Dr. Dmitrij Belkin

© Dmitrij Belkin

»Wir Migranten und Migrantinnen sind Chamäleons. Wir müssen mimikrieren. Wie passe ich mich so an, dass das halbwegs geht und ich den Anderen und mir selbst nicht so fremd vorkomme? Wer kennt diese Frage nicht? Wenn eine migrantische Situation dazu noch jüdisch ist und das Ganze sich in Deutschland abspielt, wird der neurotische Zusammenhang perfekt. Die Suche nach den wenigen adäquaten Orten des eigenen Agierens wird nicht selten zu einer paradoxen Achterbahnfahrt. Wenn man diesen Ort findet – die AG ist für mich sicherlich einer davon – will man die Verantwortung übernehmen. Meine Vision für die AG und den jüdisch-christlichen Dialog ist vor allem kommunikativer und sprachpolitischer Natur: Wie entstaubt man die Denk- und Sprachfiguren der Vergangenheit, die heute höchstens zu musealisieren sind? Wie kommuniziert man miteinander und mit der Außenwelt in einer Sprache, die der jungen Generation (etwa unserer Stipendiaten) zugänglich ist und zugleich Geschichte und Erinnerung nicht über Bord wirft? Wie berücksichtigt man im Dialog die (religiöse) Geschichte einer hierzulande immer noch kaum bekannten Gruppe namens ›postsowjetische Juden‹, die im Wesentlichen das Judentum Deutschlands von heute sind? Wie gestaltet sich eine interreligiöse und kommunikative ›Augenhöhe‹ der Juden und Christen in einer Situation, in der man sich für ›die Augen‹ des/der Anderen immer weniger zu interessieren scheint? Sich diesen Themen gewohnt fundiert und motivierend innovativ zu widmen, könnte die schöne Agenda ›meiner‹ AG der Zukunft sein.«

Related Posts

Pfarrer Wolfgang Kruse
visionen
Pfarrer Wolfgang Kruse

»Seit dem Studienjahr an der Hebräischen Universität Jerusalem 1979/80 im Rahmen des Studienprogramms Studium in Israel engagiere ich

AG

c/o Ev. Akademie zu Berlin
Charlottenstraße 53/54
10117 Berlin (Mitte)