chen­ver­fas­sun­gen geän­dert und dar­in einen Bezug ihrer Kir­che zum Juden­tum auf­ge­nom­men haben (s. Spal­te 1 der Ergeb­nista­bel­le).16 Setzt man die­ses Fak­tum nun aber in Bezie­hung zu den wei­te­ren, hier beschrie­be­nen Ergeb­nis­sen unse­rer Erhe­bung, so fällt eine deut­li­che Asym­me­trie zwi­schen den so geäu­ßer­ten kirch­li­chen Ansprü­chen an das kirch­li­ch/christ­li­che-jüdi­sche Ver­hält­nis einer­seits und den Inhal­ten der jewei­li­gen theo­lo­gi­schen Aus­bil­dung ande­rer­seits ins Auge.

Lan­des­kir­chen, die für sich die jüdisch-christ­li­che Bezie­hung als iden­ti­täts­re­le­vant erkannt haben, soll­ten die­se daher kon­se­quen­ter­wei­se auch als aus­bil­dungs­re­le­vant ver­ste­hen und sich (zusam­men mit den theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten) um die Inte­gra­ti­on juda­is­ti­scher und jüdisch-christ­li­cher Lehr­in­hal­te in das Pfarr- und Lehr­amts­stu­di­um bemü­hen. Nur so kön­nen zukünf­ti­ge Pastor_innen und Religionslehrer_innen in einem als kon­sti­tu­tiv ver­stan­de­nen, aber bis­lang ver­nach­läs­sig­ten Bereich der evan­ge­li­scher Theo­lo­gie sprach­fä­hig wer­den und nur so lässt sich auch ein Wider­spruch zwi­schen kirch­li­chem Selbst­ver­ständ­nis und theo­lo­gi­scher Aus­bil­dung in Bezug auf das Ver­hält­nis zum Juden­tum und das jüdisch-christ­li­che Gespräch ver­mei­den.

 

5. Downloads: Ergebnisse im Detail

5.1 Ergebnisse Pfarramt

 

5.2 Ergebnisse Lehramt

  1. Vgl. etwa Bernd Schrö­der: War­um soll das Juden­tum prü­fungs­re­le­van­ter Bestand­teil der Aus­bil­dung der Theo­lo­gie­stu­die­ren­den sein? In: Nun gehe hin und ler­ne – The­men­heft  2017 des Deut­schen Koor­di­nie­rungs­ra­tes der  Gesell­schaf­ten für Christ­lich-jüdi­sche Zusam­men­ar­beit, Bad Nau­heim 2017, 15-17.
  2. Für das Zustan­de­kom­men der Stu­die ist herz­lich zu dan­ken Dr. Chris­ti­an Staf­fa und Ali­ne Seel, Ber­lin, für Initia­ti­ve und Bera­tung, zudem den Geld­ge­bern, also den o.g. Lan­desk­ri­chen sowie der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie Ber­lin, und der Initia­to­rin, der AG Chris­ten und Juden beim DEKT.
  3. Eine Über­sicht über die Stand­or­te der Fakul­tä­ten und Kirch­li­chen Hoch­schu­len sowie deren Pro­gram­me bie­tet www​.ekd​.de/​t​h​e​o​l​o​g​i​e​s​t​u​d​i​u​m​/​s​t​u​d​i​u​m​/​s​t​u​d​i​e​n​o​r​t​e​.​h​tml (Zugriff am 10.4.2017).
  4. Eine Über­sicht über die Stand­or­te der Insti­tu­te und deren Pro­gram­me bie­tet http://​kiet​.online/​?​p​a​g​e​_​i​d​=18 (Zugriff am 10.4.2017).
  5. Zum Ver­gleich: Das Theo­lo­gie­stu­di­um mit dem Berufs­ziel Pfarr­amt umfasst 300 Credits, die etwa 9.000 Arbeits­stun­den ent­spre­chen.
  6. Vgl. dazu Lisa J. Kren­gel: Die evan­ge­li­sche Theo­lo­gie und der Bolo­gna-Pro­zess: eine Rekon­struk­ti­on der ers­ten Deka­de (1999 – 2009), Leip­zig 2011 (Arbei­ten zur Prak­ti­schen Theo­lo­gie 48).
  7. Doku­men­tiert sind die­se Rege­lun­gen in: Theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung in der EKD. Doku­men­te und Tex­te aus der Arbeit der Gemisch­ten Kommission/Fachkommission I zur Reform des Theo­lo­gie­stu­di­ums (Pfarr­amt und Diplom) 1993 – 2004, im Auf­trag der Gemisch­ten Kommission/Fachkommission I hrsg. von Micha­el Ahme und Micha­el Beint­ker, Leip­zig 2005, sowie Theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung in der EKD. Doku­men­te und Tex­te aus der Arbeit der Gemisch­ten Kom­mis­si­on für die Reform des Theologiestudiums/Fachkommission I (Pfarr­amt, Diplom und Magis­ter Theo­lo­giae) 2005 – 2013, im Auf­trag der Gemisch­ten Kommission/Fachkommission I hrsg. von Micha­el Beint­ker und Micha­el Wöl­ler. Unter Mit­ar­beit von Micha­el Bey­er und Alex­an­der Döl­e­cke, Leip­zig 2014.
  8. Emp­feh­lun­gen der Gemisch­ten Kom­mis­si­on / Fach­kom­mis­si­on I für den Stu­di­en­gang Ev. Theo­lo­gie“ (Pfarr­amt / Diplom / Magis­ter Theo­lo­giae) (2008), in: Beint­ker / Wöl­ler, Theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung 2005 – 2013 (s.o. Anm. 6), hier 69-76.
  9. Theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung in der EKD: Doku­men­te und Tex­te […
  10. Vgl. exem­pla­risch das Papier der KMK: „Stan­dards für die Leh­rer­bil­dung: Bil­dungs­wis­sen­schaf­ten“ aus dem Jahr 2004; sie­he http://​www​.kmk​.org/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​D​a​t​e​i​e​n​/​v​e​r​o​e​f​f​e​n​t​l​i​c​h​u​n​g​e​n​_​b​e​s​c​h​l​u​e​s​s​e​/​2​0​0​4​/​2​0​0​4​_​1​2​_​1​6​-​S​t​a​n​d​a​r​d​s​-​L​e​h​r​e​r​b​i​l​d​u​n​g​.​pdf (Zugriff am 10. April 2017).
  11. Eine Ver­öf­fent­li­chung maß­geb­li­cher Tex­te zum Lehr­amts­stu­di­um Evan­ge­li­sche Reli­gi­on aus die­sen Gre­mi­en, ana­log zu den in Anm. 6 genann­ten Doku­men­ta­tio­nen, ist in Vor­be­rei­tung.
  12. Kir­chen­amt der EKD (Hg.): Theo­lo­gisch-Reli­gi­ons­päd­ago­gi­sche Kom­pe­tenz – Pro­fes­sio­nel­le Kom­pe­ten­zen und Stan­dards für die Reli­gi­ons­leh­rer­aus­bil­dung. Emp­feh­lun­gen der Gemisch­ten Kom­mis­si­on zur Reform des Theo­lo­gie­stu­di­ums, Han­no­ver 2009 (EKD-Tex­te 96), hier 20f.
  13. Vgl. „Die Kir­chen und das Juden­tum“. Bd.1: Doku­men­te von 1945 bis 1985. Gemein­sa­me Ver­öf­fent­li­chung der Stu­di­en­kom­mis­si­on Kir­che und Juden­tum der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land und der Arbeits­grup­pe für Fra­gen des Juden­tums der Öku­me­ne-Kom­mis­si­on der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, hg. von Rolf Rend­torff und Hans Her­mann Hen­rix, Pader­born / Güters­loh 1988 (32001) Bd. 2: Doku­men­te von 1986 – 2000. Eine Ver­öf­fent­li­chung im Auf­trag der Stu­di­en­kom­mis­si­on Kir­che und Juden­tum der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land und der Arbeits­grup­pe für Fra­gen des Juden­tums der Öku­me­ne-Kom­mis­si­on der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, hg. von Hans Her­mann Hen­rix und Wolf­gang Kraus, Pader­born / Güters­loh 2001. Die Bän­de wer­den fort­ge­schrie­ben in: Hen­rix, Hans Herr­mann; Bosch­ki, Rein­hold (Hg.): Die Kir­chen und das Juden­tum. Doku­men­te von 2000 bis heu­te, Band III (unter Mit­ar­beit von Andre­as Men­ne) – Digi­ta­le Ver­si­on. (https://​www​.nos​tra​-aeta​te​.uni​-bonn​.de/​k​i​r​c​h​l​i​c​h​e​-​d​o​k​u​m​e​n​t​e​/​o​n​l​i​n​e​-​p​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​-​d​i​e​-​k​i​r​c​h​e​n​-​u​n​d​-​d​a​s​-​j​u​d​e​n​tum; Zugriff am 10.4.2017).
  14. Wir ver­wen­den den Begriff „Juda­is­tik“, da die­ser auch so in den (meis­ten) Stu­di­en­ord­nun­gen bzw. Modul­be­schrei­bun­gen gebraucht wird. Mit der Bezeich­nung „juda­is­tisch“ soll also kein (pro­gram­ma­ti­scher) Gegen­satz zur Rede von „Jüdi­schen Stu­di­en“ mar­kiert wer­den. De fac­to sind „juda­is­ti­sche“ Lehr­ver­an­stal­tun­gen in der Regel juden­tums­kund­lich ange­legt, sie wer­den weit­aus mehr­heit­lich von nicht-jüdi­schen Leh­ren­den ange­bo­ten.
  15. Für abso­lu­te Zah­len der Aus­wer­tung sie­he Abschnitt 3.4 Über­blick Pfarr­amt.
  16. Vgl. dazu etwa Wolf­gang Kraus: Die Kir­che ist kein Ein­zel­kind. Ände­run­gen von Kir­chen­ord­nun­gen bzw. –ver­fas­sun­gen im Bereich der EKD zum The­ma Chris­ten und Juden, in: blick­punk­te. Mate­ria­li­en zu Chris­ten­tum, Juden­tum, Isra­el und Nah­ost, Nr. 3 / 2012, 3-8.
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